Zukunft des deutschen Luftschiffbauers
Boeing plant keinen Einstieg bei Cargolifter

Einen Tag vor Beginn einer Expertenanhörung zur Zukunft von Cargolifter hat der US-Flugzeughersteller Boeing bekräftigt, dass er keinen Einstieg bei dem insolventen Luftschiffbauer plane.

Reuters BERLIN. Es gehe nicht um einen Einstieg bei Cargolifter, sondern vielmehr um verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit, sagte am Mittwoch ein Boeing-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Das US-Unternehmen werde voraussichtlich unabhängig vom Zukunftskonzept für Cargolifter über eine Kooperation mit dem angeschlagenen Luftschiffbauer entscheiden. Er gehe nicht davon aus, dass die Entwicklungsexperten des Unternehmens einen Bericht des vorläufigen Cargolifter-Insolvenzverwalters für ihren Beschluss abwarten würden, sagte der Sprecher. "Ganz davon abkoppeln kann man sich aber nicht."

Auf dem Werksgelände von Cargolifter in Brand beginnt am Donnerstag eine Anhörung von internationalen Experten über die technische Machbarkeit des Luftschiff-Projektes.

Boeing lotet Zusammenarbeit aus

Der Boeing-Sprecher bekräftigte frühere Angaben, wonach Boeing bis Ende Juli entscheiden wolle, ob es eine engere Kooperation mit Cargolifter geben werde. Für den gleichen Zeitpunkt hat Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning angekündigt, ein mögliches Fortführungskonzept für Cargolifter zu erarbeiten.

Boeing und Cargolifter hatten Anfang Mai eine Absichtserklärung unterzeichnet, um Möglichkeiten einer Kooperation auszuloten. Zum einen gehe es dabei um ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen zur Entwicklung eines so genannten Stratosphären-Luftschiffes für den zivilen und militärischen Bereich, sagte der Boeing-Sprecher. Ziel sei ein unbemanntes Luftschiff, dass etwa in 18 Kilometer Höhe als Überwachungsstation eingesetzt werden könnte.

Eine andere Möglichkeit der Zusammenarbeit sei für Boeing, wenn der Cargolifter Ballon CL 75 zum Transport von Flugzeugteilen benutzt würde. Dann wäre Boeing allerdings nur Kunde von Cargolifter, sagte der Sprecher. Die derzeitigen Verhandlungen mit Cargolifter verliefen "ergebnisoffen". Der Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob eine Vorentscheidung gefallen sei.

Expertenanhörung zu Cargolifter

Bei der Expertenanhörung zu Cargolifter sollen sich Fachleute zu dem Produkt, dem Zeitbedarf und der Finanzierung äußern. Bund und Land hatten zuletzt öffentliche Hilfen wegen "erheblicher Zweifeln" an der technischen und finanziellen Machbarkeit des Projektes abgelehnt. Teilnehmerkreisen zufolge soll die Anhörung womöglich bis zu drei Tagen dauern, eine Cargolifter-Sprecherin sprach von "dieser Woche". Informationen aus unternehmensnahen Kreisen, wonach es Anfang nächster Woche eine Pressekonferenz geben werde, bestätigte sie nicht.

Wegen Zahlungsunfähigkeit hatte Cargolifter Anfang Juni Insolvenz beantragt. Ende Juni war der Firmenmitgründer und bisherige Vorstandsvorsitzende Carl von Gablenz in den Aufsichtsrat gewechselt. Die Unternehmensleitung hat mittlerweile das frühere Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Schneider übernommen. Er war früher Entwicklungschef der DaimlerChrysler Aerospace Airbus GmbH.

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