Zukunft eines verwüsteten Landes
Konferenz berät über Stabilisierung Afghanistans

Knapp ein Jahr nach der ersten Afghanistan-Konferenz wird heute auf dem Petersberg bei Bonn über den Wiederaufbau und die Stabilisierung des verwüsteten Landes beraten. Bei der internationalen Folgekonferenz wollen Delegationen aus 32 Ländern unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen konkrete Ziele festlegen.

HB/dpa KÖNIGSWINTER. Die eintägige Konferenz wird von Bundeskanzler Gerhard Schröder eröffnet. Die afghanische Regierungsdelegation wird angeführt von Präsident Hamid Karsai.

Im vorigen Dezember hatten die afghanischen Volksgruppen kurz nach dem Sturz der radikal-islamischen Taliban auf dem Petersberg unter Aufsicht der Vereinten Nationen eine Übergangsregierung gebildet. Sie beschlossen auch einen politischen Fahrplan bis zu freien Wahlen im Jahr 2004. Die Initiative für die Folgekonferenz ein Jahr nach den Petersberger Beschlüssen ging von Außenminister Joschka Fischer aus.

Gestern wurde bei einer Fachtagung in Bad Honnef heftig darüber gestritten, wie weit das islamische Recht - die Scharia - in der neuen Verfassung verankert werden soll und welche Rechte Frauen bekommen sollen. Afghanische Fachleute empfahlen eine Verfassung, die auch islamische Normen und die Tradition der Stammesgesellschaft einbezieht. Die Fachtagung forderte auch den Schutz der Minderheiten im multi-ethnischen Afghanistan.

Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) warnte davor, sich durch andere regionale Konflikte vom Engagement in Afghanistan ablenken lassen. "Der langfristige Wiederaufbau ist der wirkliche Ernstfall", sagte sie der "Berliner Zeitung" (Montag). In diesem Zusammenhang wies sie auf die immer noch schlechte Sicherheitslage in Afghanistan hin. Fehlende Sicherheit sei das größte Hindernis für eine bessere Entwicklungszusammenarbeit.

Wieczorek-Zeul verteidigte den Umstand, dass die Bundesrepublik erst jetzt auch die früheren Taliban-Hochburgen im Südosten und Südwesten Afghanistans in die Entwicklungszusammenarbeit einbeziehe. "Ich kann nur dort Menschen mit Entwicklungszusammenarbeit beauftragen, wo ich davon ausgehen kann, dass sie ihre Arbeit ohne Gefahr für Leib und Leben ausüben können."

Wieczorek-Zeul zog eine positive Bilanz der bisherigen deutschen Arbeit am Wiederaufbau im dem Land am Hindukusch. "Die konkreten Lebensumstände in Afghanistan haben sich verbessert. In Kabul und Umgebung haben wir mit unserer Entwicklungszusammenarbeit 34 Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen ausgebaut." Insgesamt seien, auch in Zusammenarbeit mit Nicht- Regierungsorganisationen, etwa 80 Schulen für rund 80 000 Kinder wieder hergerichtet worden. Besonders hob Wieczorek-Zeul die Verbesserung der Lebensbedingungen der afghanischen Frauen hervor.

Die Zahl der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan wird sich im kommenden Jahr nach einem Zeitungsbericht möglicherweise von derzeit 1200 auf bis zu 2500 mehr als verdoppeln. Nach Informationen des "Handelsblatts" (Montag) erwägt die Bundesregierung nicht nur, weitere rund 800 Soldaten für die Übernahme zusätzlicher Aufgaben bei der Führung der internationalen Schutztruppe nach Afghanistan zu entsenden. In den Gesprächen zwischen Kanzleramt, Verteidigungs- und Außenministerium werde erwogen, im Entwurf für die Mandatsverlängerung, der der Bundestag am 20. Dezember zustimmen soll, gleich eine Entsendung von bis zu 2500 Mann vorzusehen.

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