Zukunft ungewiss
Folgen für Weltwirtschaft nicht absehbar

Der verheerendste Terroranschlag in der Geschichte der USA hat auch wirtschaftlich eine bisher nicht gekannte Dimension. Eine Gruppe Selbstmordattentäter und ihre Hintermänner haben es geschafft, die Märkte rund um den Globus in Panik zu versetzen oder wenigstens stark zu verunsichern.

ap BERLIN. Die ersten Reaktionen waren krisentypisch: Kursstürze an den Börsen, Kapitalflucht, Ölpreisanstieg und ein regelrechter Gold-Kaufrausch.

Nach dem "Schock vom Dienstag" beruhigte sich die Lage wieder. Hoffnungen, dass die Weltwirtschaft den Anschlag ohne Krise übersteht, erhielten Nahrung. Der Ölpreis fiel, Dollar und Finanzmärkte erholten sich leicht. Ökonomen im In- und Ausland waren sich einig, dass Konjunkturrisiken bestünden, aber eine globale Rezession sehr wahrscheinlich ausbleiben werde. Doch was passiert, wenn die USA und ihre Nato-Partner gemeinsam Vergeltung üben und es gar zu längeren kriegerischen Auseinandersetzungen kommt? Kein seriöser Konjunkturforscher ist momentan bereit, eine Prognose zu wagen. "Das wäre pure Spekulation", hieß es bei allen sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstituten Deutschlands. Der Appell von Bundesfinanzminister Hans Eichel, jetzt bloß keine Rezession herbeizureden, fand Gehör.

"Natürlich kann man nicht sagen, es gibt jetzt ein Prozent mehr oder weniger Wirtschaftswachstum", pflichtet Jürgen Turek bei. Der Geschäftsführer des Centrums für angewandte Politikforschung unterstreicht wie andere Experten: "Ein Szenario zu zeichnen, ist unmöglich." Turek wagt maximal, einige Möglichkeiten im Kopf durchzuspielen.

Denn zu viele Fragen sind offen. Wie stark fällt der Gegenschlag der USA aus? Werden die Amerikaner ihre Nato-Partner tatsächlich um Unterstützung bitten? Falls ja: Wird diese Hilfe logistischer Beistand sein oder eine Kampfbeteiligung europäischer Truppen? Welche Regionen wird die Vergeltung treffen? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, können die Folgen für die Weltwirtschaft eingeschätzt werden.

Einig sind sich die Fachleute, dass allein der Anschlag die Konjunktur nicht in die Knie zwingen könne. Selbst wenn die Amerikaner ihren Luftraum für ein oder zwei Wochen geschlossen hätten, wäre es möglich gewesen, Rückschläge beim Handel aufzuholen, hieß es. Wenn die amerikanische Notenbank und die Europäische Zentralbank zusätzliches Geld in die Märkte pumpen, könnte dies die Konjunktur sogar beflügeln.

Ölpreis von entscheidender Bedeutung

Wesentlich schlimmer könnten die psychologischen Folgen sein. Offen ist, ob Verbraucher sowie in- und ausländische Unternehmer wieder Vertrauen in den amerikanischen Markt gewinnen und Geld ausgeben - in Konsumartikel, Aktien und andere Investitionen. Als 1991 der Golf-Krieg ausbrach, schoss der Ölpreis in die Höhe. Der private Konsum in den USA ging drastisch zurück, die mächtige Industrienation stürzte in eine Rezession.

Die Entwicklung des Ölpreises ist auch jetzt von zentraler Bedeutung für die globale Konjunktur. Am Mittwoch war der Rohölpreis wieder auf den Stand vom Montag zurückgefallen. Für ein Barrell Rohöl mussten 28,27 US-Dollar gezahlt werden, kurz nach den Anschlägen war er auf mehr als 30 Dollar gestiegen.

Immer wieder wird auf den Golf-Krieg verwiesen. Doch Turek betont, dass damals "eine Region mit Erdölförderung und-weiterleitung direkt betroffen war". Dies sei jetzt unwahrscheinlich. Bisher gebe es eher Hinweise vor allem in Richtung Afghanistan.

Vielleicht wird der Terroranschlag auch die Rüstungsindustrie umkrempeln. Seit Dienstag wird darüber diskutiert, ob der Westen seine Feinde überhaupt mit "herkömmlichen Mitteln" bekämpfen könne. Möglicherweise muss sich die "klassische Rüstungsindustrie" bald neue Produkte einfallen lassen, um im Geschäft zu bleiben.

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