Zukunftsaussichten der Ernährungsindustrie sind gut
Nestlé produziert auch Nerven-Nahrung

Wenn die Konjunktur ins Straucheln gerät, zeigen defensive Börsenwerte ihre Reize. Anleger, die das hohe Risiko der Neuen Märkte rechtzeitig erkannt hatten, freuen sich über respektable Kursgewinne. Die Aktien der Ernährungsindustrie bieten in stürmischen Börsenzeiten manch sicheren Hafen.

DÜSSELDORF. Die Aktien der Ernährungsbranche gelten als die defensivsten Titel par excellence. Und so ist es kein Wunder, dass der europäische Aktienindex Dow Jones Stoxx Food & Beverage innerhalb eines Jahres um zeitweise mehr als 20 % an Wert gewann, während die Technologie-Indizes in den Keller rutschten. Nestlé, Danone, Diageo und Unilever gelten als sichere Häfen für Investoren, die ihr Nervenkostüm schonen wollen.

Vor allem diese weltweit agierenden Unternehmen haben große Chancen, weiter von wachsenden Märkten zu profitieren. Eins ist klar, trotz aller Katastrophen und Kriege wird die Zahl der Menschen weiter wachsen. So nimmt zwar die Bevölkerung in Ländern mit einem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen rapide zu, doch zugleich steigt in diesen Regionen auch die Zahl der Konsumenten, die über ein höheres Einkommen verfügen - weshalb diese Personengruppe für die Ernährungsindustrie als Zielgruppe besonders interessant ist. Nach einer Studie der Rabobank International erreicht die Gruppe mit einem Jahreseinkommen von über 10 000 $ im Jahr 2003 die 1,5-Milliarden-Marke und stellt damit rund ein Viertel der Weltbevölkerung.

Insgesamt waren die international agierenden Konzerne der Ernährungsbranche in der letzten Zeit bemüht, ihre Position auf dem Weltmarkt zu festigen - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Nestlé: Gute Zukunftsaussichten

Nestlé wird nach Ansicht von Analysten mit seinem jüngsten Coup, der geplanten Übernahmen des deutschen Speiseeisherstellers Schöller, den Abstand zum Marktführer Unilever (Langnese) verringern und eine Lücke im europäischen Speiseeisgeschäft schließen. Dabei gibt es kaum einen Ernährungsbereich, in dem der Schweizer Konzern nicht zur Spitzengruppe der weltweit führenden Anbieter gehört. Der Aktie werden weiter gute Zukunftsaussichten prognostiziert.

Unter großer Beobachtung des Marktes stand der Börsengang von Kraft Foods im Juni des Jahres. Philip Morris erzielte für seine Lebensmittel-Tochter 8,7 Mrd. $. Analysten sind in ihrer Meinung über die Entwicklung des Aktienkurses gespalten. Während Goldman Sachs den Titel für einen "Outperformer" hält, sagt Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg, die Kraft-Aktien seien mit 31 $ bereits "relativ hoch bewertet" an die Börse gekommen.

Richtig froh hingegen können Unilever-Aktionäre sein. Seit Juni vorigen Jahres stieg der Aktienkurs um rund 26 %. Damit schwindet die Hoffnung auf erhebliche Kursgewinne. Der niederländisch-britische Konzern ist für viele Analysten lediglich ein "Marketperformer". Die langfristigen Aussichten für die Nahrungsmittel-Multis sind gut. Die Analysten der Rabobank International gehen in ihrer Studie "The World Food Markets" von einer weiteren Urbanisierung des Marktgeschehens aus. Die Menschen von morgen leben in großen Städten, haben wenig Zeit für die Nahrungs-Zubereitung und legen trotzdem Wert auf gesunde Kost. So wird der Trend zu Fertiggerichten weiter zunehmen. Auch die Märkte in Ländern mit einem niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen dürfen nicht vernachlässigt werden. Dort gilt "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".

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