Zukunftsszenarien
Gerling zwischen den Stühlen

Mit wenig Freude wird Großaktionär Rolf Gerling die heutige Bilanz-Presskonferenz des Gerling-Konzerns verfolgen. Rekordverlust von 562 Millionen Euro, Stellenabbau - die Zukunft sieht nicht rosig aus.

KÖLN. Unklar bleibt vor allem, was die Deutschen Bank als Minderheitsaktionär mit ihrem 34,5-Prozent-Anteil plant. Die Deutsche Bank will den Anteil nicht behalten. Doch potenzielle Käufer wie die Allianz haben bereits abgewunken.

Zwei Szenarien sind für die Zukunft von Gerling denkbar:



  • Szenario 1: Die deutsche Industrie springt in die Bresche. BASF regte in den vergangenen Wochen Überlegungen zu einer Übernahme Gerlings an. Eine Insolvenz Gerlings würde ein großes Loch in die deutsche Versicherungsbranche reißen, die auch von den Wettbewerbern nicht so schnell zu füllen wäre. Außerdem würden die ohnehin schon happigen Prämien durch ein Oligopol der Industrieversicherer weiter steigen. Die Übernahme wird von Analysten als "grundsätzlich nicht abwegig" bezeichnet.



    Zuvor waren Pläne der Industrie ad acta gelegt worden, einen neuen Versicherer auf die Beine zu stellen. Das könnte den Plänen Auftrieb verleihen, in einen bestehenden Versicherer einzusteigen. Der Analyst Carsten Zielke von der WestLB hält allerdings die Kostenseite eines solchen Projekts für problematisch.



  • Szenario 2: Ausländische Investoren steigen bei Gerling ein. In Finanzkreisen hält sich das Gerücht, dass der Deutschen Bank zwei Angebote amerikanischer Konsortien zur Übernahme der Gerling-Gruppe vorliegen. Das würde allerdings die Zerschlagung des Gerling-Konzern bedeuten.



In den vergangenen Monaten rissen die Hiobsbotschaften rund um Gerling nicht ab. Immer mehr Finanzlöcher wurden aufgedeckt.

Zuletzt musste Mehrheitsaktionär Rolf Gerling tief in die eigenen Brieftasche greifen und kurzfristig einen verlorenen Zuschuss von 100 Millionen Euro leisten. Grund waren Liquiditätsprobleme der Gerling Rückversicherung.

Wenige Tage zuvor haben sich Vorstand und Gesamtbetriebsrat auf einen Abbau von 1250 Stellen bis Ende 2003 geeinigt. Dabei könnten jedoch betriebsbedingte Kündigungen nicht ganz vermieden werden, sagte ein Sprecher. Im laufenden Jahr sollen 830 Angestellte den defizitären Versicherungskonzern verlassen. 200 Stellen wurden bereits abgebaut. Gerling will dadurch Einsparungen in Höhe von 70 Millionen Euro erzielen.

In Zukunft will sich Gerling verstärkt auf Europa konzentrieren. Die Tochter in Südafrika soll verkauft und die Repräsentanzen in Mexiko, Korea und Taiwan sollen geschlossen werden.

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