Zulässige Quote für Lebensversicherer steigt
Versicherer sollen mehr Aktien kaufen dürfen

Die deutschen Versicherer - sie verwalten rund 1,8 Billionen DM - sollen mehr Freiheiten bei der Geldanlage bekommen. Das geht aus einem Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums hervor. Die zulässige Aktienquote steigt demnach von 30 auf 35 Prozent - aber nicht für alle Sparten, was den Versicherern sauer aufstößt.

sm/kun BERLIN. Spätestens ab Beginn nächsten Jahres gelten für die deutschen Versicherer neue, freizügigere Kapitalanlagevorschriften. Die bisherigen, von der Branche oft als zu restriktiv empfundenen Vorschriften, werden abgeschafft und durch eine Rechtsverordnung ersetzt.

Bleibt der gerade fertig gestellte Referentenentwurf des zuständigen Bundesfinanzministeriums unverändert, könnten besonderes die Lebensversicherer deutlich mehr in Aktien investieren - wenn sie das wollen. Mit rund 1,1 von insgesamt 1,8 Billionen DM derzeit verwalteten Vermögen sind die Lebensversicherer das mit Abstand wichtigste Kapitalsammelbecken der Branche.

Der dem Handelsblatt vorliegende Entwurf sieht vor, dass einerseits die zulässige Aktienquote bei den Kapitalanlagen (gemessen am Buchwert) von 30 auf 35 Prozent steigt, andererseits sich das Verfahren ändert, wie die ausgeschöpfte Quote berechnet wird. Bislang gelten Anteile an Investmentfonds beim Versicherer voll als Risikokapital wie eine Aktie, selbst wenn der Fonds überwiegend in festverzinsliche Papiere, also weitgehend sichere Anlagen, investiert. Laut Referentenentwurf sollen künftig die Investment-Anteile auf die Aktienquote nur noch insoweit angerechnet werden, wie der Fonds tatsächlich Aktien enthält. Investmentanteile machen im Schnitt mehr als ein Fünftel der Kapitalanlagen der Versicherer aus.

Für Schadenversicherer bleibt die alte Quote

"Insgesamt würde die zulässige Quote so um etwa 10 Prozentpunkte steigen, das ist sehr positiv zu werten", sagte dazu gestern Ulrich Krüger, Leiter der Abteilung Kapitalanlage beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Weitere geplante Freiheiten bei der Kapitalanlage würde der Versichererverband ebenfalls begrüßen:

- So soll der zulässige Anteil von nicht-europäischen Aktien im Portfolio von 6 auf 10 Prozent steigen. "Das ist gut für eine breite Diversifizierung", meinte Krüger.

- Zudem kann sich im Einzelfall laut Referentenentwurf der in der Branche oftmals als "Spielmasse" bezeichnete Portfolioanteil verdoppeln. Damit sind Finanzinstrumente gemeint, die nicht ausdrücklich im Anlagenkatalog genannt sind, etwa Indexzertifikate. Bislang sind 5 Prozent möglich, künftig können es 10 Prozent sein - wenn die Aufsichtsbehörde damit einverstanden ist.

Damit dürfte sich in diesem Punkt das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen (BAV) sich durchgesetzt haben, welches in jüngster Zeit den Einsatz von Finanzinnovationen bei Versicherern kritisch beäugt hat.

Unverändert bleibt nach jetzigem Stand aber die 30 Prozent-Vorschrift bei den Schaden- und Unfallversicherungsgesellschaften (rund 200 Mrd. DM verwaltetes Vermögen). Im Bundesfinanzministerium hieß es dazu, Lebens- und Krankenversicherer würden mit wesentlich langfristigeren und besser kalkulierbareren Verbindlichkeiten arbeiten, deshalb sei bei diesen Gesellschaften eine höhere Aktienquote möglich. Das gelte aber nicht für Schaden- und Unfallversicherer. Die bieten beispielsweise Autopolicen an.

Diese Auffassung wurmt die Branche: "Es sind doch gerade die Schadenversicherer, die vielfach an die Anlagegrenze für Aktien herangekommen sind. Ausgerechnet für sie soll die alte Quote weiter gelten, das ist unverständlich", sagte Ulrich Krüger vom Versichererverband GDV. Es gebe deshalb noch Gesprächsbedarf mit Bundesfinanzminister Hans Eichel.

Investments in Fonds haben sich verdoppelt

In der Vergangenheit galten vor allem die Lebensversicherer als Aktienmuffel. Das ändert sich erst mit dem Börsenboom, der Mitte der 90er Jahre einsetzte. Die Quote der direkten Aktieninvestitionen erhöhte sich im Schnitt seitdem zwar nur leicht von 2,9 auf knapp über 4 %; die Investmentfondsquote hat sich aber auf mehr als 20 % glatt verdoppelt.

Das Umschichten der Kundengelder wurde schon deshalb nötig, weil fast parallel zur Aktienhausse die Rendite von festverzinslichen Papieren, der bis dahin beliebtesten Anlage bei deutschen Versicherern, drastisch absackte. Den Kunden wurden aber beim Verkauf weiter mögliche Ablaufleistungen hochgerechnet, denen eine Rendite von 7 oder mehr Prozent zu Grunde lag. Erzielbar waren mit sicheren Neuanlagen am Kapitalmarkt indes nur noch 5 oder sogar weniger Prozent Rendite.

Der Ausweg waren vermehrte Investments in Aktien und Fonds, wodurch auch einige Lebensversicherungsgesellschaften an die zulässige Quote stieße; andere wiederum blieben selbst in den vergangenen Jahren deutlich darunter.

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