Zulassungsbehörde fordert verstärkte Forschung
Vorerst kein neuer Impfstoff gegen Pocken

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, erwartet keine schnelle Zulassung eines neuen Impfstoffs gegen Pockenviren in Deutschland. Der in der Entwicklung befindliche Stoff MVA müsse erst noch intensiv getestet werden. "Ich rechne mit einigen Jahren Forschungszeit", sagte Löwer.

dpa/bef BERLIN. Das Paul Ehrlich-Institut - im hessischen Langen ist als Bundesamt für die Zulassung von Impfstoffen verantwortlich. Firmen wie die deutsch-dänische Bavarian Nordic und die britische Acambis arbeiten an neuen Impfstoffen, die geringere Nebenwirkungen als die bisherigen Stoffe haben sollen. Ihre Wirksamkeit sei jedoch noch nicht sicher bewiesen, sagte Löwer. Bavarian Nordic selbst rechnet erst im Sommer mit weiteren Testergebnissen, die die Zulassungsbehörde überzeugen könnten.

Die jüngst von der Bundesregierung angeschafften und bestellten Impfstoffe gehören zur ersten Generation, wie sie bis Ende der 70er-Jahre verwendet wurde. Sie können Nebenwirkungen haben, die bis zum Tod führen. Babys, Schwangere, Immunschwache sowie Krebs- und HIV-Erkrankte wären am ehesten davon betroffen. Von diesem Stoff waren bislang ausreichend Impfdosen gelagert.

Kritiker hatten eine schnelle Zulassung des neuen Stoffes MVA gefordert, um die Bevölkerung besser versorgen zu können. Doch MVA liegt noch nicht in großen Mengen vor und kann nach Angaben der Firmen auch nicht in ausreichendem Maße kurzfristig produziert werden. Aus wissenschaftlicher Sicht handele die Regierung richtig mit der Anschaffung der älteren Impfstoffe, sagte Löwer. Virenexperte Alexander Kekulé von der Universität Wittenberg- Halle äußert sich angesichts der noch nicht ausreichenden Erforschung neuer Impfstoffe ähnlich: Das einzig Vernünftige sei zurzeit, Depots des Alt-Impfstoffs für alle Bundesbürger zur Verfügung zu halten.

Di

e Forschung neuer Impfstoffe müsse vorangetrieben werden, sagte Löwer. "Wenn eine nebenwirkungsärmere und gleichermaßen wirksame Alternative gefunden wird, darf sich die Regierung allerdings nicht scheuen, die alten Stoffe durch neue zu ersetzen und nochmals Geld auszugeben." Löwer hält dann auch eine allgemeine, vorbeugende Impfung der Bevölkerung für sinnvoll und möglich, die mit dem alten Impfstoff zu gefährlich wäre.

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