Zulieferbetriebe erhalten positive Signale aus Oberpfaffenhofen
Dornier-Jetbau soll in Deutschland bleiben

Die Verhandlungen zwischen Insolvenzverwalter und Bombardier über die Übernahme des Regionaljets 728 von Fairchild Dornier gehen in die heiße Phase. Zulieferer haben bereits positive Signale erhalten. Von der Entscheidung über die Fortführung des Prestigeprojekts in Oberpfaffenhofen hängen tausende Jobs ab.

ebe/mwb MÜNCHEN. Am Standort Oberpfaffenhofen werden aller Voraussicht nach auch in Zukunft Flugzeuge produziert. Wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen erfuhr, seien Zulieferunternehmen bereits über die Fortführung des Geschäftsbetriebs beim insolventen deutschen Flugzeugbauer Fairchild Dornier informiert worden. "Es gibt eine grundsätzliche Einigung mit dem Bombardier-Konzern über eine Fortsetzung des Betriebs in Oberpfaffenhofen", hieß es in Verhandlungskreisen. Demnach soll der kanadische Konzern das Regionaljet-Programm 728Jet übernehmen und damit das Filetstück des Flugzeugbauers aus dem Konzern herauslösen. Finanzielle Details würden derzeit noch verhandelt.

Einige Branchenvertreter rechnen allerdings damit, dass Bombardier die Eröffnung der Insolvenz abwarten könnte, die spätestens bis 1. Juli erfolgen muss. Aus dem Konkurs heraus würde das Herauslösen einzelner Unternehmensteile einfacher, heißt es bei einem Zulieferer. Eine Zerschlagung des Unternehmens zeichnet sich damit immer deutlicher ab. An den anderen Unternehmensteilen, dem kleineren 328Jet und der Komponentenfertigung für Airbus, zeigt Bombardier kein Interesse. Der vorläufige Insolvenzverwalter Eberhard Braun hat aber erklärt, für diesen Bereich gebe es ernsthafte Interessenten. Alle Unternehmensteile sollen am Standort gehalten werden, am Ende könnte ein "Industriepark Oberpfaffenhofen" mit verschiedenen Investoren stehen. "Wir gehen davon aus, dass bis Ende Juni die Ampeln auf Grün geschaltet werden und wieder Planungssicherheit für die Zulieferer besteht", sagte Andreas Lohner, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner.

Für die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie wäre das eine positive Nachricht in schweren Zeiten. Kleinere Zulieferer eingerechnet, stünden bei einem Totalausfall des Jetbauers bis zu 12 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, hatten Luftfahrt-Experten zuletzt gewarnt. Neben den 3 600 Beschäftigten bei Fairchild Dornier sind 30 weitere Unternehmen, darunter bekannte Adressen wie MAN Technologie, Liebherr oder Diehl Avionik, von der Krise des Jetbauers betroffen. Manch mittelständischer Zulieferbetrieb macht mehr als 50 % seines Umsatzes mit Fairchild Dornier. In den Reihen der Zulieferer macht sich nun Erleichterung breit, auch wenn die Kontrakte neu verhandelt und die Konditionen in solchen Fällen für die Zulieferer nicht besser werden.

Seit drei Wochen prüft ein 20-köpfiges Techniker-Team von Bombardier den 728Jet von Fairchild Dornier - mit positivem Ergebnis: "Die grundsätzlichen Studien sind abgeschlossen", heißt es aus dem Unternehmen. Für den kanadischen Weltmarktführer im Bereich Regionalflugzeuge wären die 70- bis 100-sitzigen Dornier-Jets eine Ergänzung ihrer CRJ-Familie, die derzeit nur im Bereich bis zu 70 Sitzen erfolgreich läuft. Bombardier selbst hatte ein Projekt im höheren Segment gestoppt, weil die Konkurrenten Fairchild Dornier und die brasilianische Embraer mit der Entwicklung ihrer Jets weit vorn lagen.

Bombardier fordert allerdings vor dem Einstieg Klarheit über finanzielle Zusagen von seiten des Staates. Die Kanadier um Konzernchef Robert E. Brown hatten sich bereits bei der Übernahme der deutschen Bahntechnikhersteller DWA und Adtranz als überaus harte Verhandlungspartner erwiesen. "Bombardier wird ganz kühl entscheiden, ob sich die Produktion am Standort rechnet", sagt ein Branchenkenner.

Das Arbeitsamt zahlt die Löhne bei Fairchild nur noch bis Monatsende. So lange reicht auch der Massekredit der Banken in Höhe von 90 Mill. Euro. Fairchild Dornier hatte sich mit der Entwicklung seines neuen Jets finanziell völlig übernommen. 1 Mrd. Euro flossen bereits in den 728Jet, ehe dem Unternehmen im April das Geld ausging.

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