Zulieferer für Stahlindustrie sucht Partner für Dämmstoffe
RHI verspricht Verdoppelung des Aktienkurses

Die Durststrecke für die Aktionäre des Feuerfestkonzerns RHI AG, Wien, soll nur noch eineinhalb Jahre dauern. "Ich sehe keinen Grund, warum die RHI-Aktie nicht wieder die 50 Euro des Jahres 1998 erreichen sollte", sagt Vorstandschef Georg Obermeier im Gespräch mit dem Handelsblatt.

HB WIEN. Mit einem früheren Aufstieg rechnet er nicht - "sicherlich nicht im laufenden Jahr und wahrscheinlich auch nicht 2002. Dazu seien nach der Phase der Expansion die Finanzverbindlichkeiten von knapp 900 Mill. Euro noch zu hoch.

Seit Mitte 1999 führt Obermeier den Weltmarktführer der Feuerfest-Industrie, die vor allem die Hochtemperatur-Öfen der Stahl-, Zement-, Kalk-, Glas und Aluminiumindustrie ausstattet. Im vergangenen Jahr setzte der Konzern mit fast 14 000 Beschäftigten knapp 2,2 Mrd. Euro um, auch akquisitionsbedingt ein Plus von 39 %. Das Betriebsergebnis (Ebit) lag bei 131,3 Mill. Euro (plus 7 %). Größter Aktionär der RHI ist mit 10,6 % die Düsseldorfer Eon, es folgen die Erste Bank (Wien) und der italienische Versicherungskonzern Generali mit je 5 %. Dazu kämen "sechs bis sieben Fonds mit je 4 bis 5 %". Diese Großaktionäre hätten eine einfache Philosophie: "RHI ist Weltmarktführer und Trendsetter der Branche. Der Feuerfestmarkt ist abgegrenzt, es gibt keine neuen Wettbewerber. Die Materialien sind nicht ersetzbar. RHI sollte daher größer und stärker werden."

Um dieses Ziel zu erreichen und den Aktienkurs mittelfristig zu verdoppeln, sieht Obermeier zwei wichtige Stellschrauben. "Wir müssen die Finanzschulden auf 600 Mill Euro reduzieren und den Betriebserfolg auf 200 Mill Euro steigern". Die aktuelle Notierung von 22,50 Euro nennt der RHI-Chef eine "faire Bewertung".

Von großem Vorteil sei es, dass RHI als Weltmarktführer aus der Position der Stärke handeln könne. Mit der 509 Mill Euro teuren Übernahme des US-Konkurrenten Harbison Walker (HW) komme RHI jetzt auf einen Weltmarktanteil von 15 %. Heute sei der Konzern Preisführer und nicht mehr weit von der Kostenführerschaft. Letztere sei besonders wichtig: "Nur der, der bei den Kosten wettbewerbsfähig ist, kann es mit den Spezialisten in den Nischen aufnehmen".

Besonders stark sei RHI in den wichtigsten Marktregionen Westeuropa und Nordamerika mit jeweils 30 % Marktanteil. Stärker werden will Obermeier in den Wachstumsregionen Lateinamerikas, Osteuropas und Südostasiens. Mit der Übernahme von Harbison Walker sei die weltweite Abhängigkeit von Stahl von 70 auf 60 % reduziert worden. In den USA betrage die "Stahllastigkeit" dank der Stärke von HW bei Aluminium und Chemie-Anlagen nur noch 50 %. Die Abhängigkeit vom Stahlzyklus werde teils durch den völlig anderen Aluminium-Zyklus kompensiert, teils durch regionale Zyklen bei Glas und Zement.

Obermeier will aus dem Mischkonzern RHI einen auf feuerfeste Materialien fixierten Anbieter machen. Die Sparte Isolieren wurde an die Manager verkauft, für Dämmstoffe wird nun ein 50 zu 50-Partner gesucht. RHI will das Know-How beisteuern, der neue Partner soll das derzeit knappe Kapital (RHI-Eigenkapitalquote 17 %) für Weiterentwicklungen einschießen.

Große Pläne hat RHI im Dienstleistungsgeschäft; so beruhten 25 % der Umsätze mit der Stahlindustrie auf Serviceleistungen. "Wir liefern das feuerfeste Material für die Stahlwerke, überwachen Aus- und Einbringung, machen die Lagerhaltung und stellen das technische Know-How." Angenehmer Nebeneffekt: Mit den auf drei Jahre abgeschlossenen Verträgen stärkt RHI automatisch die Marktposition.

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