Zulieferer und Regierung sollen sich beteiligen
Chrysler plant neues Werk nach Smart-Vorbild

Die US-Auto-Sparte der Daimler-Chrysler AG will nach eigenen Angaben bis Jahresmitte über den Bau eines Werks in der kanadischen Provinz Ontario entscheiden. Chrysler-Chef Dieter Zetsche richtet demnach den Blick bereits nach vorne, auch wenn die US-Sparte noch immer nicht ganz über den Berg ist.

OTTAWA. Daimler-Chrysler legt am Dienstag vorläufige Zahlen zum Umsatz und Betriebsgewinn vor, die Finanzmärkte rechnen zudem damit, dass der Konzern eine Erhöhung der Dividende bekannt gibt.

Die Chrysler-Investitionen in Kanada dürften sich umgerechnet zwischen 360 und 600 Mill. Euro bewegen. Daimler-Chrysler strebt eine für Nordamerika bisher "einzigartige Partnerschaft" an: Zulieferfirmen und die Regierungen von Ontario und Kanada sollen sich an dem Projekt beteiligen.

Zetsche bestätigte in Toronto Pläne des Unternehmens, in Windsor, der kanadischen "Zwillingsstadt" von Detroit, zu investieren. "Wir führen Gespräche mit Regierungsvertretern und potenziellen Zulieferern", sagte Zetsche, der keine Angaben über das Investitionsvolumen machte. Die Gewerkschaft der Automobilarbeiter (CAW) rechnet mit 1000 neuen Arbeitsplätzen in Windsor. Neue Werke könnten Chrysler wieder zu alter Ertragsstärke zurückzubringen. Dies will Zetsche einerseits mit neuen Produkten, aber auch mit effizienterer Produktion erreichen. Diese lässt sich am einfachsten in neuen Fabriken umsetzen.

Bereits 2002 hat die Gewerkschaft CAW Daimler-Chrysler Zugeständnisse abgerungen. Der Autokonzern erklärte sich für den Fall der Schließung des Werks Pilette Road bereit, ein neues Werk zu errichten. Von 2005 an soll dort ein neues Modell - vermutlich der Dodge M80 Truck - produziert werden. "Wir würden das Projekt gerne in Ontario machen und ich bin optimistisch, dass wir das erreichen können", sagte Zetsche in Toronto.

Dabei skizzierte er das mit der Gewerkschaft ausgehandelte Modell nach dem Vorbild von Smart im elsässischen Hambach: Zulieferfirmen sollen Teile der Investitionen übernehmen und für Teilbereiche der Montage verantwortlich sein.

Zetsche sieht eine "neue Partnerschaft von Unternehmen, Gewerkschaft, Zulieferern und Regierung". Allerdings ist noch offen, ob und mit wie viel Geld sich die Regierungen beteiligen wollen. Zetsche bestätigte, dass er staatliche Subventionen anstrebe. Berichte, wonach es um Regierungshilfen von umgerechnet rund 180 Mill. Euro gehe, wollte er nicht kommentieren.

Doch die Würfel sind noch nicht gefallen. Sollten die Ansiedlungspläne in Ontario zum Beispiel an mangelnder Unterstützung von Zulieferern oder Regierungen scheitern, "dann werden wir uns nach anderen Plätzen umsehen", hat Zetsche bereits in der Presse bekundet. Mexiko wäre dann die Alternative.

Direkte Subventionen wären in Kanada ein Präzedenzfall. Die Gewerkschaft fordert von den Regierungen in Ottawa und Toronto eine aktive Rolle. "Die Südstaaten der USA setzen Milliardenbeträge ein, um Werke anzusiedeln. Das müssen die Regierungen hier auch machen", sagt Gewerkschaftschef Buzz Hargrove.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%