Zum 50. Jubiläum feiert sogar Bangkok den fruchtigen Rotwein – 25 Millionen Flaschen für den Export
Glänzende Geschäfte mit dem neuen Gamay aus Beaujolais

Einen Vergleich mit dem Oktoberfest würden die Winzer im Beaujolais wohl übel nehmen. Doch die feierliche Prozession samt Fassanstich um Mitternacht, mit der das französischen Städtchen Beaujeu alljährlich den Beaujolais Nouveau begrüßt, hat programmatische Gemeinsamkeiten mit der Münchener "Wiesn".

FRANKFURT/M. Die Ankunft des jungen Weins von den Hügeln nördlich Lyons feiern auch andere Städte Frankreichs. Nach Lyon werden die Fässer per Lastkahn gebracht und feierlich an den Kaimauern entladen. Und in Paris veranstalten zahlreiche Bistros "Beaujolais-Abende".

Kritiker sprechen dann von einem schnöden Marketinggag. Denn der junge Rotwein braucht vom Weinstock bis in die Flasche nicht viel mehr als zwei Monate und bindet im Gegensatz zu anderen Rotweinen, die mehrere Jahre zur Trinkreife benötigen, kaum Kapital. Zudem rümpfen echte und selbst ernannte Kenner schon beim Adjektiv "Nouveau" oder "Primeur" verächtlich die Nase - zu Unrecht, sagen die Anhänger. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Regionen ist die Hand-Lese der Trauben im Beaujolais Pflicht.

Für die Winzer des Beaujolais ist die weltweite Nachfrage nach dem jungen Wein ein glänzendes Geschäft. Rund 58 Mill. Flaschen, etwa die Hälfte der Jahresproduktion der Region, wurden im vergangen Jahr als "Beaujolais Nouveau" abgefüllt. Etwas weniger als 50 % davon gingen direkt in den Export. Der Erfolg des frischen Weins, der ausschließlich aus der fruchtigen Gamay-Rebe gekeltert wird, hat viele andere Regionen zum Nachahmen angeregt. So kommt der "Nouveau" aus Südfrankreich (Provence, Languedoc) bereits im Oktober in die Läden, auch deutsche Winzer haben begonnen, das Geschäft mit dem jungen Wein zu entwickeln.

Traditionell gehört Deutschland zusammen mit Japan und den USA zu den größten Abnehmerländern des Beaujolais Nouveau. "37 % des gesamten Exports von 25 Millionen Flaschen gehen nach Deutschland", bestätigt eine Sprecherin von Sopexa, einer Image-Fördergesellschaft für französische Nahrungsmittel. Doch tatsächlich war die Begeisterung für den jungen Tropfen in Deutschland schon größer. Gingen 1999 noch über 10 Mill. Flaschen über den Ladentisch, sank die Nachfrage im vergangen Jahr um rund 10 % auf 9,3 Mill. Flaschen. Doch kann von einer Krise des Beaujolais Nouveau keine Rede sein. Denn der Beaujolais Nouveau liegt insbesondere in Asien im Trend, auch die Thai-Hauptstadt Bangkok widmet dem jungen Franzosen einen "feierlichen Abend".

Heimische Anhänger berufen sich übrigens auf eine Jahrhunderte alte Tradition, den Wein so schnell wie möglich zu konsumieren. Damals sei es nämlich nicht möglich gewesen, den Wein zu konservieren. Die Wirte rund um das Anbaugebiet kauften den Beaujolais deshalb direkt ab Kelter und schenkten bereits im Oktober die ersten Gläser aus.

Die Einführung der Herkunftsbezeichnung A.O.C. Beaujolais schob dem einen Riegel vor: Verkaufsverbot bis 15. Dezember. 1951 genehmigte die französische Steuerbehörde dann, dass bestimmte Weine, darunter der Beaujolais, "sofort verkauft werden dürfen". Zusammen mit der Französischen Weinbaubehörde einigte man sich im Laufe der Jahre auf den "dritten Donnerstag im November". Das war der Beginn einer über die Maßen erfolgreichen Geschichte: "Le Beaujolais Nouveau est arrivé".

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