Zum Amtsantritt dreitägiges Fest geplant
Mexiko hat ab Freitag einen neuen Präsidenten

Der neue mexikanische Präsident Vicente Fox will eine Million Arbeitsplätze im Jahr schaffen, die Armut um 30 % verringern und die Wirtschaft mit Privatinvestitionen ankurbeln. Wenn der erste Staatschef der Nationalen Aktionspartei (PAN) nur die Hälfte seiner Ziele erreichen würde, stünde dies in großem Gegensatz zu den letzten vier Regierungswechseln in Mexiko: Dem Amtsantritt eines neuen Präsidenten folgten bisher mit unschöner Regelmäßigkeit Inflation und steigende Arbeitslosigkeit.

ap MEXIKO-STADT. Der am Freitag in den Präsidentenpalast am Zocalo von Mexiko-Stadt einziehende Fox will den Schwung seines Wahlsiegs mit in den Regierungsalltag nehmen. "Der 2. Juli war nicht nur ein politischer Wechsel", sagte Fox vor Funktionären seiner Partei. "Der 2. Juli war etwas viel Tieferes, das aus dem Herzen jedes Mexikaners stammt: überschäumende Freude, Jubel, Hoffnung, Erwartungen, Glaube, ein Sinn für Verantwortung und optimistischer Blick in die Zukunft." So will denn Fox auch seinen Amtsantritt drei Tage lang feiern - zuerst in Mexiko-Stadt und dann mit großen öffentlichen Festen im Norden, in der Mitte und im Süden des Landes.

Als der erste mexikanische Präsident aus dem Oppositionslager schon drei Jahre vor dem Wahltag seine Kandidatur für das höchste Staatsamt anmeldete, wurde er überall ausgelacht. Noch nie hatte sich ein Kandidat so früh festgelegt. Und bisher war auch noch nie ein Seiteneinsteiger im verkrusteten politischen System Mexikos erfolgreich.

Fox wurde als "Gringo-Manager" verlacht

So wurde Fox wegen seiner Herkunft von den einen als daher gelaufener Cowboy, von den anderen als Gringo-Manager verspottet. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im kleinen Bundesland Guanajuato, studierte Fox in der Hauptstadt und arbeitete sich danach bei Coca-Cola die Karriereleiter hoch - bis zum Verantwortlichen für das gesamte Mittelamerika-Geschäft des US-Konzerns. Die Politik entdeckte Fox erst 1987. Schon im Jahr darauf wurde er für die PAN in den Kongress gewählt. 1991 verlor er die Gouverneurswahl in Guanajuato - die Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) sicherte sich damals die Macht noch mit den üblichen Manipulationen.

Doch Fox blieb standhaft - und profitierte vom langsamen demokratischen Reformprozess der PRI: 1995 wurde er doch noch Gouverneur von Guanajuato und ging nun daran, auch im ganzen Land für einen Wechsel zu werben. "Jeden Tag werden wir mehr und mehr!" rief der 57-Jährige in seinen meist frei gehaltenen Wahlkampfreden aus, zu denen er auf dem Land meist in seinen obligatorischen Cowboystiefeln erschien. Im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern aber präsentierte er sich als erfolgreicher Manager. In den drei Jahren nach der frühen Anmeldung seiner Kandidatur verbrachte er fast jedes Wochenende damit, auf dem Land umher zu reisen. Sein Unterstützerverein, die "Amigos de Vicente Fox" warb Tausende von Mitgliedern und sammelte Mill. von Pesos für den Wahlkampf - Fox baute so ein Gegengewicht zum eingespielten Parteiapparat der PRI auf und startete eine massive Werbekampagne im Radio, im Fernsehen und auf Plakatwänden.

Manager und Wirtschaftswissenschaftler ins Kabinett berufen

Dass Fox eine Regierung leiten kann, hat er in Guanajuato gezeigt. Dort war er so klug, den Apparat der PRI nicht völlig umzustürzen, sondern die Bürokraten in seine eigene Regierung einzubinden. Jetzt hat Fox mehrere Manager und Wirtschaftswissenschaftler ins Kabinett berufen. Zwei für den Reformkurs entscheidende Schlüsselressorts besetzte er mit konservativen Wirtschaftswissenschaftlern, die in den USA studiert haben: Der bisherige Weltbank-Mitarbeiter Luiz Ernesto Derbez wurde Wirtschaftsminister, der ehemalige Telekom-Manager Francisco Gil Diaz Finanzminister. Mit der Berufung des Politikwissenschaftlers Jorge Castaneda zum Außenminister kam Fox jenen entgegen, die nach dem Regierungswechsel einen Ausverkauf mexikanischer Interessen an die USA befürchten - Castaneda gilt als entschiedener Kritiker der US-Politik.

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