Zum Aufatmen ist es noch zu früh
Unsicherheit an den Börsen macht Bargeld attraktiv

Glück gehabt. Freitag, der 13. Oktober, war kein schwarzer Tag für die Börsen. Im Gegenteil: In den USA und in Europa setzten die Märkte zu einer Erholung an. Zufall oder Neueinschätzung? Markttechnik oder Trendwende? Die Antwort wird die neue Woche geben.

Der Auslöser für den Kursanstieg vom vergangenen Freitag ist schnell gefunden: Die rasant steigenden Notierungen an der US-Technologiebörse Nasdaq beflügelten weltweit viele andere Märkte. Die Chancen für eine Entspannung im Nahost-Konflikt wirkten als Beruhigungspille für die Anleger. Die Investoren setzen verstärkt auf eine Stabilisierung bei den Ölpreisen, sehen geringere Gefahren für die Inflation und erneute Leitzinserhöhungen in weitere Ferne rücken.

Doch Vorsicht! An der Börse handeln die Anleger vor allem Hoffnungen und Erwartungen. Diese müssen aber bestätigt werden. Der Weg dahin scheint noch weit. Und die Stimmung bleibt nach den starken Kursverlusten der vergangenen Wochen alles andere als gut. Pessimisten beschwören immer wieder Crash-Gefahren herauf - nicht zu Unrecht. Zwar bewerten die Märkte Aktien inzwischen deutlich niedriger. Billig sind sie jedoch nicht. Gleichzeitig haben die Gewinnwarnungen von Gesellschaften wie Intel gezeigt, dass sowohl Unternehmen als auch Analysten so manches Mal zu optimistisch waren. Erneute Korrekturen - auch in Deutschland - stehen im weiteren Jahresverlauf zu befürchten. Aber auch der Euro verunsichert die Gemüter. Offensichtlich testen die Marktteilnehmer einmal mehr die Leidensfähigkeit der Europäischen Zentralbank und ihrer Partner in den USA und Japan. Über kurz oder lang wird wohl kein Weg an einem erneuten Eingriff am Devisenmarkt vorbeiführen.

Dazu kommt noch der verflixte Monat Oktober. Der Mythos des Monats speist sich noch immer aus den Börsencrashs von 1929 und 1987. Damals hatte der Anleger als der Herr der Aktien die bittere Erfahrung machen müssen: Nur realisierte Kursgewinne sind gute Gewinne. Erfolgt kein Verkauf, drohen im schlimmsten Fall massive Kursverluste. Zwar ist der Monat Oktober nicht so schlecht wie sein Ruf. Doch Psychologie spielt gerade an der Börse eine wichtige Rolle und kann Trends schnell verstärken. Wer angesichts der unsicheren Lage auf Nummer sicher gehen will, für den ist Cash fesch.

Ein Verkauf von Aktien muss keine Verluste nach sich ziehen. Betrachtet der Anleger die Kursentwicklung der Indizes Dax und Nemax, dann stellt er fest: Auf Sicht von zwölf Monaten erwirtschaftete er mit rund 20 und 40 Prozent immer noch satte Gewinne. Er kann es sich also durchaus leisten, einzelne Positionen aufzulösen. Für den Investor gibt es aber auch die Möglichkeit, sich mit Derivaten abzusichern. Oder er muss einen langen Atem haben. Denn auf Sicht der nächsten Jahre bestehen weiter beste Aussichten. Dafür sorgt die private Altersvorsorge, die nur über die Anlage in Dividendenwerte eine hohe Rendite verspricht.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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