Zum dritten Mal in Folge geht der Unternehmensgewinn zurück
Noch keine Aussicht auf Besserung bei Marks & Spencer

Der Leidensweg der Aktionäre von Marks & Spencer ist noch nicht beendet. Unternehmenschef Luc Vandevelde hat wenig Tröstliches zu bieten. Dass er nun auch einen ordentlichen Bonus erhalten soll, passt den Eignern gar nicht. Analysten verlieren allmählich die Geduld mit dem Belgier.

HANDELSBLATT, fmd LONDON. Es hätte schlimmer kommen können - so lässt sich die Geschäftsentwicklung des britischen Kaufhausriesen Marks & Spencer im abgelaufenen Jahr noch am besten charakterisieren. Zwar sank der Vorsteuergewinn von 517 Mill. £ auf 481 Mill. £. Doch damit schnitt das Unternehmen besser ab als von Analysten erwartet. Sie hatten den Vorsteuergewinn eher bei 465 Mill. £ gesehen. Im gleichen Zeitraum ging der Umsatz um 100 Mill. £ auf 8,1 Mrd. £ zurück.

1998 hatte der Konzern noch einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 1,2 Mrd. £ ausgewiesen. Nun verzeichnet das Einzelhandelsflaggschiff der Insel bereits im dritten Jahr hintereinander einen Gewinnrückgang. Maßgeblich ist diese Entwicklung auf das Versagen im Bekleidungsgeschäft zurückzuführen. Hier ist es M&S trotz eines umfangreichen Management-Revirements nicht gelungen, für frischen Wind zu sorgen. Nach wie vor leiden die textilen Produkte unter einem altmodischen Image. Das Unternehmen spricht von einem "nicht akzeptablen Geschäft". Junge Frauen ziehen Läden von Next, Gap oder Hennes & Mauritz vor

. Vorsichtige Prognosen

Wesentlich vorsichtiger als noch vor wenigen Monaten ist Chairman und Chief Executive Officer Luc Vandevelde mit seinen Prognosen: "Wir werden im kommenden Jahr zur gleichen Zeit Belege für eine Verbesserung des Geschäfts haben." Aber die Verbesserung werde sich "graduell", nicht aber "über Nacht" einstellen.

Bisher haben sich Vandeveldes Versprechungen stets als zu optimistisch herausgestellt. Das hatte Analysten bei WestLB Panmure daran zweifeln lassen, ob er der richtige Mann an der richtigen Stelle sei. Desillusioniert zeigt sich die ABN Amro-Bank: "Die Erholung von M&S hängt von der Verbesserung der Margen im Bekleidungsgeschäft ab. Doch seit drei Jahren ist man diesem Ziel nicht näher gekommen." Da M&S weiter Shareholder value vernichte, empfiehlt die Bank, den Titel zu verkaufen.

Grundsätzlich hält Vandevelde daran fest, dass der Turnaround innerhalb von zwei Jahren gelingt. Ansonsten zöge er die Konsequenzen. Vandevelde ist seit 15 Monaten Chairman, seit Herbst vergangenen Jahres in Personalunion CEO.

Vandeveldes Bonus ist umstritten

Doch der Druck auf den gebürtigen Belgier wächst. Das war bei der Auseinandersetzung um seinen Bonus zu spüren. Vandevelde sollte einen Bonus in Höhe von 816 000 £ für das Erreichen nicht näher definierter Ziele erhalten. Angesichts der schlechten Performance des Unternehmens wäre er der einzige Manager von M&S gewesen, der einen Bonus erhalten hätte. Dem öffentlichen Druck gab der M&S-Boss schließlich nach. Er verzichtete auf die Zahlung, wird aber nicht leer ausgehen. Sein für kommendes Jahr geplanter Bonus von 650 000 Pfund wird um 704 000 aufgestockt. Seine Basisvergütung allein liegt bei 650 000 Pfund.

Während es dem Unternehmen bislang nicht gelang, das Bekleidungsgeschäft anzukurbeln, wurden in Kontinental-Europa Konsequenzen gezogen. Ende März verkündete der Konzern die Schließung von 38 Filialen und den Verkauf des US-Geschäfts. Im vergangenen Jahr summierte sich der Verlust des kontinental-europäischen Geschäfts auf 34 (26) Mill. £. Dagegen wurde in den USA (Brooks Brothers, Kings Super Markets) mit Gewinn gearbeitet.

Die Schließung der Filialen und der Abbau von 4 400 Jobs hat im abgelaufenen Jahr zu Sonderbelastungen von rund 335 Mill. £ geführt. Auch künftig will der Konzern Kosten senken. So wird daran gedacht, die Zentrale bis zum Jahr 2003 innerhalb Londons von der feinen Baker Street nach Paddington zu verlegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%