Zum ersten Mal seit Friedensabkommen keine Kämpfe
Nato beginnt mit Vorbereitungen für Mazedonien-Einsatz

Die Vorhut der Nato hat am Wochenende mit der Vorbereitung eines möglichen Einsatzes zur Entwaffnung der Albanerrebellen in Mazedonien begonnen. Die letzten der insgesamt 520 Nato-Soldaten sollten am Montag eintreffen, wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte.

afp SKOPJE/LONDON. Das Vorauskommando soll die Lage in Mazedonien sondieren und das Hauptquartier für die geplante Entwaffnungsmission "Essential Harvest" (Wesentliche Ernte) einrichten. Nach Angaben von Diplomaten wollte die Allianz binnen zwei Tagen eine Entscheidung über den Einsatz treffen. Voraussetzung ist die Einhaltung des Waffenstillstands. Zum ersten Mal seit Unterzeichnung des Friedensabkommens vor knapp einer Woche gab es am Sonntag keine Kämpfe zwischen Rebellen und mazedonischen Regierungstruppen. Für Montag wurde der Nato-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Joseph Ralston, in Skopje erwartet.

Ralston wollte sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. Seine Beurteilung der Situation dürfte für die Botschafter der Nato-Mitgliedsstaaten entscheidend sein. Sollten die Botschafter grünes Licht für die Mission geben, muss noch die militärische Führung der Allianz zustimmen. Dann kann die Haupttruppe mit 3 500 Mann nach Mazedonien entsandt werden, um die Waffen der Albanerrebellen einzusammeln. Zu der Vorhut gehören rund 400 britische Soldaten sowie 120 tschechische und einige französische Soldaten. Am Freitag waren die ersten 50 Briten angekommen, weitere 250 folgten am Wochenende nach. Etwa 70 Soldaten sollten am Montag von Großbritannien nach Mazedonien geschickt werden, wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in London sagte. Die Entsendung in Etappen sei notwendig, weil für alle zu überfliegenden Zonen eine Erlaubnis eingeholt werden müsse.

Die Nato-Kommandeure wollen in Gesprächen mit slawischen und albanischen Vertretern für eine dauerhafte Waffenruhe werben. "Die ganze Welt blickt jetzt auf Mazedonien und fragt sich, ob die Menschen hier den moralischen Mut haben, den Frieden voranzutreiben", sagte der dänische Generalmajor Gunnar Lange am Samstag in Skopje. Der britische Brigadegeneral Barney White-Spunner kündigte an, er wolle mit der mazedonischen Regierung und den bewaffneten Albanern Absprachen über Ablauf und Zeitplan einer Entwaffnung treffen. Wenn es keine "ernsthafte Waffenruhe" gebe, würden die Nato-Truppen auch nicht bereit gestellt, warnte White-Spunner.

UCK signalisiert Bereitschaft zur Waffenabgabe

UCK-Chef Ahmeti bekräftigte am Sonntag die Bereitschaft seiner Rebellen zur Waffenabgabe. Die UCK hatte bereits am Dienstag ein entsprechendes Abkommen mit der Nato unterzeichnet. Seine Rebellen hätten "verbindliche Garantien" von der Nato und der Europäischen Union, dass das von den slawischen und albanischen Parteien unterzeichnete Friedensabkommen umgesetzt werde. "Wir haben volles Vertrauen in sie," betonte Ahmeti. Ein Sprecher der Nato in Skopje begrüßte die erneute Zusage der UCK. Nun komme es darauf an, dass die Waffenruhe eingehalten werde.

Nachdem es in der Nacht zum Samstag vereinzelt zu Zusammenstößen zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Sicherheitskräften gekommen war, blieb die Lage am Sonntag ruhig. Zum ersten Mal seit der Unterzeichung des Friedensvertrags hätten die Waffen geschwiegen, sagte ein Sprecher des mazedonischen Verteidigungsministeriums. Ein Nato-Sprecher bestätigte am Sonntag, der Waffenstillstand "scheint zu halten". "Je schneller wir die Truppen entsenden, desto besser", betonte er.

Mazedonische Nationalisten blockierten am Samstag aus Protest gegen die geplante Nato-Mission eine Hauptverbindungsstraße von Skopje ins Kosovo. Nach Behördenangaben sperrten rund 60 Demonstranten die Straße mit Stacheldraht ab und hinderten mehrere Nato-Fahrzeuge an der Durchfahrt. Sie werfen der Allianz vor, die Albanerrebellen mit Waffen zu versorgen.

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