Zum Gegenangriff gestartet: Sixt stellt Fondsmanager ein Ultimatum

Zum Gegenangriff gestartet
Sixt stellt Fondsmanager ein Ultimatum

Deutschlands größte Autovermietung setzt zum Gegenangriff an. Erich Sixt, 58-jähriger Chef der Sixt AG, hat über seine Münchener Rechtsanwälte dem Fondsmanager Florian Homm bis heute 12 Uhr eine Frist gesetzt, die Behauptungen in der Studie des Schweizer Vermögensverwalters United Zurichfinance (UZF) zurückzunehmen.

lip/mwb/mm MÜNCHEN. Die als "Entwurf" gekennzeichnete Studie der UZF, die unter maßgeblichen Einfluss von Homm steht, wirft Sixt unter anderem vor, Gewinne manipuliert und Umsätze unverhältnismäßig hoch ausgewiesen zu haben. Sixt droht Homm nun mit einer Strafanzeige wegen Kursbetrugs und einer Zivilklage auf Schadensersatz vor dem Landgericht in München.

In der Finanzbranche ist Homm kein Unbekannter. Denn der ehemalige Merrill-Lynch-Analyst steht nicht nur hinter der UZF, sondern managt gleichzeitig den Hedgefonds Absolute Return Europe (ARE), der im Steuerparadies Cayman Islands beheimatet ist. Weil Hedgefonds in der Regel auf fallende Aktienkurse setzen und damit Geld verdienen, vermutet Sixt einen Zusammenhang: UZF habe "durch gezielte Falschdarstellung, unseriöse Annahmen und verleumderische Unterstellungen auf den Börsenpreis von Wertpapieren" einzuwirken versucht, um damit Gewinne zu erzielen. Hierdurch verstoße der Finanzdienstleister gegen Börsengesetze und erfülle durch üble Nachrede den "Tatbestand der Kreditgefährdung". Homm bleibt hingegen gelassen. Er will die Frist verstreichen lassen, sagte er dem Handelsblatt.

Ähnlich wie im Fall Sixt hat Homm bereits zuvor Druck auf Unternehmen gemacht. So hatte UZF für die Frankfurter WCM-Gruppe wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten eine Verkaufsempfehlung abgegeben. WCM verlor an der Börse binnen Tagesfrist 750 Mill. Euro an Wert, die Aktie hat sich bis heute nicht von dem Schock erholt, obwohl Homm sein Urteil später revidieren musste. Im Januar 2003 war dann der Heidelberger Finanzdienstleister MLP an der Reihe: Dessen Neugeschäft sei praktisch zum Stillstand gekommen, hatte UZF behauptet. Die ohnehin schwächelnde MLP-Aktie gab mehr als 10 % nach. Im Fall WCM hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) inzwischen ein förmliches Prüfverfahren gegen die Schweizer eingeleitet, gleiches sei jetzt im Falle Sixt geschehen, bestätigte eine Sprecherin des Amtes.

Das hat Sixt-Aufsichtsratschef Kajo Neukirchen, gleichzeitig Chef von MG Technologies, nicht davon abgehalten, selbst aktiv zu werden. Homm hatte auch Neukirchen angeschrieben Sixt Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. Der MG-Chef ließ dies überprüfen. "Herr Neukirchen hat keinen Grund, an den Angaben des Sixt-Vorstandes zu zweifeln", sagte gestern ein Sprecher des MG-Chefs dem Handelsblatt.

Den Vorwurf, im Leasinggeschäft gemauschelt zu haben, weist Sixt empört zurück: "Absolut nichts dran." Sixt hat bereits bekräftigt, das Unternehmen werde seine Prognosen einhalten. Er sieht sich als Opfer eines "Rufmords".

Der umstrittene Finanzdienstleister hatte den Entwurf einer Aktienanalyse über den Autovermieter nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche bei Medien und Banken breit gestreut. UZF empfahl, die Aktie wegen der angeblichen Unregelmäßigkeiten zu verkaufen. Homm nennt die Gegenattacken Sixts verleumderisch. "Wir haben klare Indizien dafür, dass bei dem Autovermieter vieles im Argen liegt. Darauf werden unsere Anwälte eingehen", sagte er dem Handelsblatt.

Laut Homm ist es sonst kaum verständlich, dass allein der Entwurf für eine Research-Studie eine "so explosive Reaktion" hervorrufe. Schließlich werde klar gemacht, dass UZF noch weiteres Material sammeln müsse. Homms Methoden sind sehr umstritten. So nennt UZF in dem Entwurf keine Quellen und stützt sich auf Vermutungen. Keine renommierte Bank verschickt Entwürfe von Studien an Kunden oder Medien.

In Bankenkreisen heißt es, man sehe das Thema Sixt gelassen. Offiziell wollten sich jedoch weder die Hypo-Vereinsbank noch die Deutsche Bank äußern. Sixt ist relativ hoch verschuldet, der Kauf der Autos wird über kurzfristige Kredite finanziert. Die Eigenkapitalquote von über 20 % gilt aber vergleichsweise gut, der Branchendurchschnitt liegt bei 5 %. Der Kurs der Sixt-Aktie ging gestern leicht um 3,3 % auf 6,98 Euro zurück.

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