Zum Glück können Anleger ohne Beteiligung der Justiz entscheiden, welcher Aktie sie den Laufpass geben.
Kommentar: Keine Schonfrist für Penny-Stocks

Wenn das Landgericht Frankfurt seine Rechtsprechung effizient organisiert, verfügt es mittlerweile über ein Formblatt: Reihenweise erwirken hier die von einem möglichen Delisting betroffene Unternehmen des Neuen Marktes einen Aufschub ihres Rausschmisses.

Aus der Absicht der Deutschen Börse, das gebeutelte Wachstumssegment von "faulen Eiern" zu befreien, droht eine Farce zu werden. Die zum 1. Oktober eingeführte Regel sah eigentlich einen Ausschluss der Unternehmen vor, deren Aktien längere Zeit unter einem Euro gehandelt werden und deren Marktkapitalisierung dauerhaft unter 20 Millionen Euro liegt. Doch 14 der möglichen rund 40 betroffenen Gesellschaften haben mittlerweile per einstweiliger Verfügung einen Aufschub erreicht.

So bleibt dem Neuen Markt vorerst so mancher Kandidat wie zum Beispiel Blue C erhalten, der außer rekordverdächtigen Gewinnwarnungen und Ermittlungen der Behörden wegen Insiderverdachts noch nicht viel zu Stande gebracht hat. Die Deutsche Börse muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie bei der Entwicklung der Regeln im Juli die juristische Durchsetzbarkeit geprüft hat. Oder präsentierte sie absichtlich nur eine Scheinlösung, um der öffentlichen Forderung nach tief greifenden Reformen auszuweichen?

Zum Glück können Anleger ohne Beteiligung der Justiz entscheiden, welcher Aktie sie den Laufpass geben.

In der Regel ist dabei die jüngste Empfehlung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre zu bekräftigen: Wer noch Aktien eines inzwischen Pleite gegangenen oder extrem abgesackten Unternehmens hat, sollte über einen Verkauf nachdenken. Fliegen die Aktien tatsächlich im Frühjahr 2002 aus dem Markt, könnte es dafür längst zu spät sein.

Ein Verkauf ist auf jeden Fall überlegenswert, wenn die einjährige Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist. Dann können nämlich Kursverluste steuerlich geltend gemacht und gegen Spekulationsgewinne verrechnet werden - das gilt auch für ein Börsenplus, das erst im kommenden Jahr eingefahren wird.

Doch auch ohne steuerlichen Vorteil besteht selten ein Grund, an drastisch gefallenen Werten fest zu halten. In der Regel ist der dramatische Kursverfall bedingt durch schwere Managementfehler oder durch ein nicht funktionierendes Geschäftsmodell. Das Vertrauen bei Geschäftspartnern und Kunden ist oft zerstört und ein Überleben der Gesellschaft nachhaltig gefährdet. Die Aktie ist dann nur noch ein Instrument der Zocker, die mit dem schnellen Ein- und Ausstieg auf Gewinne hoffen. Mit einer seriösen Anlage haben solche Werte wenig zu tun.

Auch die Hoffnung auf eine lukrative Übernahme durch ein anderes Unternehmen ist dabei zumeist trügerisch. Oft handeln die Mehrheitsaktionäre nur unter sich eine vorteilhafte Lösung aus. Das Übernahmeangebot für die freien Aktionäre ist dabei kaum der Rede wert.

Für Kleinanleger ist der Verkauf ihrer Penny-Stocks allerdings besonders schmerzlich: Nicht selten ist der Kurswert einer Position etwa von 3 000 Mark auf 150 Mark zusammen geschmolzen. Bei einem Verkauf machen allein schon 30 Mark Provision der Bank einen weiteren Verlust von 20 Prozent aus. Jetzt - so denkt wohl so mancher - kann ich auch dabei bleiben. Doch Investoren sollten bedenken: Für den Verkaufserlös gibt es immer noch ein gutes Abendessen - und das ist nutzbringender, als sich über den Totalverlust des eingesetzten Kapitals zu ärgern.

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