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Zum Thema: Brasilien im Sog

ang - Angesichts der derzeitigen Finanzkrise in Argentinien geraten auch die Nachbarländer unter Druck.Erstes Opfer solcher Dominoeffekte ist im Regelfall Argentiniens Nachbar Brasilien, dessen Referenzanleihe, der so genannte "C"-Brady-Bond, in der vergangenen Woche um fast 5 % gesunken ist. Auch der Real ließ infolge des Tumults in Argentinien stark gegenüber dem Dollar nach. Die Wirtschaften Argentiniens und Brasiliens sind eng miteinander verflochten. Beide Staaten gehören dem südamerikanischen Handelsbündnis Mercosur an, zu dem außerdem noch Paraguay und Uruguay zählen. Chile und Bolivien sind nur assoziierte Mitglieder.

Wie sehr Brasilien den "Tangoeffekt" fürchtet, zeigte sich in der Reaktion von Präsident Cardoso als sein argentinischer Amtskollege, Fernando de la Rúa, zur Ankurbelung seiner rezessionsgeplagten Wirtschaft ohne vorherige Konsultation die Außenzölle des Mercosur für Konsumgüter erhöhte und für Investitionsgüter senkte. Zähneknirschend akzeptierte Cardoso das einseitige Vorpreschen seines Nachbarn, wenn es doch nur eine Eskalation der Finanzkrise in Argentinien verhindere. Fast alle großen Banken verringerten in der letzten Woche ihre Brasilien-Positionen. "Argentiniens hohes Kreditrisiko wird kaum abnehmen", so begründet Deutsche-Bank-Analyst Renato de Grandmont die Skepsis gegenüber Südamerikas größter Volkswirtschaft, die auf Grund von "nachlassendem Wirtschaftswachstum und schlechter werdenden Unternehmensgewinnen" zusätzlich geschwächt sei.

Doch die Erwartung, dass sich die währungspolitischen Streitigkeiten in Argentinien durch den Rücktritt des orthodoxen Zentralbankchefs Pedro Pou lösen würden, sorgten am Dienstag für einen leichten Anstieg von Anleihen und Währung in Brasilien. "Es scheint, als ob politische Ereignisse an beiden Fronten helfen würden", kommentierte Analyst Graham Stock von J.P. Morgan in New York.

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