Zum Tode des FDP-Politikers Wolfgang Mischnick
Porträt: Der ewige Fraktionschef

Er wirkte gern im Hintergrund: Der verstorbene Wolfgang Mischnick war lange Zeit der Strippenzieher der FDP.

ddp BERLIN. Über Jahrzehnte war er eine der prägenden Persönlichkeiten der politischen Szene der alten Bundesrepublik. Stets im Schatten wechselnder Parteichefs und Bundeskanzler wirkend, arbeitete Wolfgang Mischnick als "Strippenzieher" im Dienste der FDP. 22 Jahre lang - von Januar 1968 bis Dezember 1990 - stand er der FDP-Fraktion im Bundestag vor. Dennoch arbeitete er gern im Hintergrund, den Tanz in der ersten Reihe überließ er - seines eigenen Einflusses gewiss - anderen. Nun starb Wolfgang Mischnick kurz nach seinem 81. Geburtstag nach langer Krankheit, wie die FDP am Montag mitteilte.

In Radebeul bei Dresden wurde Mischnick am 29. September 1921 als Sohn eines Verwaltungsbeamten geboren. Hier machte er 1939 sein Notabitur, bevor er zum Militär eingezogen und im Laufe des Zweiten Weltkrieges mehrfach verwundet wurde. Gleich nach Kriegsende, im Sommer 1945, begann in Dresden auch Mischnicks politische Karriere - als Mitbegründer der Liberal-Demokratischen Partei (LDP).

Als er nach Auseinandersetzungen mit FDJ-Funktionären mit Schreib- und Redeverbot belegt wurde, floh Mischnick im April 1948 mit seiner späteren Ehefrau Christine Dietzsch über Berlin nach Frankfurt am Main. Dort arbeitete Mischnick zuerst für kurze Zeit als Versicherungsvertreter und Journalist. Doch schon 1950 übernahm er hauptamtliche Aufgaben bei der hessischen FDP.

Mischnicks parlamentarische Karriere begann 1954 als Abgeordneter im hessischen Landtag, wo er 1955 auch Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion wurde. 1957 wechselte Mischnick als FDP-Bundestagsabgeordneter nach Bonn. Auch hier war er von 1959 bis 1961 Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. Das letzte Kabinett Adenauer brachte für Mischnick den ersten Höhepunkt seiner Politik-Karriere. Von November 1961 bis Oktober 1963 war er Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. Danach widmete er sich für ein paar Jahre wieder verstärkt der Frankfurter Kommunalpolitik.

Seine Parteikarriere ging unaufhaltsam weiter. 1964 wurde Mischnick stellvertretender Bundesvorsitzender (bis 1988), 1967 auch Chef der Hessen-FDP (bis 1977). Im Januar 1968 übernahm er den Fraktionsvorsitz der Liberalen im Bundestag - ein Posten, auf dem er nach eigener Aussage als eine Art "Familienvater und Stabilisierungsfaktor" wirkte. In sozialliberalen Tagen wurde oft von einer "Achse Mischnick-Wehner" gesprochen. Beim Koalitionswechsel 1982 zur CDU trug Mischnick wesentlich dazu bei, die Partei mit ihren widerstrebenden Flügeln zusammenzuhalten.

1990 wollte sich Mischnick eigentlich aus der Politik zurückziehen. Doch die deutsche Einheit brachte ihn dazu, sich noch einmal aufs politische Parkett zu begeben. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl am 2. Dezember trat er für die FDP als Direktkandidat in seiner Heimatstadt Dresden an. Er wurde gewählt, verzichtete dann aber auf den Fraktionsvorsitz. Zu seinem Nachfolger wurde im Januar 1991 Hermann Otto Solms gewählt. 1994 schied Mischnick aus dem Bundestag aus. Nach und nach zog sich der Vater von drei Kindern, der in Kronberg im Taunus lebte, in der Folgezeit auch aus seinen übrigen politischen Ämtern zurück.

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