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Zum Wahlausgang: ein Witz

Mir ist unheimlich: ein Witz aus den 70ern beweist prophetische Qualitäten in Sachen Wahlausgang. Schwampel... Schwampel.... Ich wusste am Sonntag, dass mich dieser Begriff an irgendwas erinnerte.

Mir ist unheimlich: ein Witz aus den 70ern beweist prophetische Qualitäten in Sachen Wahlausgang.

Schwampel... Schwampel.... Ich wusste am Sonntag, dass mich dieser Begriff an irgendwas erinnerte. Gestern beim Jogging die Erleuchtung: Schwampf.

Blenden wir zurück in meine Kindheit. Schon damals war ich ein Freund mit Tönen bespielter Datenträger. Vor dem Kindergarten hab ich immer gerne James Last gehört, was keine bleibenden Schäden hinterließ. Später kamen dann noch alte Platten von Witzeerzählern aus dem LP-Schrank meiner Eltern. Eine davon war von einem Herrn mit gepflegtem Vollbart und blauem Rollkragenpulli. Leider ist sein Name mir nicht mehr präsent.

Auch sind nur zwei seiner Witze mir im Gedächtnis geblieben. Bei dem einen dreht es sich um den Marineangestellten Hein, der am Zoll überlegt, ob er seinen Papagei zur Vermeidung von Zollzahlungen das Leben nehmen soll. Aber der tut nichts zur Sache.

Der andere dreht sich um einen jungen Schauspieler und ist geschrieben leider nicht mal ansatzweise lustig, also werden Sie, lieber Leser, sich diesen Witz laut vor sich hin erzählen müssen. Nehmen Sie sich die Zeit, es lohnt sich, wenn wir hinterher diesen platten Scherz analysieren und als Metapher unserer Zeit interpretieren werden.

Aaaaaalso:

Ein junger Schauspieler bekommt am städtischen Schauspielhaus seine ersten Sprechrolle. Der Regisseur bestellt ihn zu sich und sagt ihm, er solle aufgewühlt auf die Bühne treten und ausrufen: "Schwarz ist der Himmel voller Dampf!"

Der Mime ist begeistert: "Schwarz ist der Himmel voller Dampf" Toll! Ich werde Sie nicht enttäuschen!"

Zwei Wochen sind es noch bis zur Premiere und täglich übt der Oscar-Preisträger-in-spe. (Nun müssen Sie, lieber Leser, sich den bewussten Satz in immer neuen Variationen und Betonungen imaginieren) Morgens beim Bäcker fragt die Backwarenfachverkäuferin: "Na, zwei Brötchen, wie immer?" Er antwortet: "Schwaaaaaarz is t der Himmel, vooooller Dampf!" Abends wollen seine Freunde nicht mehr mit ihm ausgehen, weil er ständig murmelt "Schwarz ist der Himmel voller Dampf... Schwarz ist der Himmel voller Dampf..."

Der Tag der Premiere ist da. Morgens schon brabbelt der Schauspieler durch die Zahnpasta: "Schwarz ist der Himmel voller Dampf... Schwarz ist der Himmel voller Dampf...." Abends zum Theater. Pförtner: "Guten Abend!" Schauspieler: "Schwarzzzz ist der Himmääääl voooooller Daaaaampf!" In der Maske: "Schwarz ist der Himmel voller Dampf... Schwarz ist der Himmel voller Dampf..." Dann am Bühnenrand, gleich kommt der große Moment... "Schwarz ist der Himmel voller Dampf....Schwarz ist der Himmel voller Dampf....Schwarz ist der Himmel voller Dampf"

Und so tritt er hinaus ins Rampenlicht und ruft:

"SCHWAMPF!"

OK, das ist geschrieben nur mäßig witzig. Aber interpretieren wir diese prophetische Geschichte doch einmal. Da ist ein junger Mensch vor seinem ersten Durchbruch. Könnte es nicht auch eine Frau sein? Vielleicht aus Ostdeutschland?

Seine - oder bleiben wir gleich bei: ihre - einzige Aufgabe ist es, zu verkünden, der Himmel würde schwarz. Ich sage nur: SCHWARZ! Schafft sie das, werde alles gut, der Karriereweg wäre dann geebnet. Also erzählt sie über Wochen hinweg, der Himmel werde schwarz, es gehe gar nicht anders. Und dann, was kommt dann, im entscheidenden Moment heraus: ein enttäuschendes "Schwampf". Oder Schwampel.

Läuft ihnen auch gerade eine Gänsehaut über den Rücken? Schon Anfang der 70er hat also ein in Vergessenheit geratener Witzeerzähler die Karriere der ersten möglichen Kanzlerin Deutschlands vorausgeahnt. Sollten wir vielleicht häufiger auf die Narren hören?

Und wenn ja: Was macht eigentlich Fips Asmussen?

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