Zum zweiten Mal zur Buchmesse gibt es die Lesereihe "Leseland Hessen"
Deutsche lieben Lesungen

Ausländische Autoren freuen sich, wenn sie zu Lesungen nach Deutschland kommen. "In wohl keinem Land ist diese Form der Buch-Veranstaltung so beliebt wie hier", sagt die für Lesungen der Suhrkamp-Autoren zuständige Adrienne Schneider.

HB FRANKFURT/MAIN. Der US- Filmemacher und Bestsellerautor Michael Moore hat es sogar geschafft, ganze Hallen zu füllen. Als Begleitprogramm zur Frankfurter Buchmesse vom 6. bis 10. Oktober gibt es in diesem Jahr zum zweiten Mal die Reihe "Leseland Hessen": Von diesem Freitag an bereisen rund 250 Autoren das Land von Nord bis Süd und lesen in Zelten, Schulen, Kindergärten, Weinkellern, Restaurants, Kirchen, in Clubs oder auf Schlössern aus ihren neuen Büchern vor. Auch auf der Messe selbst gibt es unzählige Autorenlesungen.

"Das Interesse an Lesungen ist ungebrochen", sagt Monika Rettig, die für den Berliner Aufbau-Verlag von Frankfurt aus jährlich etwa 700 Lesungen organisiert. Der Trend gehe hin zu Literaturfestivals wie dem "Leseland Hessen". Rettig verweist auf die Erfolge von "Leipzig liest", "lit.cologne" in Köln, den "Hamburger Lesetagen" oder auch des Frankfurter Literaturfests "LiteraTurm".

Für besonders gefragt hält Rettig das Genre des Kriminalromans: "Lange Kriminächte mit musikalischer Begleitung werden immer häufiger gemacht." Die richtige Inszenierung werde immer wichtiger - etwa an einem ungewöhnlichen Ort oder mit der geschickten Kombination von Literatur mit Musik, Filmausschnitten oder Videoprojektionen. Auch der Einsatz von Hörbüchern in so genannten Hörbars oder Lauscher- Lounges sei "in".

Dennoch bleibt die klassische Autorenlesung, bei der Schriftsteller aus ihren aktuellen Büchern lesen und im Anschluss Fragen beantworten, nach wie vor beliebt. Neben traditionellen Orten wie Buchhandlungen, Bibliotheken und Literaturhäusern kommen mehr und mehr andere Orte und Veranstalter wie Hotels, Cafés oder Kulturvereine hinzu.

Der Organisator der Reihe "Leseland Hessen", Eberhard Reimann, der schon zu den Erfindern von "Leipzig liest" auf der Leipziger Buchmesse gehörte, glaubt, dass der Grund für die Vorliebe der Deutschen fürs Vorlesen bei den Märchen der Gebrüder Grimm liegt: "Jeder hat die vorgelesen bekommen, sich daran erfreut und mag dann das Live-Erlebnis." Dass Lesungen von einem "intellektuellen Instrument" während der Studentenproteste in den 60er Jahren inzwischen zu einem Verkaufsinstrument der Verlage geworden sind, findet Reimann in Ordnung.

Lesungen seien nicht nur in großen Städten gut aufgehoben, sondern auch in der Provinz, bestätigt Monika Rettig. "Die Einbindung kleinerer Orte ist sehr positiv, denn dort haben die Autoren oftmals das dankbarere und größere Publikum als in den Großstädten mit ihrem unüberschaubaren Kulturprogramm."

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