Zunehmende Hinweise auf Konjunkturerholung
Neue US-Konjunkturdaten lösen keine Börsen-Euphorie aus

In den USA mehren sich die Hinweise auf eine konjunkturelle Erholung. Der am Donnerstag veröffentlichte Index der Frühindikatoren für die wirtschaftliche Aktivität stieg im Mai deutlicher als erwartet und überdies so stark wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Außerdem fielen Arbeitsmarktdaten etwas besser aus als erwartet.

rtr WASHINGTON. Angesichts der der anhaltend schwachen Investitionstätigkeit der Unternehmen warnten Volkswirte allerdings vor übertriebenem Optimismus. An der Wall Street lösten die Konjunkturdaten keine Euphorie aus, da sie Händlern zufolge in den jüngsten kräftigen Kursgewinnen schon vorweggenommen sind. Die Börsenbarometer tendierten schwächer. Der Dollar hingegen legte nach Veröffentlichung der Zahlen vorübergehend zu. Die US-Währung profitierte dabei auch von besser als erwartet ausgefallenen Daten zum US-Leistungsbilanzdefizit.

Der Index der Frühindikatoren des Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board, der Hinweise auf die Entwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft in den kommenden Monaten gibt, legte im vergangenen Monat um 1,0% auf 111,6 Zähler zu. Das war der stärkste Zuwachs seit Dezember 2001. Analysten hatten im Durchschnitt einen geringeren Anstieg um 0,6% prognostiziert, nachdem der Index im April um 0,1% zugelegt hatte.

Nahezu anderthalb Jahre nach Ende der Rezession deute das Konjunkturbarometer auf eine wirtschaftliche Erholung hin, sagte der Chefvolkswirt des Conference Board, Ken Goldstein. "Aber die Gefahren, die in den ersten fünf Monaten des Jahres präsent waren, sind nicht völlig verschwunden. Dazu gehört hauptsächlich das fehlende Vertrauen der Unternehmen." Christopher Wiegand von Salomon Smith Barney ergänzte: "Wir sehen langsam eine Erholung der Nachfrage, sinkende Kapitalkosten, und die neuen Steueranreize werden sicherlich auch helfen." Unklar sei aber insbesondere, wann die erhoffte Belebung bei den Geschäftsinvestitionen einsetze.

Die wöchentlichen Arbeitsmarktzahlen fielen besser aus als von Volkswirten prognostiziert, unterstreichen Experten zufolge zugleich aber die weiterhin angespannte Beschäftigungslage. So ging die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe die zweite Woche hintereinander zurück. Vergangene Woche fiel sie zur Vorwoche um 13000 auf 421000, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Analysten hatten im Schnitt eine höhere Zahl von 426000 Anträgen prognostiziert. "Die einzige gute Nachricht ist, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt nicht dramatisch verschlechtert", sagte Oscar Gonzalez von John Hancock Financial Services.

Die US-Aktienmärkte werden seit mehr als drei Monaten von der Hoffnung auf einen baldigen Konjunkturaufschwung beflügelt. Zahlreiche Marktbeobachter haben aber mittlerweile die Sorge, dass die Wirtschaft sich nicht schnell genug erholt, um die in den Kursen bereits enthaltenen Erwartungen zu rechtfertigen.

Das Defizit in der US-Leistungsbilanz stieg nach Angaben des Handelsministeriums im ersten Quartal auf einen Rekordwert von 136,11 Mrd. Dollar nach 128,59 Mrd. Dollar im Vorquartal. Die Leistungsbilanz ist die umfassendste Messgröße für den internationalen Handel einer Volkswirtschaft. Sie berücksichtigt nicht nur den grenzüberschreitenden Güter- und Dienstleistungsaustausch, sondern auch den Investitionsfluss und Transferzahlungen.

Zur Finanzierung des an den Devisenmärkten derzeit viel beachteten Defizits sind die USA auf massive Kapitalströme aus dem Ausland angewiesen. Bleiben diese aus, droht eine deutliche Abwertung des Dollar. Der wachsende Fehlbetrag belastet bereits seit längerem den Wechselkurs der US-Währung insbesondere zum Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%