Zunehmende Zweifel am künftigen Wachstum der Branche
Spekulationen um Zukunft der SAP-Gründer

Die SAP-Gründer lösen den Konsortialvertrag, über den sie ihre SAP-Anteile gebündelt hatten. Das schürt die Spekulationen über ein Ausscheiden von Hasso Plattner. Zwar rechnen Beobachter nicht mit einem vorzeitigen Abschied des Firmenchefs, doch die Unsicherheiten treffen SAP zu einer Zeit, in der die gesamte Branche Probleme hat.

WALLDORF/LISSABON. Die anhaltenden Spekulationen über einen Ausstieg des SAP-Vorstandschefs und Mitgründers Hasso Plattner haben gestern, einen Tag vor Beginn der Kundenmesse "Sapphire" in Lissabon, neue Nahrung erhalten. In einer kurzen Mitteilung erklärte SAP, dass Plattner, Dietmar Hopp und Klaus Tschira zum Wochenbeginn ihren Konsortialvertrag gekündigt haben. Über diesen Vertrag hatten die drei Mitgründer ihre SAP-Anteile - insgesamt 30,17 % der SAP-Aktien - gebündelt und sich gegenseitig ein Vorkaufsrecht zugesichert.

Zwar begründeten die drei ihre Entscheidung mit einer Anpassung an internationale Finanzmarktgepflogenheiten. "Trotz der Auflösung des Konsortialvertrages besteht nicht die Absicht, die von den früheren Konsortialparteien gehaltenen Aktien wesentlich zu minimieren", hieß es. Dennoch heizte die Mitteilung die Gerüchte um einen schrittweisen Abschied der Gründer an.

Allerdings dürfte Plattner die Sapphire, zu dem mehrere tausend Kunden, Partner und Mitarbeiter anreisen, nutzen, um die Spekulationen zu beenden. Beobachter gehen davon aus, dass Plattner bleiben wird, denn "warum sonst hätte er in diesem Jahr seinen Vertrag bis ins Jahr 2004 verlängert".

Die SAP-Aktie reagierte mit einem Minus von über 4 %. David Reynolds, Analyst bei JP Morgan, bezeichnete die Kursverluste als eine "Überreaktion". Allerdings belasteten zugleich Gerüchte über eine Gewinnwarnung der SAP das Papier. Wie die gesamte Branche leidet auch SAP, Weltmarktführer für Software zur Steuerung von Abläufen in und außerhalb von Unternehmen, unter einer Nachfrageschwäche.

So sank der Umsatz der SAP im zweiten Quartal um 4 %. Der Verkauf neuer Softwarelizenzen ging sogar um 23 % in den Keller. SAP musste deshalb vor wenigen Wochen die eigene Prognose kräftig nach unten korrigieren. Statt des bisher avisierten Zuwachses um 15 % rechnet der SAP-Vorstand nur noch mit einem Plus von 5 bis 10 %. Jetzt soll ein Sparprogramm dafür sorgen, dass das Ziel einer operativen Ergebnismarge von 21 % am Jahresende eingefahren werden kann.

Auch Wettbewerber Oracle musste für sein Ende Mai abgeschlossenes zweites Quartal einen Gewinneinbruch um 23 % bekannt gegeben. Der Umsatz fiel um 16 % auf 2,77 Mrd. Dollar. Bei Siebel, die sich auf Software für die Verwaltung von Kundenbeziehungen konzentriert hat, sanken die Lizenzeinnahmen im zweiten Quartal von 287 Mill. auf 170 Mill. Dollar. Zudem stammt ein wachsender Teil dieser Umsätze aus Verträgen mit den eigenen Partnern. Solche Geschäfte auf Gegenseitigkeit sehen Investoren aber sehr kritisch.

Mittlerweile leben die meisten Softwarefirmen von ihrer bestehenden Kundenzahl. So erzielt Peoplesoft, dessen Umsatz im zweiten Quartal von 544,5 Mill. auf 482 Mill. Dollar fiel, mittlerweile 75 % der Umsätze mit Altkunden. Ende vergangenen Jahres hatte dieser Wert noch bei 58 % gelegen. Ähnlich sieht die Entwicklung bei JD Edwards aus, dessen Umsätze im letzten Quartal um 9,4 % auf 229 Mill. Dollar stiegen. Rund 55 % dieser Erlöse erzielte das Unternehmen mit bestehenden Kunden. Ein Jahr zu vor waren es nur 35 % gewesen.

Allerdings dürfte die feste Kundenbasis kaum ausreichen, um die langfristigen Wachstumsziele zu sichern. SAP setzt deshalb auf den Mittelstand. Parallel zur Sapphire will der Konzern den Verkauf der vorgefertigten und auf Mittel- und Kleinbetriebe ausgerichteten Softwarelösung "Business One" starten. Dabei wollen die Walldorfer dem größten Wettbewerber Microsoft Kunden abnehmen. Das Unternehmen von Bill Gates muss zunächst die Übernahme von Navision, einem Softwarespezialisten für Mittelstand, sowie dessen Verschmelzung mit Great Plains verkraften.

Allerdings dürfte SAP selbst auch einige Zeit für eine ausreichende Marktpräsenz im Mittelstand benötigen. Schließlich müssen die Walldorfer zunächst mit Partnern einen schlagkräftigen indirekten Vertrieb aufbauen. Europaweit will das Unternehmen bis Ende 2003 rund 250 Vertriebspartner haben. Bis 2006 sollen es dann 600 sein.

Quelle: Handelsblatt

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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