Zunehmender Wettbewerbsdruck
Telekom Austria bleibt im Rahmen der Erwartungen

Im Wesentlichen in den Erwartungen gelegen ist die Telekom Austria AG mit ihrem Ergebnis zum ersten Quartal 2003. Sichtbar geworden ist laut Analysten aber der zunehmende Wettbewerbsdruck im Mobilfunkgeschäft im Inland.

Reuters WIEN. Im Markt geht man von einem Umsatz und Ergebnis im Gesamtjahr 2003 auf Vorjahresniveau aus. Die TA selbst hat sich dazu am Dienstag eher bedeckt gehalten. Der Vorstand gehe von einer stabilen Entwicklung der zusammengefassten Erlöse und des Betriebsergebnisses vor Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) aus, heißt es vage im Aktionärsbrief. Ein Anstieg des Ebitda im Mobilfunk sollte erwartete Rückgänge des Ebitda im Festnetz ausgleichen können.

Längerfristig müßte sich der TA-Vorstand allerdings auch Gedanken darüber machen, woher das Wachstum der Zukunft kommen soll, sagte Konrad Sveceny, Analyst bei der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG. Expansionsmöglichkeiten, vor allem in Südosteuropa, müssten intensiv überprüft werden.

TA hat im ersten Quartal 2003 beim operativen Ergebnis leicht zugelegt und liegt damit über den Erwartungen. Das zusammengefasste Ebitda sei auf 405,9 (400) Mill. ? gestiegen, teilte TA am Dienstag mit. Die zusammengefassten Umsätze nannte TA mit 966,50 (963) Mill. ?. Der Konsensus für das Ebitda war bei 396 Mill. ? gelegen, die Range lag zwischen 372 und 408 Mill. ?. D

as Betriebsergebnis (Ebit) wurde von Österreichs Marktführer im Festnetz- und Mobilfunkgeschäft sowie im Internet mit 121,9 (126,9) Mill. ? angegeben. Der konsolidierte Periodenüberschuss der Telekom Austria AG sei auf 43,1 (37,5) Mill. ? gestiegen. An der Börse Wien gab es vorerst einmal Abschläge für die TA. Die Aktie notierte zuletzt 9,85 (9,94) Euro. Seit Jahresbeginn liegt die TA damit zwei Prozent im Plus, gleichauf in etwa mit dem Eurostoxx Telecom Index.

Obwohl das Ebitda über dem Konsensus liegt sei der schärfere Wettbewerb im Mobilfunk in Österreich sichtbar geworden, sagte Kerstin Fischer von BNP Paribas. "Das ist ein Wermutstropfen. Die Frage ist, wie es da weiter geht", sagte sie. Im Mobilfunkbereich ist der Umsatz nach TA-Angaben auf 474,7 (452,2) Mill. ?, das Ebitda auf 189,8 (187,9) Mill. ? gestiegen. Während im inländischen Mobilfunkgeschäft das Ebitda um 5,2 % auf 158,4 Mill. ? rückläufig gewesen ist, legten die Töchter VIPNet um 24,6 % auf 27,9 Mill. ? bzw. auf 3,8 (minus 1,2) Mill. ? bei der slowenischen SI.Mobil zu.

Im mit einer Penetration von 84,2 (81,9) Prozent nahezu gesättigten Markt tobt ein harter Wettbewerb. Der Marktanteil mit knapp über drei Mill. inländischen Kunden wurde per Ende März mit 44,1 % verglichen mit 44,4 % zu Ultimo 2002 angegeben. Der Rückgang der Ebitda-Marge auf 40,47 von 44,1 noch im Vorjahresquartal zeige aber deutlich den harten Wettbewerb, sagte Fischer.

Die TA selbst führt Kundenbindungskosten an, die um 19,1 % auf 15,6 Mill. ? gestiegen seien. Für das Festnetzgeschäft (inkludiert nun die bisher getrennt geführten Bereiche Internet und Datenkommunikation) gab die TA einen Umsatz von 555,7 (565,9) Mill. ? an. Der Rückgang sei auf das niedrigere Sprachverkehrsvolumen zurück zu führen. Das Ebitda sei dabei auf 215,5 (211,9) Mill. ? gestiegen. Die Ebitda-Marge im Festnetz sei auf 38,8 (37,4) Prozent verbessert worden.

Eine Stabilisierung in diesem Geschäft sei sichtbar. Die TA habe den Markanteil - inklusive des Internet-Einwählverkehrs - mit 55,2 % per Ende März 2003 gegenüber 55,3 % zum Ultimo 2002 stabil halten können. Im Festnetz betreut die TA 3,08 Mill. Kunden.

Das Wachstum im Ebitda und im Nettoergebnis kommt daher für Sveceny hauptsächlich aus Effizienzsteigerungsmaßnahmen, also einerseits Personaleinsparungen, aber auch Kostensenkungen bei den Prozessen. Um auch künftig, Wachstum zu generieren, rät Sveceny der TA zu einem "Spagat". Das Ziel, die Finanzkennzahlen stabil zu halten, könnte man kurzfristig verlassen, um die Expansion im Mobilfunk vor allem in Südosteuropa voranzutreiben.

Die Nettoverschuldung gab die TA mit 3,16 (3,20) Mill. ? an. Daraus ergebe sich ein Nettoverschuldungsgrad von 124,2 (127,7) Prozent.

Die Kosten zu senken, ist sehr gut, allerdings nicht für immer. "Irgendwann einmal muss es auch wieder Umsatzwachstum geben", rät Sveceny sich die bulgarische Mobiltel, eine attraktive Wachstumsmöglichkeit in Südosteurope, anzusehen. Es wäre auch den Investoren kommunizierbar, kurzfristig eine höhere Verschuldung auszuweisen, um nicht auf Wachstum verzichten zu müssen. Die kroatische VIPNet und die slowenische SI.Mobil sind im ersten Quartal zwar wieder deutlich im Umsatz und Ergebnis gewachsen. Insbesondere in Slowenien wird sich aber mit einer Durchdringung von 75,7 % das Wachstum in den nächsten Jahren abflachen. Kroatien verspricht mit einer Penetration von 50,5 % hingegen noch Wachstum auf die nächsten Jahre. TA-Chef Heinz Sundt ist im Aufsichtsrat der von einer österreichischen Investorengruppe gehaltenen Mobiltel.

Die Mobilkom hat die Bereitschaft zur Expansion wiederholt bekräftigt. Mobilkom-Chef Boris Nemsic strebt als nächsten Schritt offenbar eine GSM-Lizenz in Bosnien-Herzegowina an und will auch in den serbischen Markt. Auch die Mobiltel wird nicht als Akquisitionsziel ausgeschlossen.

Claudia Vince-Bsteh, Analystin der Raiffeisen Centrobank, meinte, dass "die Erfolgstories VIPNet und SI.Mobil" vielleicht wiederholt werden könnten. In Kroatien und Slowenien habe man bewiesen, dass Mobilkom erfolgreich ein Unternehmen aufbauen und führen könne. Etwas ähnliches müsste auch auch in Serbien und in Bosnien-Herzegowina möglich sein.

Offen ist die Frage der weiteren Privatisierungen der TA. Die Swisscom soll unbestätigten Meldungen zufolge wieder mit der TA bzw. dem Hauptaktionär Österreichische Industrieholding (ÖIAG) im Gespräch sein. Swisscom hatte sich zuletzt aber eher reserviert gezeigt. Vor wenigen Wochen waren offiziell nie bestätigte Gespräche angeblich beendet worden, weil man über den Preis uneinig gewesen war.

In Analystenkreisen war die Verbindung von Swisscom und TA in Bezug auf das Festnetz als nebensächlich betrachtet worden, weil sie keine Synergien brächte. Sinn könnte ein Einstieg der Schweizer in Österreich allerdings machen, wenn sie in der Region wachsen wollten und gemeinsam im Mobilfunk expandieren wollten.

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