Zur Deutschen Einheit
Bush schreibt persönlichen Brief an Rau - Freundschaft betont

Wenn Eiszeit herrscht in den Beziehungen zwischen zwei Ländern, dann bekommen auch kleine Gesten eine große Bedeutung. Erstmals seit der Verstimmung zwischen Berlin und Washington nimmt der US-Präsident wieder Kontakt auf.

dpa BERLIN/WASHINGTON. In seiner ersten persönlichen Botschaft an die politische Spitze Deutschlands seit der Bundestagswahl hat US-Präsident George W. Bush zum Tag der Deutschen Einheit die engen Beziehungen beider Länder gewürdigt. In einem handschriftlich unterzeichneten Brief übermittelte Bush seine "herzlichen Grüße" an Bundespräsident Johannes Rau. Amerika feiere am zwölften Jahrestag der deutschen Vereinigung gemeinsam mit Deutschland "diesen bedeutenden Tag". Bundespräsident Johannes Rau dankte am Donnerstag besonders den USA für deren Verdienste um die Wiedervereinigung.

In dem Schreiben Bushs gibt es keinen Hinweis auf die wegen der Irak-Kontroverse stark abgekühlten deutsch-amerikanischen Beziehungen. Die US-Regierung ist auch verärgert über den angeblichen Vergleich der Irak-Politik Bushs mit Methoden Adolf Hitlers durch die scheidende Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD). Bush hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) keine Glückwünsche zum Wahlsieg am 22. September übermittelt.

Ungeachtet der Verstimmungen legte Bush den Schwerpunkt seines Briefes auf die historischen Verbindungen zwischen beiden Völkern, die bis zur Gründung der USA zurückreichten. "Während des vergangenen halben Jahrhunderts haben sich diese Beziehungen durch die gemeinsame Verpflichtung auf demokratische Werte vertieft." Die Vereinigten Staaten hätten fest an der Seite des deutschen Volkes gestanden, als es um das gemeinsame Ziel gegangen sei, dem geeinten Deutschland Freiheit zu bringen. "Das Ende des Kommunismus und der Fall der Berliner Mauer waren für unsere beiden Völker ein großer Erfolg."

Bush verwies auf die Millionen amerikanischer Soldaten, Studenten und Geschäftsleute, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Deutschland gelebt oder das Land besucht haben. Die Freundschaften seien "eine feste Grundlage, um die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen".

Rau sagte beim Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin am Donnerstag: "Dass die Ideale von Demokratie und Freiheit sich endlich durchgesetzt haben, das verdanken wir den Bürgerinnen und Bürgern im Osten, aber wahrlich auch unseren Freunden und Verbündeten. Das werden wir ihnen nie vergessen." Deutschland stehe zu seiner Verantwortung und seinen Verpflichtungen, betonte Rau in einer längeren Passage zur besonderen Tradition der deutsch- amerikanischen Beziehungen.

Rau ging auch auf die "großen Reden" John F. Kennedys in der Mauerstadt Berlin ein. Das Staatsoberhaupt würdigte zugleich den Beitrag von Bushs Vater für die Wiedervereinigung. "George Bush hat den Weg der Deutschen zur staatlichen Einheit aus ganzem Herzen gewollt und mit Erfolg unterstützt." Diese Botschaft werde auch der frühere US-Präsident Bill Clinton, der an den Feierlichkeiten in Berlin teilnehmen werde, den Deutschen übermitteln. Der Umbruch bleibe aber für immer auch mit dem Namen Michail Gorbatschow, dem ehemaligen sowjetischen Präsidenten, verbunden, ergänzte Rau.

Der Regierungskoordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), sagte im F.A.Z. Business-Radio, die Erwartung der Amerikaner an die enge Bündnistreue der Deutschen gelte auch weiterhin. "Dafür ist dieser Brief Ausdruck." Voigt sah trotz der Meinungsverschiedenheiten zum Irak eine enge Übereinstimmung zwischen Deutschland und den USA.

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