Zur Eröffnung der gläsernen Fabrik
VW vollzieht mit "Phaeton" Einstieg in Luxusklasse

Mit der feierlichen Eröffnung seiner "Gläsernen Manufaktur" in Dresden hat der Autohersteller Volkswagen am Dienstag den Einstieg in die automobile Luxusklasse vollzogen. Konzernchef Ferdinand Piech gab im Rahmen eines Festaktes im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Startschuss für die Fertigung des neuen Oberklasse-Modells, das "Phaeton" heißen wird und bislang nur unter dem Projekttitel D1 bekannt war.

Reuters DRESDEN. Nach dem Startschuss wurden die Vorhänge in der Fabrik beiseite gezogen, hinter denen bereits seit Monaten rund 250 Mitarbeiter Vorserienfahrzeuge montieren. Einen der ersten "Phaeton" übergab Piech an Schröder, der das Fahrzeug selbst aus der Fabrik steuerte. Dem Publikum wird der Wagen erst auf dem Automobilsalon in Genf im Frühjahr präsentiert. Dann soll zugleich Verkaufsstart sein.

Piech sagte vor Gästen aus Politik und Wirtschaft, mit dem neuen Modell dokumentiere Volkswagen seinen Anspruch, in die automobile Luxusklasse vorzudringen und dort einen entscheidenden Platz einzunehmen. Mit dem "Phaeton" will VW in Konkurrenz zur 7er-Klasse von BMW und zur S-Klasse von Daimler-Chrysler treten. Der Name Phaeton stammt aus der griechischen Mythologie und steht Piech zufolge für "der Leuchtende". Geplante Verkaufszahlen nannte Piech nicht.

Schröder würdigte die für 365 Millionen Mark errichtete Fabrik in der Dresdner Innenstadt als Stärkung des Automobilstandortes in Ostdeutschland. Dabei verwies er auch auf die kürzlich von BMW beschlossene Milliarden-Investition in ein neues Werk in Leipzig. Auch Porsche investiert in eine Fertigung in Leipzig, allerdings ohne staatliche Förderung.

Der Kanzler machte deutlich, dass seiner Ansicht nach öffentliche Beihilfen nötig seien, um Investition in strukturschwache Regionen zu lenken. Das müsse auch die Europäische Kommission einsehen. Deren Überlegungen zur Senkung der Fördersätze für Großinvestitionen bezeichnete Schröder als nicht nachvollziehbar.

Insgesamt hat Volkswagen nach eigenen Angaben in das Projekt über eine Milliarde Mark investiert. Die Fabrik selbst schlug dabei mit 365 Millionen zu Buche. Der Großteil ging in das sächsische Werk Mosel, in dem die Rohlinge gefertigt und mit Spezialwagen der Straßenbahn durch die Dresdener Innenstadt zu der Gläsernen Fabrik gebracht werden. Ursprünglich waren für das Milliarden-Projekt staatliche Beihilfen von 170 Millionen Mark geplant. Durch eine Intervention der EU-Kommission wurden sie aber auf 145 Millionen gesenkt.

Kunden und Passanten sollen in der gläsernen Fabrik zusehen können, wie das von ihnen bestellte Auto montiert wird und teils dabei sogar selbst Hand anlegen können. Zur kulturellen Erbauung will Volkswagen Opernabende und Dampferfahren auf der Elbe organisieren. Käufer, die von weit her anreisen müssen, will der Konzern im Phaeton abholen und nach Dresden fahren.

Der Bau in der Dresdner Innenstadt aus viel Glas und Stahl erinnert an ein riesiges Aquarium. Besonderer Blickfang ist ein runder Glasturm, der als Regal für die fertigen Autos dient. Ähnliche Türme hat der Konzern in der Autostadt in Wolfsburg errichtet, in dem die Kunden ihre Autos ebenfalls abholen können, allerdings in einem bescheideneren Rahmen. Die Dresdner Fabrik ist mit Ahornparkett ausgelegt. Die Beschäftigten arbeiten dort nicht im Blaumann, sondern in weißen Overalls. Ölpfützen wird der Besucher in der Gläsernen Fabrik vergebens suchen.

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