Zur Rücktrittsforderung: "Kirch-Deal soll an mir nicht scheitern"
EM.TV-Aufsichtsratschef Becker gesprächsbereit

Der Aufsichtsratsvorsitzende des angeschlagenen Münchner Medienkonzerns EM.TV, Nickolaus Becker, will nach eigenen Angaben dem geplanten Einstieg der Kirch-Gruppe bei seinem Unternehmen nicht im Wege stehen.

Reuters MÜNCHEN. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Medienkonzerns EM.TV, Nickolaus Becker, will nach eigenen Angaben trotz Rücktrittsforderungen im Amt bleiben, dem geplanten Einstieg der Kirch-Gruppe bei seinem angeschlagenen Unternehmen aber auch nicht im Wege stehen. Er habe sich nichts vorzuwerfen, weswegen ein Rücktritt für ihn kein Thema sei, erklärte Becker am Sonntag. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er indes auch: "Wenn der letzte offene Punkt nur noch meine Person ist und ansonsten ein zufrieden stellender Deal für die Aktionäre erreicht werden könnte, soll es sicherlich nicht an meiner Person scheitern." Am Freitag war aus Unternehmenskreisen verlautet, die Kirch-Gruppe mache Beckers Ablösung zu einer wesentlichen Voraussetzung für eine Einigung über den geplanten Einstieg bei EM.TV. Sprecher von Kirch und EM.TV wiesen die Rücktrittsforderungen zurück.

In einem Fax erklärte Becker am Sonntag: "Die Behauptung, nach der Kirch-Manager auf meine 'schnelle Ablösung' als AR-Vorsitzender drängten, ist für mich nicht nachvollziehbar. Vielmehr hat mich Herr Dr. Kirch am 03. Dezember 2000 persönlich gebeten, den Aufsichtsratsvorsitz zu behalten, falls die Vereinbarung mit der Kirch-Gruppe zum Tragen kommt." Nach einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" war es kurz vor Weihnachten bei einem gemeinsamen Mittagessen jedoch zu einem Streit zwischen Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn und Becker gekommen.

Becker fügte in seiner Erklärung hinzu: "Generell gilt jedoch, dass die Zukunft des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und seiner Aktionäre für mich ungleich wichtiger ist als das Festhalten an meiner Position." Im Gespräch mit Reuters betonte er, damit bereite er aber nicht seine Demission vor. "Das ist ist kein Rückzug auf Raten."

Ein Kirch-Sprecher sagte am Wochenende: "Als künftiger EM.TV-Aktionär mit 25,1 % (der Stimmen) haben wir keine Präferenzen für die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden." Auch ein Sprecher von EM.TV sagte, ein Rücktritt Beckers stehe nicht zur Debatte. Man wolle die Gespräche mit Kirch rasch zum Abschluss bringen.

Spiegel: Becker vor Rücktritt

Der "Spiegel" berichtet dagegen in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, Becker stehe wohl vor dem Rücktritt. EM.TV-Chef Thomas Haffa, der zusammen mit seinem Bruder nahezu 50 % der EM.TV-Aktien besitzt, wolle den geplanten Einstieg Kirchs nicht an dieser Personalfrage scheitern lassen. Der 51-jährige Münchner Rechtsanwalt hatte EM.TV auch bei zahlreichen Transaktionen beraten, unter anderem beim Einstieg in die Formel Eins und der Übernahme der Jim Henson Company. Nach der drastischen Gewinnwarnung von EM.TV im Dezember waren ihm daher schwere Verhandlungsfehler vorgeworfen worden. Aktionärsschützer forderten bereits damals seinen Rücktritt.

Die Kirch-Gruppe und die EM.TV & Merchandising AG hatten am Freitag zurückgewiesen, dass Differenzen zwischen Hahn und Becker den Einstieg Kirchs gefährden könnten. Kirch soll nach einer Grundsatzvereinbarung von Anfang Dezember bis zu 16,74 % der Anteile an EM.TV von Thomas Haffa übernehmen und 25 % der Stimmrechte erhalten. Dafür erhält EM.TV die volle Kontrolle über "Junior TV". An dem Gemeinschaftsunternehmen für Kinderfernsehprogramme hatte Kirch bislang 50 % gehalten. In den EM.TV-Aufsichtsrat will Kirch seinen US-Manager Klaus Hallig entsenden.

Becker deutete gegenüber der "Welt am Sonntag" an, EM.TV habe Vorbereitungen für den Fall eines Rückzugs von Kirch getroffen. Zwar sei "Kirch unser natürlicher Partner, man kennt sich seit Jahrzehnten, aber Manager wären schlechte Manager, wenn sie keine Alternativen hätten", sagte er. Kirch hatte sich aber Exklusivität bei den Verhandlungen zusichern lassen. "Wir wollen den Deal mit Kirch zu Ende bringen", sagte der EM.TV-Sprecher dazu. "Das hindert aber andere natürlich nicht daran, uns Angebote zu machen." In den Kreisen hatte es am Freitag geheißen, auch Kirch halte sich alle Optionen offen.

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