Zur Verschrottung freigegeben
Busfriedhof füllt sich mit Zeugen des Nahost-Konflikts

Die Sitze sind mit Blut befleckt. In der Nähe übersäen verkohlte Knochensplitter den Boden. Die Sandale eines Kindes, das Schmink-Etui einer Frau und die schwarze Baskenmütze eines Soldaten liegen verstreut unter den Rädern. Das sind die Überreste des Busses Nr. 361.

Reuters KIRJAT ATA/ISRAEL. Er ist der neuste Zugang auf Israels Busfriedhof und eine weitere Erinnerung daran, wie die Bomben palästinensischer Selbstmordattentäter den täglichen Pendelverkehr der Israelis zum russischen Roulette gemacht haben.

Der grün-weiße Bus wurde am 4. August auf den düsteren Schrottplatz im Norden des Landes geschleppt. Die Explosion in Galiläa hatte das Dach weggerissen und neun Menschen getötet.

In unmittelbarer Nähe stehen die zertrümmerten Wracks drei weiterer Busse der israelischen Firma Egged. Alle sind in den vergangenen Monaten dem "Krieg der Busse" zum Opfer gefallen, wie ihn die militanten Palästinenser nennen.

Wenn die Polizei die Wracks mit freiwilligen Helfern nach Leichenteilen durchsucht und zur Verschrottung freigegeben hat, werden sie von Mechanikern ausgeschlachtet. Sie räumen Motorteile sowie die übrig gebliebene Elektrik aus und montieren Räder ab. Sogar Sitze können manchmal wiederverwertet werden, sagt Dschuwal Schoham, Chef von Eggeds großer Werkstatthalle in der Stadt Kirjat Ata.Das spart Geld, denn die Zahl der Fahrgäste ist während der letzten 22 Monate voller Gewalt stark zurückgegangen.

Es sei ein schreckliches Gefühl, die wieder benutzbaren Teile der zerbombten Busse herauszulösen und zu bergen, sagen die Mechaniker. "Viele von uns kannten die Fahrer und einige der Passagiere der betroffenen Busse", sagt Schoham. "Es ist kein angenehmes Gefühl, solche Fahrzeuge zu betreten. Der Gestank und die Körperteile - schockierend." Nur ein paar Meter weiter rechts steht Bus Nr. 960. Er explodierte im April bei einem Selbstmordattentat außerhalb der nahe gelegenen Hafenstadt Haifa. In ihm starben acht Israelis.

Links liegt der verkohlte Rest von Bus Nr. 830, der bei einem Anschlag am 5. Juni fast völlig ausbrannte. 17 Menschen starben damals in der Nähe der Stadt Megiddo, der hebräische Name des biblischen Armageddon.

Der Öffentlichkeit bleibt der Anblick der Geisterbusse erspart. Die Busse liegen versteckt auf dem eingezäunten Gelände der Firma Egged. Viele Menschen haben sich von dem Schrecken der jüngsten palästinensischen Angriffe noch nicht erholt, die wie eine Welle der Gewalt das Land von Jerusalem bis fast zur libanesischen Grenze im Norden überschwemmt haben.

Militanten Palästinensern zufolge ist dies die Rache für den Mord an ihren Anführern und Landsleuten durch israelische Truppen.

Seit dem Beginn des Palästinenser-Aufstandes gegen die israelische Besetzung ihrer Gebiete im September 2000 sind mindestens 1490 Palästinenser und 585 Israelis ums Leben gekommen. Rund 90 Menschen starben bei den mehr als ein Dutzend Bombenattentaten auf Busse in Israel.

Zwei Mal die Woche arbeitet Schoham als Fahrer für Egged. Wenn er durch die Reihe der Geisterbusse wandert, denkt er daran, dass seine nächste Fahrt die letzte sein könnte. "Aber so furchtbar es auch ist, wir können es nicht zulassen, daß sie uns klein kriegen," sagt er mit einem Blick auf den Bus von Meron.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%