Zurich Financial Services zeigt, was deutschen FInanzkonzernen drohen kann: Spirale bis zur Selbstabwicklung

Zurich Financial Services zeigt, was deutschen FInanzkonzernen drohen kann
Spirale bis zur Selbstabwicklung

Einige deutsche - und manche ausländische - Finanzkonzerne sind theoretisch Übernahmekandidaten, praktisch aber nicht.

DÜSSELDORF. Theoretisch ja, weil ihre Aktienkurse, wie Spötter sagen, nur noch "Erinnerungswerte" sind. Praktisch nein, weil ihre Struktur so schlecht ist und ihre wichtigsten Märkte so unergiebig sind, dass niemand sie haben möchte. Am häufigsten werden Commerzbank und Hypo-Vereinsbank in diesem Zusammenhang genannt. Aber auch die Börsenkapitalisierungen von Allianz und Münchener Rück sind so erschreckend zusammengeschmolzen, das sie keinen Hinderungsgrund für einen Angriff darstellen müssten.

Möglicherweise liegt die Lösung aber in einer ganz anderen Richtung. Ein besonders drastisches Lehrbeispiel bietet Zurich Financial Services. Der Konzern wurde von seinem früheren Chef Rolf Hüppi systematisch von der "Zürich Versicherung" zu einem internationalen Finanzdienstleister mit Schwergewicht in den USA aufgebaut.

Seit rund einem Jahr findet genau das Gegenteil statt: Zuerst Hüppi, dann sein Nachfolger James Schiro verkauft Stück um Stück seinen Konzern und stutzt ihn dadurch auf sein altes Kerngeschäft zurück. Ein großer Teil des Anlagegeschäfts wurde abgestoßen, darunter relativ neue Erwerbungen in den USA, aber auch eine erfolgreiche eigene Gründung mit langjähriger Tradition in Deutschland. Dazu werden große Teile des Lebensversicherungsgeschäfts überprüft. Ob die Gesellschaft sich irgendwann wieder "Zürich Versicherung" nennt? Aber letztlich entsteht durch den Schrumpfungsprozess ein völlig neues Gebilde und nicht eine Kopie der alten Gesellschaft vor dem Übernahmerausch. Doch die Dimension wird bald wieder auf das alte Maß zurückgeschrumpft sein.

Verkäufe von Konzernteilen sind auch in Deutschland ein Thema. Vor allem die Hypo-Vereinsbank gilt als Kandidat dafür. Sie hat in Österreich und in Mittel- und Osteuropa zugekauft - zum Teil mit gutem Erfolg. Auch die kleine Vereins und Westbank - wurde schon gerüchteweise als möglicher Verkaufskandidat genannt.

Aber auch bei der Allianz fragt man sich, ob sie auf Dauer alle Teile der Dresdner Bank behält. Außerdem stellt sie nach eigenen Angaben sogar das Geschäft mit Industrieversicherungen auf den Prüfstand. Bei der Commerzbank dürfte das Investment Banking unter besonderer Beobachtung stehen.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Verkäufen. Entweder werden unrentable Bereiche abgestoßen - das ist der gute Weg. Er hilft, die gesamte Rentabilität aufzubessern, hat allerdings den Nachteil, das so meist nur wenig Geld in die Kasse zu bekommen ist. Denn wer zahlt schon gerne für schlechtes Geschäft?

Der zweite, der schlechte Weg, besteht darin, rentable Teile abzustoßen. Er hat den Vorteil, dass so Geld in die Kasse kommt und die möglicherweise strapazierte Kapitaldecke ausgebessert wird - das ist gerade bei Finanzkonzernen ein großes Thema.

Der Nachteil liegt aber auf der Hand: Die gesamte Rentabilität wird geschwächt, und damit letztlich auch wieder die Kapitalbasis. Daher besteht die Gefahr, dass ein Konzern, der diesen Weg einmal einschlägt, eine Spirale in Gang setzt - er muss immer mehr verkaufen und wickelt sich so selbst Stück für Stück ab. Wenn es gut geht, kommt so ein kompakter, profitabler Kern ans Tageslicht - aber das ist keineswegs sicher.

Diese Perspektive ist beängstigend. Aber sie könnte bei deutschen Finanzkonzernen zum Tragen kommen, wenn sie es nicht schaffen, ihr Geschäft von innen her zu sanieren. Möglicherweise entstehen durch eine derartige selbst inszenierte Teilabwicklung aber erst wieder Einheiten, die so klein und klar ausgerichtet sind, dass sie dann tatsächlich für einen ausländischen Konkurrenten als Übernahmeobjekte interessant sind.

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