Zurückhaltende Reaktionen weltweit
Versöhnungsappelle in USA nach Entscheidung für Bush

Vizepräsident Gore hat in der Nacht zum Donnerstag seine Aufgabe erklärt und Bush zum Sieg gratuliert. Staats- und Regierungschefs reagierten weltweit überwiegend mit Zurückhaltung. Das mögliche Kabinett von George Bush Bushs Prinzipien widersprechen europäischen Zielen

dpa WASHINGTON/HAMBURG. Nach der Entscheidung im Streit um die US-Präsidentschaft zu Gunsten von George W. Bush haben Sieger und Verlierer die Amerikaner zur Versöhnung aufgerufen. Nach fünf Wochen erbitterten Rechtsstreits hatte Vizepräsident Al Gore in der Nacht zum Donnerstag seine Aufgabe erklärt und Bush zum Sieg gratuliert. Weltweit reagierten Staats- und Regierungschefs überwiegend mit Zurückhaltung auf den endgültigen Wahlausgang in den USA.

Der Republikaner Bush wird 43. Präsident der USA und damit Nachfolger des Demokraten Bill Clinton. Bush nahm die Präsidentschaft kurz nach der Erklärung seines demokratischen Rivalen Gore an. Dieser war durch ein Urteil des Obersten US-Gerichtshofes gegen Stimmennachzählungen von Hand zur Aufgabe gezwungen worden. Der texanische Gouverneur verfügt nun über die nötige Mehrheit der Stimmen des US-Wahlmännerkollegiums, das am 18. Dezember offiziell über den Präsidenten entscheidet. Die Vereidigung findet am 20. Januar statt.

Traditionelle Freundschaft zwischen Deutschland und USA

In ihren Glückwunsch-Telegrammen an Bush äußerten Staats- und Regierungschefs vor allem Erleichterung über das Ende des juristischen Tauziehens nach dem äußerst knappen Wahlergebnis vom 7. November. Bundeskanzler Gerhard Schröder hob die traditionelle Freundschaft zwischen Deutschland und den USA hervor.

Der britische Premierminister Tony Blair unterstrich die "gemeinsamen Interessen und Werte", die Großbritannien und die USA verbänden. In seiner Botschaft drückte Blair die Hoffnung aus, dass sich die "besondere Freundschaft" zwischen den beiden Nationen auch künftig fortsetzen wird. Frankreichs Premierminister Lionel Jospin gratulierte dem "Gouverneur" Bush und betonte: "Frankreich und die USA haben gemeinsam viel zu tun."

Erleichterung in Russland

Russische Politiker zeigten in ersten Reaktionen Erleichterung über das Ende der Präsidentenwahl. Eine Reaktion des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der sich zum Staatsbesuch in Kuba aufhielt, stand zunächst aus. Chinas Staats- und Parteichef Jiang Zemin drückte die Hoffnung aus, dass Bush nicht von der China-Politik seiner Vorgänger abweiche. Er bot dem designierten US-Präsidenten seine Zusammenarbeit an. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums forderte die neue US-Regierung auf, die von US- Präsident Bill Clinton vorerst ausgesetzten Pläne für Raketenabwehrsysteme ganz aufzugeben.

Clinton rief das amerikanische Volk auf, die "Verbitterung" der letzten Wochen hinter sich zu lassen und seinen Nachfolger zu unterstützen. In einer Erklärung, die er bei seinem Besuch in Großbritannien herausgab, lobte der US-Präsident seinen Vize Gore für die Art und Weise, in der er den Spruch des Obersten US-Gerichtshofes angenommen habe, auch wenn er damit nicht übereinstimme.

Bush würdigte in seiner TV-Ansprache am späten Mittwochabend (Ortszeit) ausdrücklich die Verdienste seines unterlegenen Rivalen. Er und Gore hätten vereinbart, ihr Bestes zu geben, um das Land nach dem harten Kampf um die Präsidentschaft zu versöhnen. Beide Politiker wollten Anfang kommender Woche in Washington zusammenkommen. Als Termin wurde der Dienstag genannt.

Gore hatte eine Stunde zuvor offiziell aufgegeben. In einer Fernsehansprache erklärte Gore: "Die Schlacht endet heute Nacht." Auch er rief er in seiner mit Spannung erwarteten Rede Demokraten und Republikaner zur Versöhnung und Zusammenarbeit auf. An die "Weltgemeinschaft" gewandt, sagte der Vizepräsident, sie solle den Wahlstreit nicht als ein Zeichen amerikanischer Schwäche werten. Es habe sich im Gegenteil die Stärke der Demokratie bewiesen.

80 % der Amerikaner akzeptieren Bush

80 % der Amerikaner sind nach einer Umfrage jetzt bereit, Bush als legitimen Präsidenten der USA zu akzeptieren. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Gallup-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders CNN und der Zeitung "USA Today" hervor. Selbst unter den Anhängern Gores war die Unterstützung mit 61 % sehr hoch.

An den Aktien- und Devisenmärkten blieb der erhoffte "Bush-Effekt" aus. Der Euro konnte zwar am Donnerstag über die Marke von 0,88 $ steigen, doch machten Händler dafür Konjunkturdaten verantwortlich. Die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks wurden lediglich von Unternehmensmeldungen bewegt.

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