Zurückhaltung bei Großmandanten spürbar
KPMG Deutschland steigert Umsatz deutlich

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Deutschland hat im Jahr 2000 den Umsatz um 27 % auf den Rekordwert von 1,2 Mrd. Euro gesteigert. Alle Geschäftsbereiche seien profitabel und hätten zweistellige Zuwachsraten verzeichnet, sagte Vorstandssprecher Harald Wiedmann am Mittwoch in Frankfurt auf der Bilanzpressekonferenz.

Reuters FRANKFURT. Am stärksten sei mit mehr als 70 % der Bereich "Financial Advisory Services" gewachsen, der die Beratung bei Unternehmenskäufen und Umstrukturierungen umfasse. Der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr sei weniger gut: "Dieses Jahr wird schwierig", sagte Wiedmann. Vor allem bei Großmandanten sei Zurückhaltung zu spüren. Die KPMG verwahrte sich zudem erneut gegen Kritik im Zusammenhang mit Prüfungen des Baukonzerns Philipp Holzmann und bei der Flowtex.

Der Jahresüberschuss des Konzerns sank im Jahr 2000 um 26,7 % auf 9,6 Mill. Euro. Der Gewinn vor Partnervergütungen sei jedoch gestiegen, sagte Wiedmann, ohne den Zuwachs zu beziffern. Die Gesellschaft sei vollständig im Besitz aktiver Partner. Denen sei es egal, ob sie am Unternehmensgewinn durch höhere Gehälter oder durch Dividenden beteiligt würden, sagte Wiedmann.

Umstellung des Buchungsstandards

Das Kerngeschäft Wirtschaftsprüfung habe mit insgesamt 567 Mill. Euro einen fast 16 % höheren Umsatz erwirtschaftet als im Vorjahr, sagte der KPMG-Chef. Dies sei vorwiegend auf die Umstellung vieler Unternehmen auf den internationalen Buchhaltungsstandard IAS oder den US-Standard US-GAAP zurückzuführen. Für das laufende Jahr erwarte man hier ein geringeres Wachstum.

Wiedmann bekräftigte, die Firma habe bei der Prüfung der Bilanzen des Baukonzerns Philipp Holzmann und der Ettlinger Flowtex-Gruppe korrekt gearbeitet. Von den Vorwürfen zur Holzmann-Prüfung sei nichts übrig geblieben, sagte Wiedmann. Holzmann war Ende 1999 knapp dem Bankrott entgangen. KPMG war damals vorgeworfen worden, Altlasten von 2,4 Mrd. DM übersehen zu haben.

KPMG hatte außerdem den Jahresabschluss der Flowtex GmbH geprüft. Die Gruppe steht im Verdacht, nicht existierende Bohrgeräte an Leasinggesellschaften verkauft und anschließend wieder zurückgemietet zu haben. Im Februar diesen Jahres hatten Banken, Sparkassen und Leasingfirmen Schadenersatzforderungen gegen KPMG in Höhe von 2 Mrd. DM angekündigt. Sie werfen KPMG gravierende Fehler vor. Wiedmann sagte, KPMG habe selbst zu den Geschädigten gehört. So sei neben Kontoauszügen und anderen Papieren auch ein Siegel der Wirtschaftsprüfer gefälscht worden. "Das zeigt die kriminelle Intensität", sagte Wiedmann.

Rückstellungen für mögliche Regresse

Die Bilanz der Gesellschaft weist für das Jahr 2000 um 12 % höhere sonstige Rückstellungen aus als für 1999. In der Summe von 217 Mill. Euro seien auch Rückstellungen für mögliche Regresse enthalten, sagte Wiedmann, ohne die Höhe zu beziffern. Die wesentlichen Posten seien jedoch Rückstellungen für Altersteilzeit und Mitarbeiterboni.

In den USA hat KPMG den Bereich Wirtschaftsprüfung und Beratung in voneinander unabhängige Gesellschaften getrennt. Die Beratungssparte KPMG Consulting Inc. ist seit Februar an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notiert. Um den internationalen Anforderungen nach einer stärkeren Trennung von Beratung und Prüfung Rechnung zu tragen, sei auch in Deutschland sei der Bereich Consulting in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Es sei denkbar, diesen Bereich an die Börse zu bringen oder ihn in die US-Gesellschaft einzubringen, sagte Wiedmann.

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