Zurückhaltung bei Unternehmen
Preisauftrieb im Mai deutlich gedämpft

Niedrigere Energiepreise und statistische Basiseffekte haben im Mai die Inflation in Deutschland deutlich gedämpft.

Reuters FRANKFURT. Der Preisanstieg sei nach vorläufigen Berechnungen auf 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat von zuvor 1,6 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Die Statistiker begründeten die geringere Teuerung vor allem damit, dass sich die starken Preissteigerungen vom Mai vergangenen Jahres nun nicht mehr in der Jahresrate bemerkbar machten. Das Bundesfinanzministerium bezeichnete den Teuerungsrückgang als eine "frohe Botschaft". Da auch für die Euro-Zone eine Entspannung an der Preisfront erwartet wird, kann sich die EZB Volkswirten zufolge mit einer Leitzinserhöhung bis nach der Sommerpause Zeit lassen.

Volkswirt: Preiszurückhaltung bei Unternehmen

Vor allem Heizöl und andere Energieträger verbilligten sich deutlich, während die Preise in Hotels, Gaststätten und für Reisen stiegen. Die Auswirkung dieser Preisveränderungen seien allerdings für die Jahresteuerung nur gering, sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. "Unsere beste Erklärung ist Preiszurückhaltung bei den Unternehmen, nachdem sie im Januar nach der Euro-Bargeld-Einführung die Preise stark erhöht hatten." Die niedriger als erwartet ausgefallene Inflation hatte sich Bankvolkswirten zufolge bereits nach der Veröffentlichung der Zahlen aus mehreren Bundesländern abgezeichnet. Sie sahen darin ein Signal für den nachlassenden Inflationsdruck in Deutschland und damit auch der Euro-Zone. Bis zum Herbst werde die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen wohl nicht erhöhen.

Zuvor veröffentlichten bereits Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen Jahresinflationsraten zwischen 0,6 und 1,5 Prozent veröffentlicht. Im Vergleich zum April maßen die Statistiker Preisveränderungen von minus 0,1 bis plus 0,1 Prozent. In den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergab sich daraus einem Teuerung zum Vormonat wie schon im April von 0,1 Prozent. Der für europäische Zwecke berechnete harmonisierte Preisindex stieg im Jahresvergleich um 1,1 (1,6) Prozent.

Volkswirte: Zahlen sind besser als erwartet

Volkswirten zufolge verschieben die besser als erwartet ausgefallenen Daten die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung der EZB weiter nach hinten. "Wir erwarten keine Zinserhöhung vor September", sagte Markus Heider von DB Research Global Markets. Für die Eurozone erwartet Norbert Braems von Sal. Oppenheim nun im Mai eine Inflation von 2,1 Prozent und damit nur knapp über dem selbstgesetzten Limit der EZB von zwei Prozent.

Im Lauf des Tages werden noch die Inflationsdaten aus Brandenburg erwartet. Aus den Zahlen der sechs Bundesländer berechnet das Statistische Bundesamt die vorläufige deutsche Inflationsrate für den laufenden Monat. Volkswirte hatten im Schnitt einen Rückgang der Jahresteuerungsrate auf 1,4 Prozent prognostiziert.

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