Zurückhaltung der Investoren
Rückzugsschlacht der Beteiligungsbranche

Der deutsche Beteiligungsmarkt wird nach Angaben des zuständigen Branchenverbandes angesichts der schwachen Konjunktur- und Börsenentwicklung im laufenden Jahr voraussichtlich deutlich schrumpfen.

Reuters BERLIN. Das Neugeschäft werde angesichts einer weiterhin großen Zurückhaltung der Investoren bei Engagements vermutlich deutlich unter den Werten der beiden Vorjahre zurückbleiben, sagte Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), am Mittwoch in Berlin. "Eine kurzfristige Erholung des Marktes ist nicht in Sicht." Deshalb sei auch für das kommende Jahr nicht mit spürbaren Erholungstendenzen zu rechnen. Der deutsche Mittelstand zeige trotz der Eigenkapitalprobleme noch wenig Neigung, sich für Beteiligungskapital zu öffnen.

Im dritten Quartal 2002 verzeichnete der BVK Investitionen in deutschen Unternehmen von 490,2 Millionen Euro, was deutlich unter dem Wert des Vorquartals von 727,2 Millionen Euro und dem Wert des Vorjahresquartals von 683,8 Millionen Euro gelegen habe. Auf Erstengagements seien bei anhaltender Vorsicht der Investoren davon 322,2 Millionen Euro entfallen, während die Folgeinvestitionen in bereits bestehende Beteiligungsfirmen 168 Millionen Euro ausgemacht hätten.

"Das zur Verfügung stehende Kapital wird knapp, die Investoren halten sich zurück", sagte Frommann. Gerade auch bei institutionellen Investoren wie Versicherungen und Banken gebe es derzeit viel Vorsicht im Beteiligungsgeschäft, auch mit Blick auf die Börsenentwicklung und eigene Probleme dieser Häuser. Zugleich steige die Zahl der Totalverluste unter den Engagements der Beteiligungsbranche. Es könnte in Zukunft noch ein weiterer Schub kommen, eine weitere Bereinigungswelle sei möglich.

Immer bedeutsamer werden am Beteiligungsmarkt unter den Engagements die Übernahmen von großen Unternehmen durch Finanzinvestoren (LBO). Es seien vor allem Ausgliederungen von Großkonzernen, die neue Eigentümer aus der Beteiligungsbranche fänden. Der Anteil der Engagements von Beteiligungsfirmen bei privaten und Familienunternehmen sei dagegen zurückgegangen, hieß es. Machten die so genannten LBOs im Jahr 1998 nur 23,5 Prozent der Übernahmen durch Finanzinvestoren aus, so habe deren Anteil in den ersten neun Monaten 2002 bei knapp 80 Prozent gelegen.

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