Zurückhaltung der Risikokapital-Fonds drückt Preise bei privaten Biotechfirmen
Börsenflaute bremst Biotech-Finanzierung

Die Risiko-Aversion der Finanzmärkte erreicht nun auch den Biotechsektor. Die Zahl der Insolvenzen steigt. Kapitalgeber werden wählerischer, sehen aber auch neue Chancen.

FRANKFURT/M. Auch mitten auf dem Wasser kann man mitunter verdursten. Diese bittere Erfahrung musste eine Reihe kleinerer Biotechunternehmen machen, denen in den vergangenen Monaten das Geld ausging. Obwohl etliche große Risiko-Kapital-Gruppen noch im vergangenen Herbst ihre Life-Science-Fonds kräftig aufgestockt hatten, wird die deutsche und europäische Biotechbranche zusehends von Finanznöten geplagt.

Auslöser ist die Baisse an den Börsen, wo der Biotechsektor durch eine Reihe von Flops, so zuletzt auch bei der Münchner Medigene AG, unter Druck geraten ist. Da im gegenwärtigen Umfeld Börsengänge so gut wie ausgeschlossen sind, müssen sich VC-Unternehmen darauf einstellen, bestehende Engagements länger durchzufüttern. Entsprechend vorsichtig gehen sie mit ihren Mitteln um. Das gilt umso mehr, als inzwischen auch einige private Biotech-Unternehmen - darunter etwa die Firmen Micromet, Wilex oder Biofrontera - Produkte in die klinischen Prüfung gebracht haben. Sie kommen damit in eine Phase, in der die Forschung richtig teuer wird.

Die Branchendaten sind dabei insgesamt keineswegs dramatisch. Der Kapitalzufluss an Biotechfirmen hat sich laut VC-Branchenverband BVK im Vorjahr vergleichsweise moderat von 840 auf rund 500 Millionen Euro vermindert. Und nach Daten der Beratungsgruppe Cap Gemini Ernst & Young ist die Zahl der Biotech-Unternehmen in Deutschland 2001 nochmals um 12 % gewachsen. Aber auch die Zahl der Insolvenzen scheint zuzunehmen. Seit Jahresbeginn mussten neun Firmen, darunter etwa der Augsburger Impfstoff-Entwickler Creatogen oder die Berliner Genprofile AG mit jeweils gut 30 Mitarbeitern aufgeben. In der Branche wächst die Sorge, dass der Gründungsboom der vergangenen Jahre völlig abreißt.

"Wir wissen nicht, ob wir am Ende der Talsohle stehen, oder am Anfang der Wüste Gobi", warnt etwa Berthold Hackl, Manager der Heidelberg Innovation-GmbH, die sich stark in der Beratung und Finanzierung junger Biotechfirmen engagiert und dabei auch in den vergangenen Monaten noch sehr aktiv war. Und Stefan Weber, Finanzchef der Leverkusener Biofrontera AG sieht die deutsche Biotechnologie an einem Punkt, "an dem sich entscheidet, ob die Dynamik anhält oder nicht."

Viele Vertreter von Venture-Capital-Fonds sprechen unterdessen von einer letztlich gesunden Konsolidierung. Eine relativ großzügige staatliche Förderung und unerfahrene Kapitalgeber haben aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahren zu viele Unternehmen mit unzulänglicher Basis hervorgebracht. "Diejenigen, die keine hochwertigen Investoren an Bord haben und ihre Ziele nicht erreichen, wird es nun aus dem Markt schütteln", erwartet Axel Pollack von der Münchner TVM-Gruppe.

Gerald Möller, Manager der Schweizer Risikokapitalgruppe HBM, sieht vor allem viele kleinere Firmen als Fusions- und Übernahmekandidaten. "Die deutschen Biotechfirmen haben bisher noch keinen Schritt getan, wirklich miteinander zu arbeiten." Dort, wo die Finanzierung trotz allem noch gelingt, müssen sich Firmengründer und Anfangsinvestoren immer häufiger auf so genannte "Down-Runden" einstellen. Die Bewertungen bei privaten Unternehmen, so schätzt Biotech-Berater Holger Bengs, haben um bis zu 50 % nachgegeben.

Diese Entwicklung wiederum könnte erfahrenen Investoren neue Chancen eröffnen. Darauf setzt auch die von Henri B. Meier im vergangenen Jahr gegründete HBM-Gruppe. Der einstige Finanzchef des Schweizer Roche-Konzerns erwarb sich in den 90er Jahren einen fast legendären Ruf, indem er antizyklisch investierte. Er sieht nach wie vor erhebliches Potenzial in der deutschen und europäischen Biotechforschung und sammelt nun auch bei deutschen Großanlegern die Mittel für einen neuen 200 Millionen Euro schweren Biotech-Fonds.

Quelle: Handelsblatt

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