Zurzeit fischen viele Anleger auf der Suche nach guten Aktien im Trüben –
Anlageprofis setzen auf bewährte Trends

Die letzten Monate haben Anlegern Hoffnung gegeben, dass die Baisse ausgestanden ist: So geht es beim Deutschen Aktienindex, aber auch an der Wall Street schon eine ganze Weile bergauf. Jetzt werden Investoren unsicher, ob die Trendwende schon geschafft ist oder ob der Herbst herbe Rückschläge bringen wird.

FRANKFURT/M. "Stockpicking ist jetzt besonders wichtig", betonen Profis wie Murdo Murchison, Manager des berühmten Templeton Growth Fund. Ihnen geht es also nicht darum, viel versprechende Länder auszumachen, sondern sie blicken gleich auf die Ebene der einzelnen Unternehmen, unabhängig davon, in welchem Markt sie zu finden sind. Anleger sollten dabei zuerst nach lukrativen Trends in der Wirtschaft forschen und dann niedrig bewertete Titel aussuchen, die davon am meisten profitieren. Eine niedrige Bewertung schlägt sich beispielsweise in einem geringen Kurs-Gewinn-Verhältnis nieder.

Einer der wichtigsten Trends ist, dass der Welthandel weiter zunehmen wird. Gerade Asien dürfte als Wachstumsregion viele Waren importieren. Daher zählt der von Morningstar als einer der besten auf seinem Gebiet bewertete Münchener Vermögensverwalter Wolfgang Mayr das international größte Shipping-Unternehmen AP Moeller-Maersk A/S aus Dänemark zu seinen Favoriten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2004 liegt nur bei rund zehn. Dazu ist die Gesellschaft auch stark im Ölgeschäft mit Asien engagiert.

Überhaupt werden im Segment Rohstoffe tätige Firmen, nicht nur, was den Handel anbelangt, derzeit von vielen Experten empfohlen. "Die Bewertungen von Ölaktien liegen auf einem Niveau, das angemessen wäre, wenn der Preis 20 $ statt heute etwa über 29 $ für ein Fass Öl liegen würde", sagt Jens Ehrhardt von der Vermögensverwaltung Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG in München. Besonders niedrig bewertet erscheint ihm Royal Dutch. Experten erwarten weiterhin eine hohe Nachfrage nach Öl: Vor allem in den USA gelten die Öl- und Benzinlagerbestände als zu niedrig. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat jüngst einen Anstieg des Weltölverbrauchs um rund zehn Prozent prognostiziert. Royal Dutch hat außerdem mit über 4 % eine hohe Dividendenrendite vorzuweisen - was Analysten in unsicheren Börsenzeiten ja oft als Kaufargument nennen. Nicht zufällig zählt daher auch der Ölwert British Petroleum mit einer Dividendenrendite von etwa 5 % zu den Favoriten von Murchison.

Auch einen Trend auf dem Devisenmarkt - die Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar dürfte sich Beobachtern zufolge fortsetzen - können sich Aktienfans zunutze machen. In Europa profitiert die reale Kaufkraft der Verbraucher davon, was zumindest auf mittlere Sicht das Konsumklima verbessern dürfte. Ehrhardt etwa sieht daher aktuell bei Konsumaktien Potenzial. Der Personalabbau bei vielen Unternehmen schlage seiner Ansicht nach auf Dauer aber negativ auf den Konsum durch.

In der Einzelhandelsbranche gibt es auch in den USA ein attraktives, mit einem KGV von 19 für 2004 günstig bewertetes Unternehmen, das sich trotz eines sich vermutlich abschwächenden Dollars für Anleger hierzulande rentieren dürfte: The Gap Inc. ist Marktführer im Einzelhandel in den USA. Nach Mayrs Einschätzung trifft die Gesellschaft aktuell mit seiner Produktpalette den Massengeschmack, was ihr Wachstumspotenzial und die Aussicht auf steigende Umsätze eröffnet.

In Bezug auf die jüngst stark gestiegenen Technologietitel sind sich die Experten uneinig: Manche setzen lieber auf defensive Werte wie Versorger und loben dabei alte Tugenden wie solide Bilanzen und hohe Cashbestände - wie etwa bei Eon, aktuell einer der Favoriten Murchisons. Andere sehen aber auch bei diesen Werten Potenzial. "Finger weg würde ich da nicht generell sagen", meint Mayr, "einige sind bereits hoch bewertet, lohnen aber aufgrund ihrer Wachstumsaussichten einen Kauf." Denn er sieht auch hier wieder Trends, von denen Anleger profitieren können. Mobilfunk bleibe ein Investitionsschwerpunkt, denn hier sieht er Wachstumspotenzial aufgrund der Einführung des UMTS-Standards, die Multimedia-Übertragungen per Handy möglich macht. "Davon werden die Leute sicher Gebrauch machen." Mayr nennt als Beispiel eine Mutter, die ein Bild vom Kind im Schwimmbecken dem Vater direkt ins Büro schickt. Hierzulande rechnet Mayer Ende 2004 mit dem Durchbruch der neuen Technologie. Bei vielen großen Mobilfunkwerten wie Vodafone gibt es aber ein Problem - sie sind hoch bewertet. Mayr verweist daher auf die belgische Mobistar mit einem KGV von aktuell 12. Auch der US-Wert Nextel Communications (KGV für 2003: 16,7) gefällt ihm, zumal er die "kommunikativ aktive" Zielgruppe der spanisch sprechenden Bevölkerung umwerbe.

Einen viel versprechenden Trend sehen Experten auch in der hohen Nachfrage nach Digitalkameras. Mayr nennt dabei den US-Techwert Sandisk (KGV 2003: 27), der Speicherkarten für Digitalkameras herstellt, als einen seiner Favoriten.

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