Zurzeit werden kaum neue Produkte auf den Markt gebracht
Themenzertifikate sind nicht mehr in Mode

Ob Glasfaser oder Erneuerbare Energien - Zertifikate mit bestimmten Themen sind "out". Neue Produkte werden kaum aufgelegt. Das sah während der Börseneuphorie ganz anders aus.

DÜSSELDORF. Banken und Finanzdienstleister gaben fast täglich neue Papiere aus. Anleger konnten sogar auf einen Wahlsieg der US-Präsidentschaftskandidaten George W. Bush oder Al Gore spekulieren. Doch die Bilanz bei vielen exotischen Zertifikaten ist ernüchternd: Die Werteinbußen sind zum Teil gigantisch.

"Dass solche Produkte momentan kaum noch aufgelegt werden, liegt daran, dass es kaum viel versprechenden Themen gibt", sagt Holger Bosse, Leiter des Zertifikategeschäfts bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Zu Zeiten der Interneteuphorie sei das anders gewesen: "Da wurden Themen geradezu gesucht." Ein weiteres Problem: Bei aktuell interessanten Bereichen, wie beispielsweise den Webserver-Aktien, stießen Zertifikate auf wenig Nachfrage. "Die Anleger reagieren prozyklisch", erklärt Bosse. Wenn der Aktienmarkt anzieht, würden Themenzertifikate stärker nachgefragt, weil Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen.

Nur wenige Papiere brachten eine gute Rendite

"Dass Themenzertifikate nicht mehr im Trend liegen, ist auch auf die Konzeption zahlreicher Produkte zurückzuführen", sagt Joachim Rohrmann, Zertifikatespezialist von der Deutschen Bank. Bei den meisten Papieren könne die Zusammensetzung nicht geändert werden. Hier seien teilweise Aktien von Gesellschaften enthalten, die entweder mittlerweile ein anderes Geschäftsmodell befolgen oder gar nicht mehr existieren.

Viele Anleger haben mit den sehr speziellen Themen Verluste gemacht. Zum Beispiel mit dem "Fibre Optic Basket", das sich nach Angaben der Dresdner Bank sehr gut verkauft hat. Wer dieses Glasfaser-Zertifikat gekauft hat, musste eine Werteinbuße von inzwischen mehr als 90 % hinnehmen.

Doch es gibt auch Ausnahmen. Das Transformer-Zertifikat von Société Générale setzt auf die Umstellung von Vorzugs- auf Stammaktien. Zu Wertsteigerungen kommt es, wenn Unternehmen ihre Aktienstruktur ändern, um ihre Zugehörigkeit zu großen Aktienindizes zu sichern. In einem Zeitraum, in dem der Deutsche Aktienindex mehr als 25 % an Wert verloren hat, notiert das Zertifikat fast unverändert. "Wir sind mit dem Verkauf des Transformer-Zertifikats sehr zufrieden. Überraschenderweise gab es auch viel Nachfrage von institutionellen Anlegern", sagt Marc Nasser, Experte bei Société Générale.

Weniger Anklang fand das aus dem gleichen Hause stammende Indian-High-Tech-Zertifikat. Es enthält aussichtsreiche indische Aktien und ermöglicht dem Käufer so den Zugang zum indischen Aktienmarkt. Das wäre für Anleger auf dem klassischen Weg über die Bank gar nicht oder nur mit hohen Kosten möglich. "Das Thema des Zertifikates ist sicherlich interessant", glaubt Nasser, aber die Erfahrung mit exotischeren Themen zeige, dass die Anleger ihr Augenmerk eher auf ihnen bekannte Unternehmen, Länder und Branchen legten.

Ein weiteres Zertifikat, das sich bislang überdurchschnittlich entwickelt hat, ist das WM-Select-Zertifikat von der WestLB Panmure. Enthalten sind Aktien von Unternehmen, die von der Fußballweltmeisterschaft 2006 profitieren sollen - etwa aus den Bereichen Tourismus, Bau und Dienstleistungen. Das Zertifikat wurde allerdings schwach verkauft. "In der Boomphase lag das Augenmerk auf Hightech-Themen", erklärt Mario Mosch, Spezialist für Aktienderivate bei der WestLB Panmure.

"Themenzertifikate werden bevorzugt von Anlegern gekauft, die ihre Entscheidungen ohne Beratung auf eigene Faust treffen", sagt Herbert Berger, Leiter des privaten Anlagemanagements bei der Dresdner Bank. Berger rät, Themenzertifikate lediglich als Beimischung in einem breit gestreuten Depot einzusetzen. "Kleinanleger sollten zunächst eine Vorstellung von Ihrem Anlageziel haben und dann nach geeigneten Instrumenten suchen", sagt Berger. Investoren könnten beispielsweise unter www.zertifikateweb.de nachsehen, in welchen Produkten aussichtsreiche Aktien enthalten sind - und diese anschließend vergleichen.

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