Zusätzlich Sicherungsverwahrung
Schmökel muss lebenslang hinter Gitter

Der Gewaltverbrecher Frank Schmökel muss wegen Mordes und anderer Straftaten für immer hinter Gitter. Das Landgericht Neuruppin verurteilte den 40-Jährigen am Mittwoch zu lebenslanger Haft mit Sicherungsverwahrung.

HB/dpa NEURUPPIN. Damit folgte das Schwurgericht dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Der psychisch kranke Straftäter sei für seine Taten auf der Flucht vor zwei Jahren in vollem Umfang schuldfähig. Er hatte seine Mutter und zwei Pfleger verletzt und später einen Rentner mit einem Spaten erschlagen.

Die Verteidigung hatte auf 13 Jahre Haft und die Fortsetzung der Therapie im Maßregelvollzug plädiert. Schmökel ist seit fast zehn Jahren in psychiatrischen Kliniken für Straftäter untergebracht, weil er mehrfach kleine Mädchen missbraucht hat.

Nun muss Schmökel auf jeden Fall länger als die bei einer lebenslangen Strafe meist üblichen 15 Jahre hinter Gittern bleiben. Dann prüft das Gericht alle zwei Jahre, ob die Sicherungsverwahrung noch nötig ist. Aufgehoben wird sie erst, wenn der Verurteilte nicht mehr als Gefahr für die Allgemeinheit gilt - möglicherweise aber nie.

Das Urteil in dem 13 Verhandlungstage dauernden Mordprozess nahm der mit einem schwarzen Anzug bekleidete Schmökel ohne äußere Bewegung zur Kenntnis. Ruhig und aufmerksam folgte er der Urteilsbegründung der Vorsitzenden Richterin Jutta Hecht.

Noch kurz vor dem Richterspruch hatte er in einem Fernsehinterview im Gerichtssaal gesagt, er rechne mit einem fairen Urteil. "Ich hoffe, dass mir die Chance auf Therapie gegeben wird", sagte der an einer Persönlichkeits- und an einer Sexualstörung leidende 40- Jährige, der in Brandenburg als Symbol für das Scheitern des Maßregelvollzugs gilt.

Richterin Hecht zitierte aus einem Brief, den Schmökel auf der Flucht an einen Freund geschrieben hatte: "Um in den Besitz eines Autos zu kommen, würde ich auch töten". Dies habe er bei dem Mord an dem Rentner umgesetzt, meinte Hecht. Seine Mutter und die beiden Pfleger seien nur "durch Glück mit dem Leben davongekommen". Die Flucht des Gewaltverbrechers nach einem Besuch bei seiner Mutter vom 25. Oktober bis zum 7. November 2000 habe Deutschland in Angst und Schrecken versetzt, aber auch Empörung in der Öffentlichkeit hervorgerufen, weil es bereits Schmökels sechste Flucht war.

Schmökel selbst sagte nach den Plädoyers, wenn er für immer hinter Gitter müsste, käme das für ihn der Todesstrafe gleich. Der psychisch kranke Verbrecher verbüßte bislang im Maßregelvollzug eine Strafe wegen versuchten Sexualmordes an einem kleinen Mädchen. Er war 1995 zu 14 Jahren Haft verurteilt worden, kam aber in eine Klinik, weil er bei der Tat vermindert schuldfähig war.

Ein vom Gericht bestellter psychiatrischer Gutachter hatte in dem aktuellen Prozess Schmökel eine sadistisch-pädophile Sexual- und asoziale Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Seine Taten stellte Schmökel als Kurzschlussreaktionen dar: "Ich hatte nicht vor, jemandem weh zu tun", sagte er. In dem Prozess wurden 24 Zeugen und drei Gutachter gehört.

Das für den Maßregelvollzug zuständige Gesundheitsministerium in Potsdam begrüßte das Urteil in einer ersten Reaktion.

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