Zusätzliche Investitionen sind die Ausnahme
Sicherheitsbranche schlägt kein Kapital aus der Terrorangst

In Zeiten von Terror, Milzbrand-Angst und Krieg hat Sicherheit Hochkonjunktur - könnte man meinen. Während amerikanische Unternehmen fieberhaft an Katastrophen-Vorkehrungen basteln, ist die Lage in Deutschland aber vergleichsweise ruhig. Dass die am Sonntag beendete Berliner Sicherheitsmesse SiTech weniger Besucher anzog als erwartet, ist nur ein Indiz dafür.

DÜSSELDORF. Das Interesse an den neuesten Entwicklungen in der Überwachungs- und Sicherheitstechnik war geringer als erwartet. Nur etwas mehr als 6 000 Besucher kamen von Mittwoch bis Sonntag auf die Berliner SiTech, die mit 85 Ausstellern aus neun Ländern auch deutlich kleiner war als die Messen der vergangenen Jahre.

"Es gibt keinen Boom in der Sicherheitsbranche", widerspricht auch Harald Olschok anderslautenden Gerüchten. Olschok ist Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes für Wach- und Sicherheitsunternehmen ( BDWS ). Er konstatiert lediglich eine "wachsende Sensibilität" für das Thema Sicherheit. Zwar melden einige Anbieter der Branche zusätzliche Aufträge für Sicherheitstechnik und privates Wachpersonal, aber einen Trend will daraus kaum jemand ableiten.

Amerikanische Unternehmen haben hingegen längst aufwendige Vorkehrungen zur Sicherung ihrer Geschäftsabläufe getroffen. Sie verstärken die Sicherheitsmaßnahmen, vergrößern ihre Lager, um Lieferengpässen vorzubeugen und legen sich zum Teil sogar zusätzliche Standorte zu, um im Fall von Evakuierungen weiter arbeiten zu können.

Deutsche Unternehmen sehen keinen Grund zur Panik

Von solchen Anstrengungen ist in deutschen Unternehmszentralen nirgends die Rede, es gehe allenfalls darum "die internen Sicherheitskonzepte in den Unternehmen auf ihre Tauglichkeit gegen aktuelle Gefahren und Risiken zu überprüfen", bestätigt auch die Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW). Diese Prüfung mündet oft darin, dass lediglich die ohnehin geltenden Vorschriften verschärft werden. Hewlett-Packard-Angestellte wurden beispielsweise angewiesen, ihre Ausweise sichtbar zu tragen - "sonst nichts", sagt Unternehmenssprecherin Claudia Martens. "Die Sicherheitsvorkehrungen waren schon immer sehr gut", begründet sie.

"Business as usual" lautet die Devise der deutschen Geschäftswelt. Man sehe keinen Anlass zu Maßnahmen und wolle der Verunsicherung unter den Mitarbeitern keinen Vorschub leisten, heißt es unisono zur Begründung. Die deutsche Wirtschaft habe besonnen und mit Bedacht auf die Attentate reagiert, meint auch die ASW und betont, dass es keinen Grund zu Panik oder Hysterie gäbe.

Über Sicherheit spricht man nicht gern

Wer die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, spricht nicht darüber. "Wir haben die Maßnahmen verstärkt, wollen aber zu den Einzelheiten keine Stellung nehmen", heißt es bei Esso Deutschland. Und ein Volkswagen-Sprecher bestreitet zwar zusätzliche Vorkehrungen, sagt aber auch: "Über Sicherheit spricht man nicht so gern."

Zusätzliche Investitionen halten sich laut Bundesverband der Wach- und Sicherheitsunternehmen auch deshalb in Grenzen, weil der Bedarf wenn möglich mit vorhandenem Personal abgedeckt werde. Außerdem sähen viele Unternehmen die Notwendigkeit von Sicherheitsausgaben oftmals erst, "wenn etwas passiert ist", so Hauptgeschäftsführer Olschok. Darin sieht er auch den Grund für eine überraschende Entwicklung, die er trotz aller Sicherheitsdiskussionen zur Zeit auch beobachtet: Angesichts der schlechten Wirtschaftslage kürzen gerade kleinere Unternehmen ihre Sicherheitsausgaben sogar - schließlich gelte Kriminalität trotz allem immer noch als kleinste Bedrohung. Für das Gros der Unternehmen sind Brand und Wasser auch weiter die Hauptgefahren. Olschoks Begründung ist simpel wie einleuchtend: "Brandschäden beispielsweise sind sieben bis acht Mal häufiger als Einbrüche".

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