Zusätzliche Kosten der Magnetschnellbahn in Milliardenhöhe erwartet
Bahn sieht billigere Alternative zum Transrapid

Die Kritiker des Transrapids erhalten neue Munition. Die Deutsche Bahn AG kommt in einer vertraulichen Vorstandsvorlage zu dem Ergebnis, dass es für die geplanten Transrapidstrecken im Ruhrgebiet und in Bayern deutlich preisgünstigere Alternativen gibt. "Eine verkehrlich ähnlich leistungsfähige Rad/ Schiene-Verbindung ist für 30 bis 50 % geringere Investitionskosten zu erstellen", heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Bahn ist als Betreiber des Transrapids in Bayern und NRW vorgesehen.

BERLIN. Das Ergebnis ist vor allem für die Düsseldorfer Landesregierung prekär. Nächste Woche entscheidet der Bundestag, ob NRW wie gefordert bereits in diesem Jahr eine erste Tranche des bisher gesperrten Bundeszuschusses bekommt. In der als "Entscheidungsfindung zu Magnetschnellbahnstrecken" bezeichneten Vorstandsvorlage warnt die Bahn vor zusätzlichen Kosten zwischen 700 Mill. und 1,1 Mrd. Euro für die beiden Transrapid-Projekte. Der Betrag kann nach Bahn-Einschätzung sogar noch höher ausfallen. 50 bis 60 % der Investitionskosten seien "risikobehaftet", da die Industrie für Fahrzeuge, Leittechnik und Infrastruktur bisher keine eigene Kostenschätzung vorgelegt habe, heißt es in dem Papier.

Beim Metrorapid durch das Ruhrgebiet äußert die Bahn zudem massive Zweifel an den von Bund und Land prognostizierten Einnahmen. Die Erlöse seien etwa 50 % geringer als in der Machbarkeitsstudie ausgewiesen. Hinzu kämen deutliche Verluste bei den bisherigen Nahverkehrsverbindungen, da es sich bei 70 % der Fahrgäste des Metrorapids um Umsteiger handele. Auch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hält die Einnahmeprognose für zu optimistisch. Schließlich hält die Bahn das Ziel der Landesregierung für unerreichbar, den Metrorapid zur Fußball-WM 2006 in Betrieb zu nehmen. In dem Papier wird als realistischer Zeitpunkt Anfang 2009 genannt.

Für die nordrhein-westfälische Landesregierung, die den Metrorapid unbedingt bauen will, sind diese Kritikpunkte ein gefährlicher Stolperstein. Ihr Finanzierungskonzept beruht auf den Zahlen der von der Bahn angezweifelten Machbarkeitsstudie. Auf Grundlage dieses Finanzierungskonzepts entscheidet am 20. Februar der Haushaltsausschuss des Bundestages, ob NRW dieses Jahr 80 Mill. Euro Zuschuss für die Metrorapid-Planung erhält. Die Grünen haben bereits erhebliche Vorbehalte geäußert. NRW-Regierungschef Peer Steinbrück hat dagegen mehrfach betont, ohne dieses Geld die Planung nicht fortsetzen zu können.

Der Bund rechnet mit Gesamtkosten für die beiden Transrapidstrecken in Bayern und NRW von 4,8 Mrd. Euro und hat einen Zuschuss von 2,675 Mrd. Euro (2 Mrd. für NRW und 675 Mill. für Bayern) in Aussicht gestellt. Nach Ansicht der Bahn reicht das bei weitem nicht aus. Aus der Unterlage für den Vorstand geht hervor, dass sie von Gesamtinvestitionen zwischen 5,5 und 5,9 Mrd. Euro ausgeht.

Als billigere Alternative schlägt das Papier deshalb einen Ausbau des Schienennetzes vor. Eine neu gebaute schnelle Bahnverbindung zwischen Düsseldorf und Dortmund würde nur 1,9 Mrd. Euro kosten statt der für den Metrorapid veranschlagten 3,2 bis 4 Mrd. Euro. Die prognostizierte Bahn-Fahrzeit von 45 Minuten wäre nur fünf Minuten länger als die des Metrorapids. Noch billiger wäre der Ausbau des Nahverkehrs, der nur 250 Mill. Euro kosten würde, allerdings keine Zeitersparnis brächte.

Beim Neubau einer Bahnverbindung vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen rechnet die Bahn mit Kosten von 950 Mill. Euro statt der für den Transrapid veranschlagten 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro. Hier läge die Fahrzeit bei 20 Minuten gegenüber 10 Minuten mit dem Transrapid.

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