Zusätzliche Maßnahmen zum Abbau der Kapazitäten geplant
BASF kann Ertragsziel nicht mehr erreichen

BASF-Vorstandschef Jürgen Strube hat die Finanzmärkte und die Belegschaft des Ludwigshafener Chemiekonzerns auf schlechtere Ertragszahlen vorbereitet.



Reuters LUDWIGSHAFEN. Der weltweite Konjunkturabschwung und die Folgen der Terroranschläge vom 11. September machten es, anders als im August noch erhofft, unmöglich, das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen in den Jahren 2000 bis 2002 um durchschnittlich mindestens zehn Prozent zu steigern. "Das Ergebnis wird in der zweiten Jahreshälfte deutlich schwächer als erwartet ausfallen", sagte Strube. "Unter all diesen Voraussetzungen ist es nicht möglich, unser ehrgeiziges Ergebnisziel für den Zeitraum 2000 bis 2002 zu erreichen." Die BASF-Aktie reagierte auf diese Aussagen zunächst mit deutlichen Kursverlusten.

Grund für Strubes Pessimismus ist die veränderte Konjunktureinschätzung des BASF-Chefs, der am 7. August vor der Presse noch bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für 2002 prognostiziert hatte. "Zurzeit kann niemand sagen, wann der Aufschwung wieder einsetzt. Wir rechnen weder im vierten Quartal noch zur Jahreswende mit einer deutlichen Verbesserung der Konjunktur oder gar einem weltweiten Wirtschaftsaufschwung." Im August hatte Strube außerordentliche Anstrengungen des Konzern und eine wirtschaftliche Erholung der Industriestaaten zur Jahreswende zur Voraussetzung für das Erreichen der Ertragsziele der BASF gemacht.

Jetzt erklärt Strube, dass das für den Chemieabsatz der BASF wichtige Verbrauchervertrauen in Europa und den USA durch die Terroranschläge und die Konjunktursorgen der Menschen stark abgenommen habe. Dadurch sei der Auftragseingang der BASF "deutlich zurück gegangen, bei gleichzeitig hohem Margendruck und einem unbefriedigenden Preisniveau", sagte der BASF-Chef. Der Rückgang des operativen Ergebnisses im dritten Quartal 2001 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal werde deutlich stärker ausfallen als im zweiten Quartal mit 14,9 %.

"Die Auslastung unserer Anlagen hat momentan den niedrigsten Stand seit Jahren erreicht", sagte Strube. Deshalb prüfe die BASF, wie sie kurzfristig Kapazitäten stilllegen könne. Derartige Maßnahmen würden das Anfang August angekündigte Restrukturierungsprogramm ergänzen, mit dem die BASF jährlich rund 400 Mill. Euro Kosten sparen will. Die Zahl der in den nächsten 18 Monaten wegfallenden Arbeitsplätze hatte BASF damals mit 4000 angegeben.

Genaue Zahlen zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal will die BASF am 13. November präsentieren. Schon jetzt stellte Strube aber fest, dass das operative Ergebnis 2001 trotz aller Schwierigkeiten "klar positiv" ausfallen werde. Sicher sei auch, dass die Nachfrage nach Chemieprodukten bereits einige Monate vor einer allgemeinen konjunkturellen Erholung ansteigen werde. "Deshalb erwarten wir, dass eine gut positionierte BASF dann wieder zu den Frühstartern zählen wird", sagte Strube.

Am Aktienmarkt konzentrierten sich die Investoren am Montag allerdings auf den Ertragspessimismus des BASF-Chefs. Die Aktie des Unternehmens fiel am Vormittag zeitweise bis auf 35,80 Euro, verglichen mit 38,01 Euro beim Handelsschluss am Freitag. Am Mittag notierte das Papier bei 36,50 Euro. Ihr Jahreshoch hatte die Aktie im März mit 51,00 Euro erreicht, das Jahrestief von 28,36 Euro wurde am 21. September markiert.

Nach Einschätzung von Händlern wurde der Kurs gestützt durch Aussagen aus dem BASF-Umfeld, wonach der Konzern voraussichtlich kein Angebot für den als ertragsschwach geltenden französischen Spezialchemie-Hersteller Rhodia abgeben wird. Offiziell äußerte sich BASF zu anders lautenden Medienberichten nicht.

Vergangenen Dienstag hatte das Investmenthaus Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) die BASF-Aktie von "neutral" auf "underperform" abgestuft und zur Begründung auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld der Chemie-Industrie hingewiesen. Das Kursziel von SSSB für die nächsten zwölf Monate beträgt 33 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%