Zusammenarbeit mit Compaq Computer – Datenbank-Sammlung wird auch auf Proliant-Hardware angeboten
Oracle verteidigt Vision des Netzcomputers

Eine gute Feindschaft muss man pflegen: Oracle-Chef Larry Ellison hat bei seinem Comdex-Auftritt keine Gelegenheit ausgelassen, Breitseiten gegen Erzfeind Microsoft abzuschießen. Die Visionen von Bill Gates hält er für schlicht falsch, das groß angekündigte Microsoft Web-Tablett für überflüssig.

pos LAS VEGAS. Der Schlagabtausch zwischen den Multimilliardären Bill Gates (Microsoft) und Larry Ellison (Oracle) gehört schon zu den gern gepflegten Traditionen der größten amerikanischen Computermesse Comdex. Diesmal begann er bereits vor der Saaltüre des Messehotels Las Vegas Hilton, wo Microsoft-Mitarbeiter den Besuchern ihre Kaffeebecher förmlich aufdrängten.

Die Aufschrift auf den Tassen war eine direkte Attacke gegen den Erzfeind Oracle. Die "Million-Dollar-Mugs" (Mug amerikanisch für Becher, aber auch Trottel) sollten Oracle-Kunden dazu verführen, doch lieber bei Microsoft zu bleiben. Die Gates-Company reagiert damit auf ein Oracle-Angebot, Web- Kunden von Microsoft eine Million Dollar zu zahlen, wenn deren Software nach der Installation von Oracle-Programmen nicht dramatisch beschleunigt würde.

Was auch immer die Kontrahenten während der Comdex an Schlachtenlärm veranstalteten, für die Kunden der beiden Software-Giganten wird die Auseinandersetzung zunehmend ärgerlich. Die Benutzer leiden längst unter diesem "Krieg der Software-Sterne". Denn sie wissen nicht, mit welchen Investitionen sie letztlich auf der sicheren Seite sind. Während Microsoft weiter auf vernetzte PC setzt, arbeitet Oracle an der Vision einer Computer-Gegenwelt. Oracle will alle Programme auf die Server im Netz verbannen, auf den PC sollen dann nur noch Spiele oder simple Büroprogramme laufen.

"Wer heute noch Software für PC schreibt, hat bald ein totes Unternehmen", orakelt Oracle-Chef Ellison und geht noch weiter: "Es war ein fundamentaler Fehler der Industrie, individuelle PC zu verkaufen." Auch das angekündigte Web- Tablet von Microsoft, ein flaches und leichtes Web-Terminal mit voller PC-Funktionalität und neuartiger Schrifterkennung und-bearbeitung, fand keine Gnade bei Ellison: "Wer will schon seine E-Mails mit einem Stift schreiben - irgendwie irrelevant."

Dafür verkündete Ellison eine Kooperation mit Compaq Computer. In deren Rahmen soll die neue Oracle 9i-Software im Komplettpaket mit Compaq Proliant-Hardware als "schlüsselfertige" Plug- and-Play-Lösung verkauft werden.

Die dreiteilige Oracle-9i-Sammlung ist das Folgeangebot der Datenbanksoftware 8i. Sie besteht aus der klassischen Datenbanksoftware von Oracle, die in der Ausgabe 9i um einen Application-Server erweitert wurde. Dahinter steckt eine Software, mit der sich Anwendungsprogramme auf Serverhardware verwalten lassen. Auf diese Server können dann PC zugreifen. Als drittes Element enthält 9i eine Sammlung von Entwicklungswerkzeugen.

Alle drei Softwarekomponenten sind nach Angaben von Oracle in besonderem Maße auf den Einsatz im Internet (i) ausgerichtet worden. Das Paket 9i ist jedoch nicht zu verwechseln mit Oracles Business Suite 11i, die im Mai dieses Jahres auf den Markt kam. 11i ist direkt mit dem Angebot R/3 und Mysap.com der SAP vergleichbar.

Welches Betriebssystem Oracle bei seiner Kooperation mit Compaq verwenden wird, wollte Ellison nicht beantworten. Nach Rückfragen im Silicon Valley war zu erfahren, dass es sich zunächst - wie bei Oracle 8i - um Solaris Unix von Sun Microsystems handelt. Ein Angebot auf Linux sei zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

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