Zusammenfassung erst um 21.15 Uhr
Schnipsel und Lageberichte statt Live-Übertragung

Erstmals werden alle Spiele live gezeigt. Trotzdem wird die Mehrheit der Fußballfans davon wenig profitieren, da weniger als 10 Prozent aller Haushalte Premiere empfangen.

dpa HANNOVER. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea bietet für die deutschen Fernseh-Zuschauer ein Paradox: Einerseits gab es noch nie von einer WM so viele Bilder wie in diesem Jahr, und erstmals werden sogar alle Spiele live gezeigt. Andererseits wird die Mehrheit der Fußballfans so wenig WM-Spiele wie schon lange nicht mehr sehen können. Der Verkauf der Fernsehrechte an die inzwischen insolvente Kirch Media stellt eine Zäsur dar, die für mehr als 90 % aller Haushalte zurück in die TV-Vergangenheit führt - oder zu zusätzlichen Kosten für ein Premiere-Abonnement.

Das Schreckensszenario für die Fußball-Freunde könnte zum Beispiel so aussehen: Ein irischer Spieler schießt am ersten Spieltag der deutschen Gruppe gegen Kamerun drei Tore - und die Treffer sind frühestens elf Stunden später im Fernsehen zu sehen. Das ist eine der Konsequenzen aus den eng gefassten TV-Verträgen, die Kirch Media geschlossen hat. Nicht einmal die Hälfte der 64 WM-Spiele können die Fans live im frei empfangbaren Fernsehen sehen.

ARD und ZDF teilen sich das für rund 125 Mill. Euro erworbene Mini-Paket von 24 Partien und dürfen zudem das Spiel um Platz drei zeigen, falls das deutsche Team mitkickt. Wer von den übrigen Begegnungen Bilder sehen möchte, muss sich bis 21.15 Uhr gedulden, wenn sich SAT.1 mit seiner Zusammenfassung erstmals als WM-Sender versucht - und der große Quoten-Gewinner werden könnte.

Der komplizierte Kontrakt mit Kirch Media, welche die Rechte hausintern an Kirch Sport weitergeben musste, schränkt ARD und ZDF reichlich ein. Er verbietet es den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern, die bisher das WM-Monopol besaßen, von den anderen 40 Spielen Szenen vor 22.10 Uhr zu zeigen. Und selbst von den erworbenen 24 Spielen dürfen im Anschluss an die Live-Übertragungen nur noch 90- Sekunden-Schnipsel in den Nachrichten-Sendungen gezeigt werden. Statt der geliebten Tricks und Tore werden die Fans von der WM tagsüber vor allem Interviews, Analysen und lange Lageberichte aus dem deutschen WM-Quartier in Miyazaki sehen.

ARD und ZDF versuchen dennoch, ihr Mini-Paket anzupreisen. ZDF - Chefredakteur Nikolaus Brender verspricht trotz des kleinen Live- Angebotes in einer Pressemitteilung "die ganze Spannung und Dramatik des Sportereignisses des Jahres". Und ARD-Teamchef Jürgen Kellermeier schreibt, mit den Spielen von Rudi Völlers Team habe man "die Originale. Was die Konkurrenz von den Spielen der deutschen Mannschaft nach deren Abpfiff zeigt, wird dem gegenüber stets eine Konserve sein".

Die angesprochene Konkurrenz ist vor allem SAT.1. Der Privat- Sender geht 31 Mal mit "ran - WM-Fieber" auf Sendung und darf als erster Free-TV-Anbieter von allen Partien bewegte Bilder zeigen. Live-Partien sind aber auch für das Tochterunternehmen der zahlungsunfähigen Kirch Media tabu.

Die komplette Fußball-WM gibt es nur bei Premiere. Für 2,4 Millionen Abonnenten, das sind nicht einmal zehn Prozent der deutschen TV-Haushalte, bietet der Bezahlsender Fußball bis zum Abwinken. Das WM-Programm wird 24 Stunden laufen, nach der aktuellen Berichterstattung werden auf fünf Kanälen ab 17.00 Uhr alle Partien in voller Länge wiederholt beziehungsweise werden Zusammenfassungen und Magazine ausgestrahlt.

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