Zusammenschluß vom 19. bis 21. März
Zehn Fragen und zehn Antworten zur neuen Gewerkschaft Verdi

dpa STUTTGART/BERLIN. Vom 19. bis 21. März wollen sich in Berlin fünf Gewerkschaften zu Verdi zusammenschließen, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Was ist das Ziel der Fusion?

Die Befürworter des Zusammenschlusses verweisen darauf, dass die Gewerkschaften untereinander immer mehr konkurrieren. Beispiel Theater: Hier kämpft die IG Medien ebenso um Mitglieder wie die ÖTV. Bei den Banken wiederum konkurrieren HBV und DAG, im öffentlichen Dienst ÖTV und DAG. Durch den Zusammenschluss erhoffen sich die Fusions-Anhänger größere Schlagkraft und mehr politisches Gewicht. Außerdem kommt die DAG unter das Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Hinzu kommt: Die Fusion soll helfen, die Kräfte zu bündeln und - unter anderem - durch die Zusammenlegung von Bezirken auch Geld zu sparen.

2. Ist Verdi wirklich die weltweit größte Gewerkschaft?

Ja, allerdings mit einer Einschränkung: Sie ist mit rund drei Mill. Mitgliedern die weltweit größte freie Einzelgewerkschaft. Chinas Staatsgewerkschaft soll wesentlich mehr Mitglieder haben. Übrigens: Bisher war die IG Metall mit ihren 2,5 Mill. Mitgliedern die größte freie Einzelgewerkschaft der Welt. Mit der Gründung von Verdi steht die IG Metall auf Platz zwei.

3. Wie kam der Name zu Stande?

Zunächst hieß es auch in den Fusions-Organisationen immer nur: die geplante Dienstleistungsgewerkschaft. 1999 starteten die fünf Organisationen dann einen Wettbewerb unter den Mitgliedern, bei dem nach einem möglichen Namen für die neue Organisation gesucht wurde. Insgesamt gingen über 8 000 Vorschläge ein. Verdi - die Abkürzung für Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft - machte nicht nur bei den Führungsmannschaften der fünf Gewerkschaftschefs das Rennen. Die griffige Abkürzung, eine Anlehnung an den italienischen Komponisten Giuseppe Verdi, bestand auch eine repräsentative Umfrage. Von da an wurde an Verdi - zumindest dem Namen - nicht mehr gerüttelt.

4. Streiken mit Verdi dann Müllmänner zusammen mit Redakteuren?

Nein, in der Regel nicht. Denn ein Arbeitskampf bezieht sich immer nur auf einen Tarifbereich. Das ist bei Redakteuren und Müllmännern aber nicht der Fall. Auch bisher vertrat zum Beispiel die HBV verschiedene Tarifbereiche wie Einzelhandel und Banken: So legten die Banker die Arbeit nicht nieder, wenn es um Tarifverträge für den Einzelhandel ging. Allerdings betonen die Gewerkschaften, es gebe ja verschiedene Formen der Solidarität unterhalb des Arbeitskampfes, wie Solidaritätsadressen und Demonstrationen.

5. Warum ist die GEW ausgestiegen?

Zunächst waren es nicht nur fünf Gewerkschaften, die sich zusammenschließen wollten, sondern acht. Mit dabei waren die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), die Eisenbahnergewerkschaft und eben die GEW. Als erste sprang die NGG ab, im Februar 1998 dann die Eisenbahnergewerkschaft und einige Monate später die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Eisenbahnergewerkschaft will sich mehr international orientieren, hieß es. Bei NGG und GEW schien die Zeit für einen Zusammenschluss noch nicht reif. Die Spitzen der Organisationen befürchteten, in ihren Gewerkschaften nicht die nötige Zustimmung für die Fusion zu erreichen. Die anderen fünf betonen immer wieder, die Tür sei nicht zu, ein Anschluss an Verdi jederzeit möglich.

6. Wo hat die Zentrale ihren Sitz?

Die Verdi-Zentrale wird in Berlin sein. Der Grund: Es wurde nach einem Ort gesucht, der neutrales Terrain darstellt - an dem keine der Fusions-Gewerkschaften bisher ihren Sitz hat. Damit sollte der Eindruck vermieden werden, dass eine der Fusions-Gewerkschaften "gleicher" ist als die andere. Zudem versprechen sich die Gewerkschaften mit der räumlichen Nähe zur Bundesregierung und zu verschiedenen Verbänden mehr Einfluss auf Politik und Wirtschaft.

7. Wer wird Chef der neuen Groß-Gewerkschaft?

Aller Voraussicht nach wird der derzeitige ÖTV-Chef Frank Bsirske auch Vorsitzender von Verdi. Die ÖTV bringt etwa die Hälfte der künftigen Verdi-Mitglieder ein. In den Fusionsgesprächen kamen die fünf Organisationen deshalb überein, dass die ÖTV den ersten Verdi-Chef stellen soll.

8. Hatte die ÖTV das Sagen beim Fusionsprozess?

Die Fusion ist ein Zusammenschluss von Gleichberechtigten. Das ist einmalig in der Geschichte der deutschen Gewerkschaften. Bei sonstigen Zusammenschlüssen schluckte in der Regel die größere Organisation die kleinere. Bei den Fusions-Gesprächen von Verdi hatte die kleine IG Medien mit ihren 180 000 Mitgliedern das gleiche Gewicht wie die 1,5 Mitglieder zählende ÖTV. Bei Abstimmungen in der Gründungs-Organisation war zudem ein einstimmiges Votum erforderlich. Das machte den Prozess bisweilen schwierig, hieß es.

9. Wie viele Berufe werden in Verdi versammelt sein?

Der Müllmann wie der Redakteur, der Angestellte in der Stadtverwaltung wie der Verkäufer, der Postbote wie der Filmemacher, die kommunale Kindergärtnerin wie der Schriftsteller - alle sollen unter das Dach von Verdi. Insgesamt wird die neue Organisation weit über 1 000 Berufe vertreten.

10. Wo will die neue Organisation ihre Schwerpunkte setzen?

Zunächst soll es ein Ende der Nabelschau sein, heißt es in den Organisationen. Denn in den vergangenen drei Jahren wurde dort vor allem um eines gestritten: um die neue Gewerkschaft. Mit der Verdi - Gründung soll es wieder verstärkt um Inhalte gehen - ob Forderungen an die Arbeitgeber oder an die Bundesregierung. Zudem will Verdi so schnell wie möglich in jenen Branchen Fuss fassen, die derzeit - gewerkschaftlich gesehen - brach liegen, wie die Informationstechnologie.

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