Zusammenschluss von Andersen Deutschland mit KPMG wettbewerbsrechtlich problematisch
Monti könnte Fusion verhindern

Der deutsche Zweig des angeschlagenen Wirtschaftsprüfungsriesen Arthur Andersen verhandelt zurzeit mit dem Konkurrenten KPMG über einen Zusammenschluss. Doch ob Wettbewerbskommissar Mario Monti dieser geplanten Ehe seinen Segen gibt, ist mehr als zweifelhaft: Sein Job ist es, Fusionen daraufhin zu kontrollieren, ob dadurch Giganten entstehen, die ihren Markt beherrschen und Wettbewerber draußen halten können. Im Fall KPMG/Andersen spricht einiges dafür.

HB DÜSSELDORF. Einer früheren Entscheidung der Kommission von 1998 lässt sich mancher Hinweis darauf entnehmen: Damals ging es um die (genehmigte) Fusion von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand. Die Kommission verglich seinerzeit die Marktanteile der "großen Sechs", zu denen neben den genannten Firmen noch Ernst & Young und Deloitte Touche Tohmatsui gehören. Als relevanten Markt bezeichnete Brüssel damals das nationale Großkundengeschäft bei Abschlussprüfung und Buchführung, das die "großen Sechs" weitgehend unter sich ausmachen. Und auf diesem Markt kämen KPMG und Andersen im Jahr 2000 (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) auf einen Marktanteil von knapp 46 Prozent in Deutschland.

Ab 40 Prozent Marktanteil beginnt die Kommission massiv die Stirn zu runzeln. Aber die Monopolisierungs-gefahr ist nicht die einzige, die Brüssel Sorgen bereiten dürfte. 1998 wurden aus den "großen Sechs" die "großen Fünf", und jetzt liefe es in Deutschland sogar auf die "großen Vier" hinaus. Auch eine Entwicklung zu einem von wenigen Riesen beherrschten und abgeschotteten Markt würde Monti zu stoppen versuchen.

In der Price-Waterhouse-Entscheidung hatte die Kommission bereits zahlreiche Anzeichen für eine so genannte "oligopolistische Marktbeherrschung" auf dem Wirtschaftsprüfungsmarkt notiert: Der Markt wächst langsam, die Preise sind starr und transparent, Innovationen gibt es kaum, die Beziehungen zum Kunden sind meist langfristig. All dies begünstige einen Markt, der sich fest in der Hand der Großen befindet - wenngleich handfeste Beweise damals fehlten.

Dies könnte sich jetzt aber geändert haben: Schon 1998 hatte die Kommission darauf hingewiesen, dass die Lage bei einer damals geplanten, dann aber abgesagten Fusion von KPMG und Ernst & Young grundlegend anders aussehe: Dann sei ein "Ausmaß an Konzentration" erreicht, das die Annahme einer gemeinsamen Marktbeherrschung rechtfertigen würde.

Ungewiss ist aber, ob die Fusion überhaupt bei der Kommission und nicht vielmehr beim Bundeskartellamt in Bonn angemeldet werden muss. Schließlich geht es nur um den deutschen Markt. Sicher ist allerdings, dass die Wirtschaftsprüfer auch in diesem Fall kein leichtes Spiel hätten: Die Bonner Kartellhüter gelten als gewissenhafte Prüfer.

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