"Zusatzbonbon"
Neue Konzepte für das Webradio der Zukunft

Wer auf der CeBIT in Hannover vom 22. bis 28. März in der Flut von Informationen nicht untergehen will, kann sich mit den Ohren über Wasser halten. Einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Branchenschau startet das Internet-Radio der Deutschen Messe, Cyb-Affair, mit einem zweisprachigen Live-Programm in Deutsch und Englisch.

dpa HAMBURG. Cyb-Affair ist ein "Zusatzbonbon", sagte Anja Brokjans von der Deutschen Messe AG: "Wir wollen, dass die Leute im Internet surfen und nebenbei Radio hören." Das Internet-Radio als Zusatzmedium sieht auch Stephan Schwenk, Vorstandsvorsitzender der Berliner Webcast Media Group und Mitinitiator von "Webradio-Alliance", der Vermarktungsvereinigung sieben deutscher Internetsender. Schwenk ist optimistisch: Webradios könnten einen Teil des allgemeinen wachsenden Radiomarkts für sich gewinnen.

"Als Einzelprojekt ist Internet-Radio eine Totgeburt", macht Schwenk jedoch deutlich. Eine eigene Redaktion sei nicht finanzierbar. Der Pionier der Branche, das Hamburger Cyberradio, ist bereits pleite. Die Webcast Media Group nutze daher für das in Berlin produzierte "dasWebradio.de" Inhalte von zwei klassischen Radiosendern, die ebenfalls im Besitz der Aktiengesellschaft sind.

Technische Hürden erschweren den Weg zum Erfolg. Nutzer müssen sich eine Audio-Software wie Realplayer auf den Computer laden, bevor sie Web-Radio hören können - vorausgesetzt sie haben einen Computer mit Soundkarte, Lautsprecher, Browser und Internetanschluss. An manchen Tagen hätten 50 % der Besucher die Webseite des Berliner Webradios verlassen, ohne das Programm zu empfangen, sagte Schwenk. Eine neu eingesetzte Software mit dem Namen "Energis Streamwave", die Radioempfang ohne Realplayer möglich macht, habe die Zugangsschwelle bereits gesenkt. Der Sender ist nach dem Öffnen der Radio-Webseite sofort eingestellt.

Weiterentwicklung von Java-Radio



Eine ähnliche Anwendung präsentierte der junge Softwareentwickler Gerald Friedland gemeinsam mit Bernhard Frötschl, Diplom-Informatiker der Freien Universität Berlin, bereits auf der CeBIT 2000. Dieses Jahr zeigt der 22-Jährige die Weiterentwicklung von "World Wide Radio 2", besser bekannt als Java-Radio. Da die Tonqualität der Anwendung zwar für Sprache, nicht aber für Musik ausreiche, komme das Produkt zurzeit vor allem für die Wortübermittlung zum Einsatz, sagte Friedland. Das Berliner Gruselkabinett überträgt mit der Software Schreie auf seiner Webseite, und der Dozent des elektronischen Lernprojekts E-Kreide.de verschafft sich weltweit übers Netz Gehör.

Es muss nicht immer der Computer sein: Als weiteres Abspielgerät bringt die Webcast Media Group das Handy ins Spiel. Vorstandsvorsitzender Schwenk will Radioinhalte auf Mobiltelefone schicken: "Die sprechende SMS wird Wirklichkeit." Standort bezogen könne sich der Nutzer Nachrichten, Musik und Einkaufstipps aufs Handy schicken lassen.

Eine weitere Möglichkeit präsentiert 3Com auf der CeBIT. In Wohnzimmeratmosphäre zeigt das US-amerikanische Unternehmen das Internet-Radiogerät "Kerbango". Es erfordere lediglich einen Stromanschluss sowie eine Internetverbindung über Modem, DSL oder ISDN, teilte 3com mit. Dann stehe dem Empfangen und Suchen unterschiedlicher Audio-Sender nichts mehr im Wege.

8000 Radiosender weltweit



Weltweit sind etwa 8000 Radiosender übers Internet erreichbar. Nach einer Studie von Infratest Burke, die die Webcast Media Group in Auftrag gegeben hat, hören zirka 5,6 Mill. Deutsche Internet- Radio. Im vergangenen Jahr seien es noch 1,6 Mill. Menschen gewesen.

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