Zuschlag ab 1. November geplant – Neubuchungen bei Reisen schleppend
Auch deutsche Ferienflieger erhöhen ihre Preise

Die deutschen Ferienfluggesellschaften wollen die höheren Kosten für die Sicherheit an die Pauschalurlauber weitergeben. Im Gespräch sind 11 Euro pro Flug. Die Reisebranche hofft weiterhin, dass ihr die Militärschläge in Afghanistan nicht das Geschäft verhageln. Das Auswärtige Amt warnt vor Panik.

DÜSSELDORF. Nach den Linienfluggesellschaften werden in den nächsten Tagen auch die deutschen Ferienflieger einen Zuschlag auf den Ticketpreis erheben. "Höhere Preise sind unabwendbar", sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV), dem Handelsblatt. Laepple will in Abstimmung mit Wirtschaftsministerium und Bundeskartellamt Preiserhöhungen für die gesamte Charterbranche zum 1. November durchsetzen. Der Ticketzuschlag könne "bei etwa elf Euro" pro Flug liegen. Die exakte Höhe hänge davon ab, wie die laufenden Verhandlungen der Airlines mit den Versicherern ausgehen. Ferienfluggesellschaften spüren den Geschäftseinbruch seit den Terrorattentaten zwar nicht ganz so stark wie die Linienflieger, doch auch sie müssen fortan höhere Kosten für Sicherheit und Versicherungen stemmen.

Wegen hoher Überkapazitäten gilt die finanzielle Situation bei den deutschen Ferienfluggesellschaften ohnehin als angespannt. Mit Sorge schaut die Branche deshalb auf den Reisemarkt, der angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage weiter schwächelt. "Die Stornowelle direkt nach den Attentaten ist zwar vorbei, doch die Neubuchungen kommen nur sehr verhalten", sagte Laepple. Sie lägen derzeit etwa 30 % unter dem Vorjahreswert.

Reisekonzerne rechnen mit rascher erholung des Reiseverhaltens

Grundsätzliche Sorgen um die Zukunft des Touristikmarktes macht sich die Branche jedoch auch nach den ersten Militärschlägen in Afghanistan nicht: "Wir rechnen im nächsten Jahr weiter mit einem satten einstelligen Plus", sagt eine Sprecherin des Reiseveranstalters ITS. Auch bei Thomas Cook wird erwartet, dass sich das Reiseverhalten rasch wieder erholen wird. Im kommenden Jahr geht die gemeinsame Touristik-Tochter von Lufthansa und Karstadt Quelle von einem Gästeplus von 4 % bis 5 % aus.

"Es ist nicht die Frage, ob die Deutschen in Urlaub fahren, sondern allenfalls, wohin sie fahren," betont DRV-Präsident Laepple. In den vergangenen Wochen sei deutlich der Trend auszumachen, dass beliebte Reiseziele wie Türkei oder Ägypten zwar verstärkt gemieden werden, dafür aber andere Destinationen wie die Kanarischen Inseln boomten.

"Spanien profitiert in solchen Situationen immer und läuft zurzeit hervorragend", bestätigt auch ein TUI-Sprecher. Veranstalter Dertour registriert ebenfalls, dass viele Kunden sich andere Urlaubsziele suchen. So sei die Nachfrage nach dem klassischen Ski-Urlaub in Deutschland oder Österreich wieder stark gestiegen. Bei den Fernreisezielen seien Asien und Australien, für den Winterbade-Urlaub die Seychellen und Mauritius gut gefragt: "Hier gehen viele Kunden hin, die sonst in die Emirate geflogen wären."

Neue Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes

Den Veranstaltern ist es gleich: "Hauptsache, die Leute verreisen überhaupt", heißt es übereinstimmend bei den Unternehmen. Für eine generelle Reise-Zurückhaltung besteht auch nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes (AA) kein Anlass. Die Behörde hat noch am Sonntag eine Reisewarnung für Afghanistan ausgesprochen. Bereits seit dem Terroranschlag von New York rät sie von Privat- oder Geschäftsreisen unter anderem in den Irak, nach Pakistan und Tadschikistan ab. Zugleich hat das AA gestern seine Sicherheitshinweise für China, USA, Indonesien, die palästinensischen Autonomiegebiete, Israel und Ägypten aktualisiert. In China beispielsweise wird "aus aktuellem Anlass" vor Reisen in die Westprovinz Xinjian gewarnt, ansonsten aber keine Einschränkung empfohlen. In Indonesien sei "erhöhte Vorsicht" geboten, weil in der weltweit größten muslimischen Bevölkerung Demonstrationen oder Gewalttätigkeiten nicht auszuschließen seien. Reisen nach Bali der Lombok sind nach AA-Einschätzung unproblematisch.

Auch in Ägypten gebe es bisher keinen Grund, den Urlaub nicht anzutreten. In den USA hätten die Behörden ein "erhöhtes Risiko neuer Anschläge konstatiert, ohne konkret zu werden. Eine AA-Empfehlung: "symbolträchtige Orte" meiden."

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