Zuspruch aus Frankreich
Oberster Richter in Madrid von Autobombe getötet

In Madrid ist ein Richter des Obersten Gerichts durch einen Autobombenanschlag getötet worden, der der baskischen Untergrundgruppe ETA zugeschrieben wird.

Reuters MADRID. Auch der Leibwächter und der Chauffeur von Richter Jose Francisco Querol Lombardero kamen am Montag bei dem Anschlag in der spanischen Hauptstadt ums Leben. Die drei Männer verbrannten Augenzeugen zufolge in ihrem Wagen. Mindestens 66 Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen schwer. Mehrere Fahrzeuge wurden zerstört, ein Stadtbus fing Feuer. Sollte die ETA die Bombe gelegt haben, wäre es der folgenreichste Anschlag der Gruppe, seit diese im Dezember ihren Waffenstillstand aufkündigte. Spaniens König Juan Carlos sagte, die ETA habe einen "fürchterlichen Anschlag" verübt.

Der Sprengsatz explodierte am Morgen zur Hauptverkehrszeit an einer der belebtesten Kreuzungen von Madrid im Bezirk Arturo Soria. Den Behörden zufolge wurde ein mit Sprengstoff bepacktes Auto per Fernbedienung gezündet, als der Wagen des Richters vorbeifuhr. Der 69-jährige Lombardero war beim Obersten Gerichtshof für Militärangelegenheiten zuständig. Nach dem Anschlag sperrte die Polizei die Straßen, Festnahmen wurden zunächst nicht gemeldet.

Ein Rettungshelfer sagte, der Explosionsort habe ihn an Dantes "Inferno" erinnert. Bei dem Anschlag schwer verletzt wurden unter anderem der Fahrer des Stadtbusses sowie ein elfjähriges Mädchen. Notarztwagen brachten die Verletzten in nahe gelegene Krankenhäuser. Vor Ort versorgten Sanitäter die Anschlagsopfer. Beißender Qualm waberte über dem Explosionsort. Der Asphalt war voller Blut, überall lagen Glasscherben herum. Einen Mann mit blutbeflecktem Hemd habe er am Boden liegen sehen, der kaum noch bei Bewusstsein gewesen sei, sagte der Besitzer eines nahen Video-Ladens. Die Tochter des getöteten Richters sei seine Kundin gewesen, fügte der Mann hinzu.

Der spanische König sagte, früher oder später müssten die Verantwortlichen für den Anschlag büßen. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus. Ein Sprecher des französischen Außenministeriums sagte Spanien Zusammenarbeit "im Kampf gegen jede Form von Terrorismus" zu. Frankreich galt früher als sicherer Zufluchtsort für ETA-Mitglieder. In den vergangenen Jahren hatten Spanien und Frankreich jedoch bei der Verfolgung führender ETA-Angehöriger zusammengearbeitet, was zu zahlreichen Festnahmen führte.

Die ETA, die seit mehr als drei Jahrzehnten für einen unabhängigen Baskenstaat im Norden Spanien und in Südfrankreich kämpft, wird für den Tod von mindestens 800 Menschen verantwortlich gemacht. Seit Ende ihres Waffenstillstandes im Dezember wird der ETA mit dem Anschlag vom Montag der Tod von 19 Menschen zur Last gelegt. Mit ihren Gewaltakten dürften die Separatisten die Regierung von Ministerpräsident Jose Maria Aznar zu Verhandlungen über die Unabhängigkeit des Baskenlandes zwingen wollen. Aznar hat derartige Gespräche abgelehnt.

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