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Zuspruch für Ballack in Völlers «Schwarzwaldklinik»

Winden im Elztal (dpa) - Unweit der berühmten «Schwarzwaldklinik» will Rudi Völler in nur zwölf Tagen die körperlich ausgelaugten und mental angeschlagenen Fußball-Nationalspieler in EM-Form bringen.

Winden im Elztal (dpa) - Unweit der berühmten «Schwarzwaldklinik» will Rudi Völler in nur zwölf Tagen die körperlich ausgelaugten und mental angeschlagenen Fußball-Nationalspieler in EM-Form bringen.

Der vor Tatendrang sprühende DFB-Teamchef bat seine Akteure nur kurze Zeit nach der Ankunft in Winden im Elztal gleich zum ungeliebten Leistungstest. Und auch im ersten von drei Testspielen in Freiburg gegen Malta erwartet Völler ein von Ehrgeiz und Wiedergutmachungs-Ansprüchen gepacktes Team: «Die Mannschaft steht nach dem ominösen Spiel gegen Rumänien in der Pflicht. Das 1:5 hat uns geschadet. Das müssen wir vergessen machen. Man muss spüren, dass wir heiß sind auf die EM.»

Malta wird zum lockeren Aufgalopp - erst danach wird es richtig Ernst. «Die Defizite aufzuarbeiten, das beginnt erst danach», sagte Völler. Alles hat der Teamchef ausgerichtet auf den Ernstfall am 15. Juni gegen die Niederlande. «Wir werden uns so vorbereiten, dass wir am Tag X topfit sind.» Völler weiß, dass er insbesondere mit Schlüsselspielern wie Kapitän Oliver Kahn und Michael Ballack, die mit Bayern München eine Saison mit vielen Tiefpunkten erlebt haben, intensiv arbeiten muss. «Wichtig ist, dass die Spieler wie Ballack, die die Fäden ziehen sollen, in Top-Form ins Turnier gehen - nicht nur körperlich, sondern auch mental», betonte der 44-Jährige.

Bezeichnender Weise waren es die beiden «Leitwölfe», die als erste Spieler im «Schwarzbauernhof» in Winden im Elztal ankamen - anderthalb Stunden vor dem von Völler festgelegten Anreisetermin. Das Quartier ist dasselbe wie vor der WM 2002 - ein hoffentlich gutes Omen. Bei strahlendem Sonnenschein konnte Völler zunächst nur 20 Akteure in Empfang nehmen, da die Bremer Frank Baumann und Fabian Ernst noch das DFB-Pokalfinale in Berlin bestreiten und das 23. und letzte EM-Ticket erst kurz vor Nominierungsschluss am 2. Juni (24 Uhr) vermutlich an U 21-Nationalspieler Lukas Podolski vom 1. FC Köln vergeben wird.

Die elf EM-Startplätze gegen die Niederlande sind dagegen schon knapp drei Wochen vor dem Ernstfall gegen die Niederlage praktisch vergeben, wie sogar Völler indirekt bestätigte. «Man hat eine gewisse Formation im Kopf», sagte der Teamchef. Kahn ist im Tor trotz einiger schwerer Patzer in diesem Jahr. In der Abwehrkette sind die Turnier-Neulinge Arne Friedrich und Philipp Lahm rechts und links sowie die Routiniers Christian Wörns und Jens Nowotny innen erste Wahl. Prunkstück soll das Mittelfeld mit den Vize-Weltmeistern Ballack, Dietmar Hamann, Bernd Schneider und Torsten Frings sein, im Sturm plant Völler mit WM-Torjäger Miroslav Klose und Kevin Kuranyi.

Diese Elf soll sich in den echten Bewährungsproben gegen die Schweiz (2. Juni) und Ungarn (6. Juni) einspielen, aber auch schon gegen Malta größtenteils von Anfang an zum Einsatz kommen: «Wir werden mit einer Mannschaft auflaufen, von denen man viele gegen Holland sehen wird», so Völler. Gegen die Malteser stehen ihm vermutlich nur 15 Feldspieler zur Verfügung, denn neben Baumann und Ernst wird auch der Hamburger Christian Rahn nach seinem dritten Muskelfaserriss noch nicht wieder spielen können. Zudem ist der Einsatz des Hannoveraners Thomas Brdaric wegen einer Muskelverhärtung fraglich. Brdaric ist aber ohnehin nur als «EM-Joker» eingeplant.

In den sechs Tagen zwischen Malta- und Schweiz-Spiel will Völler richtig Gas geben. «Wir werden schon so trainieren, dass die Spieler in Portugal in einer Top-Verfassung sind.» Dafür war zunächst der Laktattest unerlässlich. «Ich weiß, dass der bei den Spielern keine Hurra-Stürme auslöst, aber er ist wichtig», erklärte Völler. Er will die Spieler im Trainingslager aber nicht 24 Stunden am Tag einkasernieren oder schwitzen lassen. «Die Zeiten von Malente sind vorbei. Da musste ich noch durch, das war nicht so toll.»

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