Zustimmung der Voicestream-Aktionäre hilft der T-Aktie nicht
Die Telekom hängt im Branchentief fest

Wäre die Börse tatsächlich im Stande, den "richtigen" Wert von Unternehmen zu bestimmen - Ron Sommer müsste gehen.

Innerhalb eines Jahres sank der Kurs der Telekom-Aktie von 104 auf 26 Euro, und Besserung ist nicht in Sicht. Dass derselbe Telekom-Chef in den Jahren zuvor den Kurs von 14 auf 104 Euro gebracht hatte: Wen interessiert das noch? Mit Sicherheit nicht die T-Aktionäre. Wenn Sommer unermüdlich wiederholt, dass sich das Engagement "langfristig" lohne, dann denken sie wohl nur noch an den Spruch des Wirtschaftsklassikers Keynes: Auf lange Sicht betrachtet sind wir alle tot.

So schrecklich viel ist aber an der Bewertungsweisheit der Börse wohl doch nicht dran, zumindest nicht im Augenblick. Gute Nachrichten, wie die Zustimmung der Voicestream-Aktionäre zur Übernahme durch die Telekom, verpuffen nach wenigen Stunden. Es sei ja keine Überraschung, außerdem koste es Geld, heißt es dann lapidar auf dem Parkett. Auch die Bekanntgabe des geplanten Fernsehkabelverkaufs an die Klesch-Gruppe brachte vor wenigen Wochen der T-Aktie kaum mehr als einen kurzen Kursausschlag nach oben. Dabei bringt sie Milliarden für den Schuldenabbau und entlastet die Telekom erheblich bei allen inländischen Kartell- und Regulierungsproblemen.

Nichts deutet also darauf hin, dass sich die Telekom aus dem allgemeinen Tief der Branche bis hin zu den Lieferanten wie Ericsson und Nortel befreien kann. Nachdem vor einem Jahr alle Analysten nur Chancen und keine Risiken sahen, ist es inzwischen genau umgekehrt. Die Gefahren für die Telekom und ihre Konkurrenten sind dabei gleich geblieben: Ertragsschwäche durch zunehmenden Wettbewerb im Festnetz und das teuer forcierte Wachstum im Mobilfunk. Allerdings wurden die Chancen der Branche, neue Dienste über neue Netze anzubieten, vornehmlich über die Börse finanziert. Dass dieses Geld inzwischen für die Umsetzung der ehrgeizigen Investitionspläne fehlt, zeigen die Gewinnwarnungen der Netzausrüster wegen zurückgehender Auftragsumfänge.

Im Vergleich mit Konkurrenten wie British Telecom schneidet die Telekom sogar noch gut ab: Bis zur Voicestream- Übernahme Mitte des Jahres ist sie seit Herbst durchfinanziert. Die seither gestiegenen Kreditkosten treffen sie noch nicht. Wenn der Kabel-Deal mit Klesch wie geplant gelingt, dann fließen zum richtigen Zeitpunkt knapp 10 Mrd. DM in die Kassen des Unternehmens. Die Telekom könnte ihre Ankündigung, die Schulden abzubauen, wahr machen und damit vielleicht auch die misstrauischen Ratingagenturen beschwichtigen. Die Telekom hält also die Crash-Börse länger durch als Konkurrenten, die sich schon jetzt mit ihrem Kreditmanagement befassen müssen.

Trotzdem ist die Zeit knapp für Sommer. Denn die Telekom hat nicht mehr viel, um ihre Bilanz aufzupolieren. Da steht nur noch ein im Wert drastisch gesunkener Zehn-Prozent-Anteil an der US-Telefongesellschaft Sprint zum Verkauf sowie die Immobiliensparte, deren Wert umstritten ist.

Klar ist: Die Telekom muss mehr Geld verdienen. Doch gerade im Mobilfunk, der im Jahr 2000 ins Milliardenminus rutschte, gestaltet sich das Geldverdienen schwierig. In diesem Segment, vor der Internationalisierung mit über 20 Prozent Umsatzrendite der Goldesel des Unternehmens, fallen weitere Kosten für den UMTS-Netzaufbau an.

Auch der Ausbau der neuen Tochter Voicestream verschlingt zunächst Milliarden. Nach dem weltweiten Telekomaktiencrash ist allerdings nur die Deutsche Telekom überhaupt noch fähig, dieses Geld für Voicestream aufzubringen. Deshalb werden die Aktionäre ihre Zustimmung zur Übernahme auch dann nicht zurückziehen, wenn die T-Aktie im Dauertief und unter der Nachverhandlungsmarge von 33 Euro bleibt.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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