Zustimmung von Wulff und Rüttgers
Neue Wege zum Wähler

Die CDU steht offenbar vor einer strategischen Neuausrichtung. CDU-Chefin Angela Merkel und der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) stellten am Freitag in Analysen zur Bundestagswahl fest, dass die Union Glaubwürdigkeitsdefizite im Norden und Osten, in Großstädten sowie bei Frauen und jüngeren Wählern aufzuarbeiten habe.

ddp BERLIN. Merkels Vizechefs Christian Wulff und Jürgen Rüttgers machten wie die Parteichefin selbst unter anderem Defizite in der Familienpolitik aus.

Merkel zufolge besteht das Hauptproblem der Union in den Großstädten im guten Abschneiden der Grünen, deren Themen Verbraucherschutz, Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und Bereitstellung einer guten Kinderbetreuung den Wählern offenbar wichtiger gewesen seien als die Verteuerung von Benzin durch die Ökosteuer. Einen besonderen Schwachpunkt sieht die CDU-Chefin in der Wahrnehmung des Familienbildes der Union. "Patchwork-Familien" fühlten sich von der CDU nicht gleichberechtigt akzeptiert. Merkel kündigte an, sich jeder Parteinahme in der Union für eine bestimmte Lebensform entgegenzustellen.

Auch Müller forderte, die CDU müsse familienpolitisch "glaubwürdiger" werden. Der Union sei es unzureichend gelungen, "das Lebensgefühl der Menschen in den norddeutschen, in den neuen Bundesländern und in städtischen Milieus zu erreichen." Zudem fühlten sich Frauen und jüngere Menschen "in unzureichendem Umfang" angesprochen.

Wulff verlangte, die Union müsse sich thematisch öffnen und Kompetenzen in den Bereichen Umwelt und Kultur zurückgewinnen. Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niedersachsen räumte indirekt ein, dass es ein Fehler gewesen sei, im Bundestagswahlkampf fast nur auf die Themen Wirtschaft und Arbeit zu setzen. Rüttgers sagte, damit habe die CDU die Wähler "emotional unterfordert". Rüttgers forderte seine Partei auf, sich in der Familienpolitik nicht dem "Trend zu einem selbstbestimmten, individualisierten Leben" zu widersetzen. "Früher haben mehr Frauen als Männer die CDU gewählt. Heute ist das anders", betonte Rüttgers.

Der NRW-CDU-Chef riet seiner Partei zugleich, sich verstärkt um die Wähler der PDS zu kümmern. Diese seien oft Anhänger konservativer Werte. Wenn sie sähen, dass die PDS auf Dauer ohne Einfluss bleibe, "werden sie auch bei der CDU im Osten eine neue Heimat suchen", hofft Rüttgers in einem vierseitigen Thesenpapier. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) forderte die CDU auf, die Befindlichkeiten der Menschen nördlich der Mainlinie besser aufzunehmen.

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hält eine Strategiedebatte in seiner Partei für unverzichtbar. Wer angesichts des "Abstiegs" der Union von 48,8 Prozent im Jahre 1983 auf 35 Prozent 1998 "nach 16 Jahren Helmut Kohl" ruhig bleibe, "der hat das Problem der CDU nicht verstanden", sagte er. Die Partei stehe erst am Anfang ihrer Erneuerung. In den Augen der Bürger habe die CDU "ihren Charakter als soziale Volkspartei verloren".

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